Michelau
Brandschaden

Nach dem Brand in Michelau hat das Miteinander geholfen

In der Renovierungsphase ihres Hauses brannte der Dachstuhl herunter, die Mauern wurden von Löschwasser durchnässt. Die betroffene Familie musste in Michelau von vorne anfangen. Doch aufgegeben hat sie nicht.
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In der Renovierungsphase dieses Hauses in Michelau brannte im Januar der Dachstuhl herunter, die Räume darunter wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nun hofft die betroffene Familie, dass der Dachdecker bald kommt und sie im September einziehen kann. Foto: Popp
In der Renovierungsphase dieses Hauses in Michelau brannte im Januar der Dachstuhl herunter, die Räume darunter wurden in Mitleidenschaft gezogen. Nun hofft die betroffene Familie, dass der Dachdecker bald kommt und sie im September einziehen kann. Foto: Popp
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Ein Brand auf einer Baustelle, ein altes Haus, das nach längerem Leerstand gerade renoviert wird. Es ist unbewohnt. Naja, dann war ja niemand darin gefährdet, dann ist das ja halb so schlimm, könnte man meinen...
Für Elena Schweizer und Ahmad Baker aber war das Feuer am 6. Januar sehr, sehr schlimm. Fast ein Jahr lang hatten sie schon jede freie Minute in dem Haus verbracht und gearbeitet, um bald mit den beiden Kindern dort einziehen zu können. Jasmin (8) und Adam (2) besuchten bereits Krippe und Hort in Michelau.

Auf das Haus war das Paar durch eine Annonce aufmerksam geworden. Eigentlich hatte es nicht nach einem so großen gesucht. Dann ergriff es aber die Gelegenheit, mehrere Wohnungen unter einem Dach zu erwerben, um eine davon selbst zu beziehen und die weiteren zu vermieten. Baker ist Maurer- und Betonbaumeister und in der Lage, viele Arbeiten selbst auszuführen. Sonst hätte sich die Familie die Totalsanierung gar nicht leisten können. Doch nicht nur, dass der Brand sie ganz zurück an den Anfang ihrer Anstrengungen katapultierte. Sie musste auch noch feststellen, dass die Versicherungsleistung den immensen Schaden nicht decken wird. Das Haus war zwar vom Vorbesitzer mit einer höheren Summe versichert, als der Kaufpreis, den die Burgkunstadter Familie aufbringen musste. Allerdings bezog sich diese Versicherungssumme auf den Neuwert des Gebäudes - des weiteren war der jüngere Anbau in den Unterlagen gar nicht enthalten. Auf diese Details hatte man, lange vor dem beabsichtigten Einzug, noch nicht geachtet.

Jetzt brauchten Elena Schweizer und Ahmad Baker dringend Beistand. Sein Schwager Alexander Dobler ergriff die Initiative, schrieb verschiedene Stellen an, suchte den Weg an die Öffentlichkeit. "Ich habe mich gefragt: Was können wir machen?", sagt der Verwandte aus Baden-Württemberg, der selbst schon im Vorjahr während seines Urlaubs auf der Baustelle in Michelau mitgeholfen hatte. Ihm sei klar gewesen, dass die eigene Familie finanziell keine große Unterstützung würde leisten können. Deshalb setzte er auf eine breitere Aufmerksamkeit.

"Besondere Menschen"

Tatsächlich fanden sich viele Menschen in der Region, die bereit waren, die Bakers zu unterstützen. Größere und kleinere Spendenaktionen wurden ihnen gewidmet. Auf diese Weise kamen gut 15 000 Euro zusammen, der größte Teil davon über die Evangelische Kirchengemeinde. So war es möglich, von Feuer und Löschwasser zerstörte Baugeräte zu ersetzen und die mit hohen Entsorgungskosten verbundenen Abbrucharbeiten zügig hinter sich zu bringen. Doch nicht nur mit Geld wurde geholfen.

In der Entkernungsphase hätten bis zu 30 Leute mit angepackt, erzählen die Bakers. Nicht bei allen konnten sie sich bedanken: "Ein paar davon hat keiner von uns gekannt." Einer sei vorbeigeradelt und habe gefragt, ob noch jemand gebraucht werde. Eine Bäckerei schenkte Gebäck für die Helfer her, eine Brauerei Wasser und Limo, ein Polstermöbelhersteller stellte ein Sofa in Aussicht. Das alles hat Ahmad Baker und seiner Frau Auftrieb gegeben, Kraft, um weiterzumachen. "Es gibt halt noch so besondere Menschen", stellt der Familienvater fest. Nachdenklich erzählt er, dass ihm das Weiterarbeiten nach dem Feuer, das sich nach Schweißarbeiten entwickelt hatte, zunächst sehr schwer gefallen sei. "Ich dachte, ich kann es nicht mehr." Dann habe er funktioniert wie eine Maschine. Die Unterstützung vieler hat dazu beigetragen, nicht aufzugeben. "Wir haben ein Ziel, da musst du einfach durch", bekräftigt seine Frau.

Dankbar ist der selbstständige Handwerker auch seinen Kunden, die Verständnis dafür zeigen, wenn er ihre Aufträge terminlich mit seinem Einsatz im eigenen Haus abstimmt. "Wir warten jetzt dringend auf den Dachdecker. Da muss ich dabei sein. Mein Potenzial ist es, bei der Arbeit zu sparen." Bis September will die Familie den für sie vorgesehenen Gebäudetrakt bezugsfertig machen. Die Menschen an ihrem künftigen Wohnort haben Elena Schweizer und Ahmad Baker jetzt schon schätzen gelernt und als sehr herzlich erlebt.
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