Lichtenfels

Nachwuchs hat großen Stellenwert

Bäcker leiden wie viele andere Handwerksberufe unter Nachwuchsmangel. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Azubis um zwei Drittel. Obermeister Mathias Söllner sieht das für den Landkreis Lichtenfels nicht so dramatisch.
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Zweimal hat Mathias Söllner den Lichtenfelser Ausbildungs-Löwen vom Landratsamt erhalten, worauf er auch sehr stolz ist. Foto: Lisa Kieslinger
Zweimal hat Mathias Söllner den Lichtenfelser Ausbildungs-Löwen vom Landratsamt erhalten, worauf er auch sehr stolz ist. Foto: Lisa Kieslinger
Mathias Söllner, Obermeister der Bäckerinnung, weiß gleich zu Beginn des Gesprächs, in welche Richtung es wohl gehen wird und stellt eines gleich vorweg klar: "In Lichtenfels haben wir keinen Nachwuchsmangel." Und damit hat er das Thema des Interviews exakt umrissen. Immer wieder ist von einer Nachwuchskrise im Bäckerhandwerk zu hören. Erst vor kurzem gab die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) wieder eine Pressemitteilung heraus: "Bäckereien im Landkreis Lichtenfels suchen Azubis - oft vergeblich."
Laut Mathias Söllner ist für den Kreis eine offene Stelle ausgeschrieben, und die sei noch aus dem vergangenen Jahr. "Die ist jetzt wahrscheinlich auch schon besetzt", sagt er. Bäcker melden ihre offenen Stellen meist nicht, meint Söllner. Die Interessenten kommen direkt in der Bäckerei vorbei und fragen nach einer Stelle.
"Erst gestern hatte ich hier einen jungen Mann sitzen, der im Sommer seine Ausbildung anfangen möchte", sagt Söllner.
Im Landkreis gebe es genug Interessenten. Aktuell hat der Lichtenfelser Bäcker einen Auszubildenden in der Backstube und drei im Verkauf. Eine davon ist Sabrina Wich-Knoten. Sie ist gerade in ihrem zweiten Ausbildungsjahr zur Bäckereifachverkäuferin. "Ich habe gern mit Menschen zu tun und rede gerne. Es hat einfach perfekt gepasst für mich", sagt sie, während sie nebenbei die Spezialität der Lichtenfelser Bäckerei verpackt: die selbst gebackenen Lebkuchen. Von der freien Stelle hat sie in der Zeitung gelesen und hat sich kurz darauf in der Bäckerei vorgestellt. "Ich dachte mir, ich probiere mal mein Glück", erzählt sie. Und es hat funktioniert.
Oft nimmt Mathias Söllner auch Lehrlinge aus dem Förderzentrum in Lichtenfels und gibt ihnen eine Chance. "Im Praktischen und in der Zuverlässigkeit stehen sie den anderen in nichts nach", sagt Söllner. Der Direktor der Schule vermittelt Schüler zu dem Bäckermeister, wenn er denkt, das könnte passen. Und so ist es meist auch. "Mein Michael ist einer der besten Leute in der Backstube", sagt Söllner voller Stolz. Michael ist auch ins Förderzentrum gegangen, hat sein Praktikum in der Backstube gemacht, dann seine Ausbildung und arbeitet nun schon mehrere Jahre für Söllner.
Doch der Bäckermeister versteht, wenn sich junge Leute gegen den Beruf entscheiden. Hauptgrund seien dabei meist die Arbeitszeiten. "Es ist nicht mehr so, dass Bäcker um 4 Uhr anfangen. Heute geht es um schon um eins los." Und das stellt das Leben natürlich auf den Kopf. Alles muss auf den Beruf abgestimmt werden. Da es heutzutage mehr Lehrstellen als Bewerber gibt, haben junge Leute die Qual der Wahl. Die meisten entscheiden sich für Berufe mit normalen Arbeitszeiten. Bundesweit betrachtet stimmt Söllner dem Trend zum Nachwuchsmangel in der Bäcker-Branche zu. "Je größer die Städte werden, desto schwieriger wird es", sagt der Bäckermeister.


Betriebe müssen schließen

Das Problem liegt für Söllner jedoch trotzdem ganz woanders: "Schauen Sie sich doch mal um: Wie viele Bäckereien haben wir denn hier noch?", fragt Söllner. Im Stadtkern von Lichtenfels ist sein Betrieb der einzige, der selbst backt. Die gesetzlichen Anforderungen und den Konkurrenzdruck von Supermärkten konnten andere Betriebe nicht mehr schultern. Zudem will oft der Nachwuchs aus der eigenen Familie den Betrieb nicht mehr übernehmen. Mathias Söllner erlebt dieses Problem momentan selbst. Sein Sohn hat sich auch für einen anderen Berufszweig entschieden. Und bald könnte sich die Situation weiter verschärfen, warnt die NGG Oberfranken. Denn nachdem der Landes-Innungsverband des bayerischen Bäcker-Handwerks den aktuellen Tarifvertrag für die Branche gekündigt hat, will er Einschnitte durchsetzen: weniger Urlaubstage, mehr Sonntagsarbeit, Streichung des Urlaubsgelds. Söllner sieht das sehr kritisch. "In einer Branche, die eh' schon wenig Leute bekommt, sollte man nicht auch noch schlechtere Bedingungen schaffen." Es sei jedoch eine Tradition, dass der Verband die Tarife kündigt. Jetzt müsse man abwarten, was herauskommt, meint Söllner.

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