Lichtenfels
Vision

Neue Impulse für die Innenstadt

Im Rahmen einer Stadtexkursion der IHK diskutierten Lichtenfelser Unternehmer mit Vertretern der Stadt darüber, die Innenstadt neu zu beleben. Schon jetzt dürfte feststehen, dass nicht alle Interessen in Einklang gebracht werden können.
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IHK-Vorsitzender Wilhelm Wasikowski eröffnete im Schuhwerk Lichtenfels mit Ladenbesitzerin Elke Sünkel die Veranstaltung.  Fotos: Maximilian Glas
IHK-Vorsitzender Wilhelm Wasikowski eröffnete im Schuhwerk Lichtenfels mit Ladenbesitzerin Elke Sünkel die Veranstaltung. Fotos: Maximilian Glas
Ist ein Outlet-Store wie Ingolstadt-Village ein geeignetes Konzept für das Lichtenfels der Zukunft? Software-Unternehmer Gerd Laatz (Z.I.E.L. GmbH) hat dieses Modell auf einer Stadtexkursion der IHK am Mittwochabend begrüßt: "Kleine Läden braucht in 20 Jahren kein Mensch mehr. Ein Konzept mit Wohnen im Zentrum und außenrum eine Art Lichtenfels-Village, das wäre ideal." Wie die Beispiele in Ingolstadt und Wertheim zeigen, würden davon auch der Einzelhandel in der Innenstadt von den Outlet-Stores profitieren.
Für Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) löst ein solches Projekt längst nicht alle Probleme: "Ich bin gegen einen Outlet-Store, denn der Einzelhandel in der Innenstadt wird dadurch kaputtgemacht." Die Lösung für die Zukunft müsse vielmehr eine Kombination von Wohnen und Handel im Stadtkern sein.

"Kein Größenwahn"

Ähnlich
sieht es Roberto Bauer, der Inhaber der Herren-Boutique ROB. "Wir dürfen nicht größenwahnsinnig werden, sondern wieder in kleinen Einheiten denken", sagt Bauer. Die Zukunft seien wieder kleinere Fachgeschäfte, die mit individueller Beratung punkten.
Unterstützung bekommt er dabei von anderen Ladenbesitzern. Rüdiger Heidenreich, der ein Weinhaus betreibt, wünscht sich beispielsweise ein Fischfachgeschäft. "Wir brauchen ausgefallene Läden und kein 08/15", fordert er. Die Unternehmer sind von den Vorteilen des Einzelhandels weiterhin überzeugt. "Bei uns im Geschäft kann man sich die Ware in Ruhe anschauen und auch mal einen Kaffee trinken", sagt Elke Sünkel, Inhaberin des Schuhwerks Lichtenfels. Sie rechne sogar damit, dass der Internethandel auf lange Sicht zurückgehe.
Alle Parteien waren sich einig, dass der Wandel momentan sowohl im Groß- als auch im Einzelhandel gigantisch sei. "Man darf aber auch nicht den Fehler machen und das Internet als Damoklesschwert ansehen", warnt Laatz. "Die Zukunft muss sowohl Einzel- als auch Onlinehandel lauten".

Verkehrsführung nicht optimal

Insgesamt waren die an der Stadt exkursion beteiligten Unternehmer mit ihrer Gesamtsituation ganz zufrieden. Trotzdem gibt es viel Spielraum für Optimierungen. Dies betrifft unter anderem die Verkehrsführung. "In Lichtenfels wird man über die abknickenden Vorfahrtsstraßen von der Innenstadt weggeleitet", sagt Roberto Bauer. Außerdem gäbe es keine Schilder, die den Weg ins Stadtzentrum weisen. Gegen eine mögliche Öffnung der Inneren Bamberger Straße für den Verkehr spricht sich Rüdiger Heidenreich aus: "Ich sehe die Gefahr, dass bei einer Öffnung viele Autofahrer abkürzen und sich vor allem jüngere Fahrer profilieren möchten."
Ein Dauerthema ist das Lichtenfelser Parkhaus. Bisher müssen Parkgäste bereits bei der Anfahrt entscheiden, wie lange sie parken möchten. Bürgermeister Hügerich versprach, das Thema in Kürze anzugehen, um den Parkern mehr Flexibilität zu gewährleisten.
Die größte Herausforderung für die nächsten Jahre bleiben aber dennoch die leeren Ladenlokale in der Fußgängerzone. Interessenten gibt es laut Roberto Bauer durchaus: "Es kommen immer wieder junge Unternehmer zu mir und stellen ihr Konzept vor. Sie sind bereit zu investieren, werden aber von den Banken entmutigt und abgewiesen." Die Runde war sich einig, dass die Mietpreise für viele Ladengeschäfte in der Innenstadt zu hoch sind. Hier bestehe in den nächsten Wochen und Monaten konkreter Handlungsbedarf. Um die Attraktivität für neue Interessenten zu erhöhen, müssten außerdem viele Immobilien erst aufwendig saniert werden.

Podiumsdiskussion am Dienstag

Wichtige Problemfelder sollen am Dienstag, 10. Februar, im Rahmen einer Podiumsdiskussion um 19 Uhr im Stadtschloss Lichtenfels erörtert werden. Die Veranstaltung, bei der rund 200 Stadtvertreter, Hauseigentümer und Unternehmer anwesend sein werden, läuft unter dem Motto: "Die Mitte neu erfinden". Debattiert wird unter der Leitung der IHK über mögliche neue Förderprogramme und andere Lösungen, um die Innenstadt wieder zu beleben.

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