Oberleiterbach
Spielplatz

"Nachtruhe" sorgt für Aufregung

Auf dem Oberleiterbacher Spielplatz darf nach Anordnung der Gemeinde Zapfendorf nur noch bis 19.30 Uhr gespielt werden. Die Bevölkerung läuft Sturm.
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Wo Kinderspielen mehr stört als Rasenmähen oder Holzsägen: Im Oberleiterbacher Eichenweg gibt es seit knapp drei Wochen zeitliche Beschränkungen.  Foto: Martina Drossel
Wo Kinderspielen mehr stört als Rasenmähen oder Holzsägen: Im Oberleiterbacher Eichenweg gibt es seit knapp drei Wochen zeitliche Beschränkungen. Foto: Martina Drossel
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In Deutschland gilt von 22 bis 7 Uhr eine Nachtruheverordnung, in der Lärm jeglicher Art untersagt ist. Das ist gesetzlich geregelt - und das ist auch im Markt Zapfendorf nicht anders, zumindest, wenn es um Rasenmähergeknatter, Kettensägenrattern oder Kreissägengekreische geht. Anders verhält es sich mit spielenden Kindern: Für diese besonderen Lärmquellen hat Bürgermeister Volker Dittrich eigens Schilder anfertigen lassen. Spielen ist auf so manchem Spielplatz seither nur noch bis 19.30 Uhr erlaubt. Dagegen wehrt sich das 270-Einwohner-Dorf Oberleiterbach - und macht mobil.

Seit knapp drei Wochen steht eines der genannten Schilder am Oberleiterbacher Eichenweg. Seit drei Wochen kocht dort auch Volkes Seele. Dass der Markt Zapfendorf - im wahrsten Sinne des Wortes - Spielregeln aufstellt, etwa ein Hunde-, Fahrrad- oder Alkoholverbot auf dem Spielplatz oder gar Drogenkonsum, leuchtet allen Dorfbewohnern ein. Nicht aber das Spielverbot in der Zeit von 12 bis 13 Uhr und das Spielende um 19.30 Uhr. Ganz klar gesetzeswidrig, wie die Einwohner finden. Und deswegen stellten sie den Bürgermeister bei seinem Besuch einer Versammlung im Gemeinschaftshausenergisch zur Rede. Bei einer Versammlung, bei der eigentlich der Dorfverschönerungswettbewerb im Mittelpunkt stehen sollte.

Der Spielplatz ist der ganze Stolz des Ortes. Pate ist der Obst- und Gartenbauverein, der für die Gemeinde auch die Projektierung übernahm (der alte Spielplatz war arg in die Jahre gekommen), dessen Mitglieder auch kräftig mit Hand anlegten - und dessen Kassierer den "Geldsack" ganz weit öffnete. Seither kommen Spielgäste aus einem Umkreis von etlichen Kilometern nach Oberleiterbach - und loben das gelungene Gemeinschaftswerk.
Umso größer ist der Unmut, seit das Schild steht. Für die Gartler ein klarer Affront, ein Nackenschlag. Und so hatten die Bürger des Ortes im Vorfeld der Versammlung recherchiert und konfrontierten den Bürgermeister mit Rechtsurteilen - und mit einer eindeutigen Meinung. "Warum soll an unserem Spielplatz eine Nachtruhe ab 19.30 Uhr gelten, am Spielplatz in der Schulstraße in Zapfendorf aber nicht?", fragte Roland Amon erbost.

Der ebenfalls gut vorbereitete Bürgermeister führte aus, dass er als Vater zweier Buben wisse, wie laut Kinder sein könnten - und argumentierte, dass es manchmal eben Bedarf gebe, "Lärm" zu regeln. Diese Regelungen gingen einher mit dem Ansinnen des Marktes, die Spielplätze im Gemeindegebiet aufzuwerten. Die Nutzungszeiten habe man festgeschrieben, um Klagen von Anwohnern zu vermeiden. Und auch andere Kommunen hätten bereits solche entlassen.

