Lichtenfels
Wettbewerb

Momente für große Musik

Musiker des Kreisorchesters spielten in Riva del Garda um das "goldene Flügelhorn". Gewinner waren alle, die dabei waren.
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Ein junges Ensemble präsentierte sich in Riva. Foto: Tim Birkner
Ein junges Ensemble präsentierte sich in Riva. Foto: Tim Birkner
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Zum 18. Mal wird das "Flicorno d´oro" verliehen, das "goldene Flügelhorn". Es soll der Blasmusik Flügel verleihen - und das gelingt. Zur Preisverleihung toben an die 2000 Musiker im großen Saal des Kongresshauses. Sie haben alle gewonnen, schon bevor die Jury die Bühne betritt: Laola-Wellen, Fangesänge, Jubel. Mittendrin die Musiker des Kreisorchesters Lichtenfels. Sie sind mit der "Frost Rhapsody" und "Maite" über die Alpen gekommen, zwei Stücke, die sie schon bei ihrem Konzert in der Kordigasthalle in Altenkunstadt gespielt haben. In Riva saßen die Komponisten selbst im Publikum, standen selbst auf der Bühne oder waren Mitglieder der Jury. Dort haben sich alle getroffen. Die Orchester, bis zu 70 Stimmen stark, Musiker aus Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz und Ungarn, die Komponisten, die für Blasorchester schreiben. Für sie ist der Wettbewerb da.
Dort tranken sie gemeinsam Espresso, sprachen über Kompositionen, saßen mit Partituren im Saal, genossen die Gänsehaut bei besonders gelungenen Passagen. Aus Franken waren dabei: die Stadtjugendkapelle Zirndorf, das Sinfonische Blasorchester Forchheim-Buckenhofen und eben das Kreisorchester Lichtenfels, mit - wie es in Italien heißt - "Maestro" Christian Stenglein auf dem Dirigentenpodest.
Drei Tage Blasmusik. Ein musikalisches Logbuch mit acht Eintragungen:

1) Hebe den Kopf und blicke über den Tellerrand. Alle Musiker aus dem Kreisorchester haben ihre Heimatkapelle, in der sie gerne spielen. Sie heben die Kopf und blicken im und mit dem Kreisorchester über den Tellerrand. Ganz schnell wird klar, dass es nicht darauf ankommt, ob ein Ebensfelder oder ein Uetzinger einsetzt, dass alle Stimmen die Stimmung ausmachen.

2) Der perfekte Klang geht nur zusammen. "Die Tubisten stehen für die Klarinetten ein, die Flöten für die Schlagzeuger - und umgekehrt", schärfte Christian Stenglein seinen Musikern bei der Generalprobe ein. "Wir spielen kein Instrument, wir machen Musik."

3) Gut ist, was Gänsehaut macht, Emotionen. Hör' nicht auf die Fehler der anderen. Du kannst nur von den Besten lernen. Klar hat am Ende ein Orchester die höchste Punktzahl. Dafür gibt es die Jury. Die Musiker, die zwischen Bühne und Zuschauerreihen wechseln, suchen nach Sternstunden, nach denen, die Mut zeigen, nach der Gänsehaut.

4) Die Töne schweben lassen. Der Vortragssaal in Riva war fies. Jeder Ton jedes Musikers stand nackt da. Kaum Raumhall, alles war hörbar. Doch das war auch die Chance für die ganz große Musik: Wenn die Bögen bis zum Ende gezogen waren, wenn jeder Ton gestützt war, dann löste sich der Orchesterklang plötzlich vom Podium und schwebte im Raum. Das waren die ganz großen Momente, die zum Beispiel der Stadtmusikkapelle Wilten - eine Trachtenkapelle aus der Nähe von Innsbruck - gelangen.

5) Die Herzen zählen. Musik lässt sich nicht in Minuten oder Metern messen. In der Musik zählen die Herzen - und zwar die der Zuhörer. Und da waren in Riva nicht nur die Musiker der 33 teilnehmenden Kapellen gefragt. Auch die Kompositionen standen im Wettbewerb. Wessen Stück kommt an?

6) Der Moment ist die Ewigkeit. Wenn alle im selben Moment die selbe Idee haben, ist das der Wahnsinn. Das sind die Momente, die in der Musik zählen. Diejenigen, die nur zur richtigen Zeit die richtigen Noten spielten, verpufften. Jeder Ton mit Leidenschaft und beim Auftritt alle Blicke beim Dirigenten: Momente für die Ewigkeit.

7) Die Musik stellt überall die gleichen Aufgaben. Wer übt, gewinnt.

8) Musik braucht Freunde. Ein Blick auf die Stühle der Bühne: Junge Menschen bestimmen das Bild. Die Altherren-Orchester mit großer Erfahrung belegten allenfalls Mittelplätze. Musikschulen, Konservatorien: Überall dort, wo Musik zählt, wo Musik etwas wert ist, entsteht Großartiges.
Die Förderung beginnt in den Familien, Vereinen, Schulen und braucht die Unterstützung von Firmen, Städten und Gemeinden. Das Kreisorchester Lichtenfels konnte auch deshalb nach Riva, weil Sponsoren die Fahrt unterstützt haben.


Die nächste Herausforderung

Das Kreisorchester Lichtenfels trat in Riva in der dritten Kategorie an. Elf Orchester zeigten ihre musikalischen Ideen, ihr Können, ihren musikalischen Mut. Lichtenfels kam als Newcomer im Wettbewerb "von null auf sechs", wie der Kreisdirigent seinen Musikern dankt. Das ist exakt die Mitte. Jetzt kommt es auf die Perspektive an. Sind wir vorn dabei oder hinten?
Die Antwort ist eindeutig: Im Juli 2017 fährt Stenglein mit seinem Orchester nach Kerkrade in Holland. Dort findet ein "World Contest of Wind Music", eine Art Weltmeisterschaft der Blasmusik, statt. Dabei sind rund 20 000 Musiker, denen Musik die Welt bedeutet. Und das Kreisorchester Lichtenfels ist mittendrin.

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