Lahm bei Lichtenfels
Berufswelt

Mit Traktor und Computer vertraut

Der Bayerische Bauernverband (BBV) bildet junge Landwirte zu Agrarbürofachleuten fort.
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Sabine Deuerling aus Lahm ist Nebenerwerbslandwirtin. Foto: Matthias Einwag
Sabine Deuerling aus Lahm ist Nebenerwerbslandwirtin. Foto: Matthias Einwag
Als Sabine Deuerling vor sechs Jahren den elterlichen Hof in Lahm bei Lichtenfels übernahm, wusste sie, was sie auf den Feldern erwartete. Im Nebenerwerb führt sie den landwirtschaftlichen Betrieb seitdem weiter - keine Tierhaltung, nur Ackerbau. Doch das Pensum an Büroarbeit, das sie zu leisten hatte, überraschte sie. Schnell stellte sie fest, dass sie mehr verwaltungsfachliche Qualifikationen benötigt. Die ausgebildete Schneiderin hatte zwar über das Bildungsprogramm (BiLa) des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in der Abendschule den Beruf des Landwirts erlernt, doch ihr fehlten die Fertigkeiten der Büroarbeit. Im Umgang mit Behörden, war sie nicht firm. Auch in landwirtschaftlicher Buchführung hatte sie Nachholbedarf und beim Ausfüllen von Formularen ebenso.


Der Beruf wird bürokratischer

"Das Geld wird im Büro verdient", sagt Dieter Heberlein von der BBV-Hauptgeschäftsstelle Bamberg. Dabei sei festzustellen, dass Landwirte heute zunehmend mit bürokratischen und rechtlichen Fragen konfrontiert werden. Die EDV und das Arbeiten am Computer sei inzwischen Standard. Der Bauernverband biete deshalb spezielle Kurse an, die es Bäuerinnen und Bauern ermöglichen, beim Organisieren ihres Hofes den Überblick zu behalten.
Sabine Deuerling beschloss, sich weiterzubilden, "denn das kann sicherlich nicht schaden". Die Qualifizierung zur Agrarbürofachfrau, die der Bayerische Bauernverband (BBV) anbot, kam ihr deshalb gelegen. Sie belegte den Lehrgang und bereut das überhaupt nicht. "Zudem hatte ich 2011 meine Tochter Mona bekommen und war somit in der Elternzeit, deshalb hat es auch zeitlich gut geklappt."

Sie erwartete sich vor allem bessere EDV-Kenntnisse von dem Kurs: "Dass ich meine Anträge ausfüllen kann und ein Grundwissen um die Landwirtschaft herum vermittelt bekomme - ich wollte mein Büro neu organisieren."


Für andere transparent

Nach dem Lehrgang krempelte sie tatsächlich das ganze Büro um und gestaltete es übersichtlicher. "Meine Ordner sind jetzt farbig sortiert und alle Ordnerrücken neu beschriftet, so dass im Notfall die Ersatzleute auch die Unterlagen finden können." Im Notfall - also wenn sie mal krank werden sollte und zum Beispiel ihr Vater, der Rentner ist, für kurze Zeit die wichtigsten Dinge erledigen muss. "Die Schreibtische sind leer; die Post wird unsortiert zuerst im Postfach abgelegt, um am Büro-Tag dann bearbeitet und abgeheftet zu werden", sagt sie. Im Computer habe sie alles in einem Aktenplaner sortiert, fährt Sabine Deuerling fort. Und noch einen Punkt spricht sie an: "Seitdem mache ich Homebanking."

Im Büro ist sie nicht jeden Tag, denn das Säen und Ernten sind weiterhin typische Tätigkeiten in der Landwirtschaft. Ihren Zeitaufwand im Büro schätzt sie auf wöchentlich zwei bis drei Stunden. Der relativ geringe Zeitaufwand könnte daran liegen, dass ihre Büroarbeit gut organisiert ist.

In dem Kurs, sagt sie, habe sie viel über das Ausfüllen von Anträgen und das Abschließen von Verträgen gelernt. Im Erb- und Steuerrecht kenne sie sich seither aus und in landwirtschaftlicher Buchführung ebenso. "Ich habe in diesem Kurs viel Neues hinzugelernt und Altes aufgefrischt", resümiert Sabine Deuerling, "und weil die Bürokratie mehr wird, ist es wichtig, mitreden zu können".

Und ganz nebenbei lernte sie viele nette Leute kennen, zu denen sie den Kontakt pflegt. Das fördert den Gedankenaustausch und bringt Tipps, wenn man selbst nicht weiterweiß.



Qualifizierung des BBV

Wann Jeweils dienstags vom 25. Oktober 2016 bis 14. März 2017

Themen In 100 Unterrichtsstunden, verteilt auf 17 Tage, werden die Teilnehmer geschult in den Bereichen Büroorganisation und Kommunikation, Datenverarbeitung, Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht, Buchführung sowie Steuerrecht, Förderungs- und Verwaltungsaufgaben in der Landwirtschaft

Wo Die Ausbildung findet beim Bayerischen Bauernverband in Bamberg, Weide 28, statt.

Kosten Die Teilnahme kostet für BBV-Mitglieder 600 Euro, für Nichtmitglieder 800 Euro. Hinzu kommen 20 Euro für Tagungsunterlagen.

Infos und Anmeldung Dieter Heberlein und Gabriele Hahn von der BBV-Hauptgeschäftsstelle Oberfranken nehmen die Anmeldungen an (Tel. 0951/ 965 170 oder 965 17130). Beide geben auch weitere Infos zu dem Kurs.
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