Redwitz
Denkmal

Neue Eigentümer wollen Schloss Redwitz retten

Das Redwitzer Schloss ist einzigartig. Wer den Innenhof betritt, bekommt eine Ahnung davon, wie schön es hier einmal gewesen sein muss. Was ist daraus geworden - und was kann noch werden? Neue Eigentümer wollen sich des historischen Ensembles annehmen.
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Otto Schardt, Nachbar und neuer Miteigentümer, im Innenhof Foto: Ramona Popp
Otto Schardt, Nachbar und neuer Miteigentümer, im Innenhof Foto: Ramona Popp
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Es müssen stolze Bauherren gewesen sein, die die Burganlage im 13., 16. und 18. Jahrhundert zu dem gemacht haben, war sie einmal war. Das Wahrzeichen des Ortes an der Rodach, ein Beispiel für die Baukunst seiner Zeit, eine Stätte zum Wohnen, Arbeiten und Repräsentieren.

In den letzten Jahren ist das Redwitzer Schloss zu einem Beispiel dafür geworden, wie man mit einem Denkmal nicht umgehen sollte. Der neue Eigentümer Otto Schardt erlaubt uns einen Einblick. Der Rundgang vom Erdgeschoss bis zum Dachboden offenbart viele Zeichen der Zerstörung.

Die katholische Kirche hat in den 50er Jahren im Obergeschoss "einen Betsaal reingehauen". Schardts Formulierung ist wohl gewählt. Wie wäre es treffender zu beschreiben, dass aus dem Jahrhunderte altem Gemäuer Wände entfernt wurden und Zementestrich hineingekippt wurde?

Der Frevel ging in den folgenden Jahrzehnten munter weiter. Der nächste Besitzer bezog selbst eine Wohnung im Schloss, die er nach Gutdünken gestaltete. Es sind viele Blähtonsteine verwendet worden, Durchgänge zugemauert, Renaissance-Säulen in neue Wände versenkt, Fußböden und Decken überbrettert worden. Dabei verschwand der heilige Georg hinter Leichtbauplatten und auch Prudentia und Justitia - Bildnisse der Vernunft und Gerechtigkeit - bekamen ihr Antlitz verborgen. Mitunter wurden auch kläglich anmutende Stützen gesetzt, wo tragendes Bauholz im Weg war. "Er hat ein Barockportal rausgeschlagen, um an der Stelle einen Kamin einzuziehen", berichtet Otto Schardt.

Immenser Wasserschaden

Der letzte Vorbesitzer vermietete zunächst an neun Parteien hier, von denen eine noch geblieben ist. Er hätte mit einer Investition von wenigen hundert Euro an einer undichten Stelle im Dach wohl einen immensen Wasserschaden verhindern können. Der Stuck hat sich an jenen Stellen von der Decke gelöst, offenen Wunden gleich hängt Zwischendeckendämmung von oben herunter. An die 50.000 Euro dürfte es nun kosten, dieses wiedergutzumachen, schätzt Schardt.

Er berichtet das alles mit dem Gleichmut eines Mannes, der seine Grenzen kennt. Er ist jetzt Schlossbesitzer, aber kein reicher Investor, sondern der Nachbar, der sich ein Herz gefasst hat. Weil er weder ein fragwürdig genutztes Objekt noch eine Ruine vor der Haustür haben möchte. Er arbeitet im Außendienst eines deutschen Fahrradherstellers, hat drei Kinder. Die Familie lebt mit rund einem Dutzend Tiere auf dem Gutshof, den sie für Feriengäste ausgebaut hat. Früher waren Schloss und Gutshof einmal eine Einheit. Die will Schardt wiederherstellen.

Millionen-Investitionen nötig

Anfangs sei er ziemlich wütend über den sinnlosen Verfall gewesen, räumt er ein. Lange hat er zugeschaut und gesehen, dass nichts passiert ist. Gemeinsam mit einem Freund tätigte er schließlich den Kauf für "nur wenig mehr als den Grundstückspreis". Wohl wissend, dass man Millionen hier investieren müsste, um das Gebäude nur halbwegs vernünftig zu sanieren. Auch wenn man für den denkmalpflegerischen Mehraufwand mit großzügigen Zuschüssen rechnen könnte, bleibt ein Eigenanteil, den ein Privatmann ohne Aussicht auf eine Refinanzierung kaum schultern kann.

"Es wären super Räume zum Arbeiten", stellt Otto Schardt fest. Auch einen Saal für Veranstaltungen könnte man einrichten. Und vier gemütliche Ferienwohnungen. Insgesamt stehen 1500 Quadratmeter Wohn- und 3000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. "Aber ohne dass ein öffentlicher Träger miteinsteigt, sehe ich keine Möglichkeit, den großen Wurf zu machen", sagt er. Wenn aber keine Signale in dieser Hinsicht kommen, dann würde das Redwitzer Schloss einfach so stehen bleiben. "Aber zumindest bleibt es dann stehen", merkt Schardt an.

Denn dem Zerfall zuschauen, das will er nicht länger. Er strebt an, wenigstens einen soliden Grundzustand wiederherzustellen. Einige Container Schuttmaterial aus unsachgemäßen Einbauten hätten er und ein paar Helfer bereits rausgeschafft. "Wir haben schon viel angepackt mit verhältnismäßig wenig Geld." Schardt weiß, dass es etliche Leute gibt, die die Nachricht vom Kauf des Schlosses sehr positiv und erwartungsfroh aufgenommen haben. Weil sie sich wünschen, dass nun etwas geschieht. Andere hätten ihn wohl für verrückt erklärt.

"Es ist schön hier", sagt der neue Eigentümer beim Öffnen der Fenster mit dem Blick nach draußen. Die Frühlingsluft tut dem Gemäuer gut. Nachdenklich merkt Schardt an: "Schloss, Kirche und Ökonomiehof - das ist ein im Landkreis wohl einmaliges Ensemble. Das müsste man eigentlich erhalten."

Aus der über 750-jährigen Geschichte des Redwitzer Schlosses

1248: erste urkundliche Erwähnung des Redwitzer Schlosses unter Iring von Kunstadt bzw. von Redwitz
ab 1524: Zerstörung des Kernbaus im Bauernkrieg, anschließend Wiederaufbau und Erweiterung

17. Jhdt.: Errichtung des Südbaues und des Ostflügels

1873 Verkauf des Schlosses durch Wilhelm Theodor Freiherr von Redwitz an Johann Gampert (Brauereibesitzer)

1952 Erzdiözese Bamberg wird Eigentümerin, um in Redwitz neben der evangelischen St.-Aegidiuskirche einen katholischen Betsaal zu errichten. Zwei Privateigentümer folgen, bevor die derzeitigen Eigentümer Otto Schardt und Armin Fröhlich das Gebäude erwerben.

Ziel ist das Wiederherstellen der historischen Raumstrukturen und der Erhalt der Bausubstanz.





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