An der Schulstraße in Zapfendorf, so Dittrich, stehe zwar auch ein gemeindliches Schild, jedoch sei dort der Besitzer ein Privatmann - der Inhaber des angrenzenden Biergartens. Auf Nachfrage Amons, wer denn über die Ruhezeiten entschieden habe, sprach der Rathaus-Chef von einem "Gremium" um die Bürgermeister. Im Gemeinderat waren die zeitlichen Beschränkungen nicht behandelt worden.


"Privatkrieg einer Familie"

Der Rathaus-Chef zitierte einige Gerichtsurteile zum Thema Spielplatznutzung. Er räumte aber auch ein, dass es in Oberleiterbach eine besondere Situation gebe: einen Spielplatz direkt am Festplatz, unmittelbar am Gemeinschaftshaus. Georg Stöhr sprach von einem "Privatkrieg einer Familie", ausgetragen auf dem Rücken der Gemeinde, die sich fortwährend massiv über den Spielplatz beschwert habe. Und das, so Gartenbauvereins-Vorsitzender Harald Hümmer, obwohl bei der Planung und Umsetzung der Spielstätte auch die Nachbarn einbezogen wurden. Der Markt Zapfendorf dürfte sich nicht vor den Karren der Privatfehde spannen lasse.

Im Fokus der Beschwerdeführer steht neben dem Spielplatz im Allgemeinen die beliebte Seilbahn im Speziellen. Auch dafür hat das Gros der Oberleiterbacher kein Verständnis. "Wir hatten schon in den 1970-er Jahren eine Seilbahn an selber Stelle und haben heute wieder eine", meine Gabriele Salb.

Adolf Demuth hatte sich beim Landratsamt Bamberg kundig gemacht. Hümmer zitierte aus dem Antwortschreiben des stellvertretenden Landrats Johann Pfister. Dessen deutliche Meinung: Kinderlärm sei "als sozial adäquat" hinzunehmen und "keine schädliche Umwelteinwirkung".

"Ganz Oberleiterbach möchte keine festgeschriebenen Öffnungszeiten für den Spielplatz haben!", brachte es Gabriele Salb auf den Punkt und erntete dafür Applaus. "Einen Spielplatz an dieser Stelle gab es schon, bevor die Familie in den Ort zog."

Und so schlug Bürgermeister Dittrich vor, einen entsprechenden Schrieb zu formulieren und bei der Gemeinde einzureichen. "Ich habe die Meinung vernommen, nun warte ich auf den Antrag und werde dann entsprechend entscheiden, sicher zum Wohle der Allgemeinheit", versprach er. "Über die Nutzungszeiten kann man reden." Ob er das Thema in eine der nächsten Sitzungen des Gemeinderats nehmen werde, ließ er offen.

Die Oberleiterbacher werden den Antrag zur Änderung der Spielplatznutzungszeiten mit Unterschriftenlisten garnieren, um ihm noch mehr Nachdruck zu verleihen.


Etliche fahren zu schnell

Es gab aber noch weitere Themen. So gilt seit gut einem Jahr in Oberleiterbach in allen Straßen Tempo 30 und die Rechts-vor-links-Vorfahrtsregelung, doch nur ein Bruchteil der Verkehrsteilnehmer hält sich daran. Etliche würden deutlich schneller, dafür mittig fahren - und einfach durchrauschen. Da das Problem ebenso an den Ortseingängen wie innerorts auftritt, schlugen Bürger dem Bürgermeister vor, Verengungen der Straße zu schaffen. Volker Dittrich versprach, zu prüfen, was möglich sei.

Roland Amon bat den Bürgermeister darum, wie auch rund um Zapfendorf, Hundekottütenspender in Oberleiterbach aufzustellen. Der Rathaus-Chef sicherte zu, sich zu kümmern.

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BILDUNTERSCHRIFTEN:

Der feine Unterschied: Während in Oberleiterbach das Spielen der Kinder zeitlich beschränkt ist (li.), gibt es in der Zapfendorfer Schulstraße diese Spielregel nicht (re.). FOTO: MARTINA DROSSEL




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