Arnstein
Renovierung

Neue Pfeifen und Antilopenleder für die Orgel

Orgelbaumeister Edgar Töpfer stattet das Instrument, das in der Sankt-Nikolaus-Kirche in Arnstein (Landkreis Lichtenfels) steht mit Zinn- statt Zinkpfeifen aus - und ganz exotisch mit antilopenledernen Ventilen.
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Beim Ausbau der 800 Pfeifen zum Auftakt der Arnsteiner Orgelsanierung wurde Orgelbaumeister Edgar Töpfer (2. v. li.) von den Pfarrangehörigen Thomas Betz (re.), Alfons Hatzold (li.) und Albin Will (oben) unterstützt.  Foto: Stefan Lutter
Beim Ausbau der 800 Pfeifen zum Auftakt der Arnsteiner Orgelsanierung wurde Orgelbaumeister Edgar Töpfer (2. v. li.) von den Pfarrangehörigen Thomas Betz (re.), Alfons Hatzold (li.) und Albin Will (oben) unterstützt. Foto: Stefan Lutter
Zu den letzten Maßnahmen der seit mehr als zweieinhalb Jahren andauernden Innensanierung der Sankt-Nikolaus-Kirche in Arnstein im Landkreis Lichtenfels gehört die Renovierung der Orgel. In der vergangenen Woche begannen die Arbeiten an dem Instrument mit dem Ausbau der Pfeifen, die Orgelbaumeister Edgar Töpfer aus Albertshofen in den kommenden Woche mit exotischem Material ausstattet.

Wenn in der Werkstatt im unterfränkischen Albertshofen (Landkreis Kitzingen) demnächst eine Ladung afrikanisches Antilopenleder eintrifft, ist dieses für die Arnsteiner Orgel bestimmt. Die Ventile an deren Pfeifen sind nämlich aus Leder, das in den vergangenen Jahrzehnten brüchig geworden ist, erklärte Edgar Töpfer beim Sanierungsauftakt. Von einer Reparatur mit der ebenso strapazierfähigen wie geschmeidigen Tierhaut aus der Savanne erhofft er sich, das Instrument zukunftssicher zu machen.

Insgesamt will er aber mit seiner Arbeit dem Originalklang aus dem Baujahr 1894 nahe kommen. Dazu beitragen soll auch der Einbau neuer Prospektpfeifen aus Zinn, die "optisch schöner und vom Sound her deutlich besser" seien, weiß der 55-Jährige. Solche Zinnpfeifen an seiner Front hatte das Kircheninstrument ursprünglich; wie bei vielen anderen Orgeln auch mussten sie in einem der beiden Weltkriege jedoch für die Metallgewinnung abgeliefert werden und wurden dann durch Zinkröhren ersetzt.

Pneumatische Bauweise


Das Besondere an der Orgel, die in den Jahren 1937, 1949 und zuletzt 1988 umgebaut beziehungsweise überholt wurde, sei Töpfer zufolge ihre pneumatische - also luftdruckgesteuerte - Bauweise. Ein Trend, dem Orgelbauer in der Zeit von 1880 bis 1950 folgten, und der nun mehr und mehr in Vergessenheit gerät. Deshalb freut er sich auf seine Aufgabe, die neben der technischen Überholung (darunter das Reinigen und Herrichten der knapp 800 Pfeifen) auch die abschließende Intonation beinhaltet, mittels der er der Sankt-Nikolaus-Orgel wieder die originale Klangcharakteristik zurückgeben möchte.

Beim Ausbau der Pfeifen packten auch drei Pfarrangehörige mit an, darunter Mesner Alfons Hatzold. Er wies darauf hin, dass ein Restaurator das Orgelgehäuse nach Ende der Renovierungsarbeiten, die voraussichtlich bis Mitte September dauern werden, farblich aufwertet. Bis dahin soll auch der große Kreuzweg, der im Zuge der Innensanierung instand gesetzt wurde, eingebaut sein, was den Abschluss des gesamten Sanierungsprojektes bedeutet. Während der Orgelsanierung, die laut Kirchenpfleger Gerhard Popp je nach Aufwand zwischen 20 000 und 30 000 Euro kostet, müssen die Kirchgänger übrigens nicht auf musikalische Begleitung der Gottesdienste verzichten, da Töpfer ein Ersatzinstrument zur Verfügung stellt.
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