Lichtenfels

Mit Flamenco das Leben feiern

Das Trio Gazpacho kämpfte in Lichtenfels mit Kastagnetten, Fagott und Gitarre gegen das EM-Spiel.
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Mit Flamenco kann man die Schmerzen und Freuden des Lebens darstellen. Foto: Denise Burkhardt
Mit Flamenco kann man die Schmerzen und Freuden des Lebens darstellen. Foto: Denise Burkhardt
Gazpacho - das ist eigentlich eine spanische Gemüsesuppe, die kalt serviert wird, um vor allem an heißen Tagen zu erfrischen. Was ist also ein Trio Gazpacho? Ein Ensemble, das verschiedene Komponenten zu einem Flamenco-Abend vereint, aber mitnichten abkühlend wirkt, ganz im Gegenteil. Das bemerkte auch das Publikum in der ehemaligen Synagoge am vergangenen Samstagabend.

Es blieben zwar viele Stühle frei - das EM-Spiel war eine harte Konkurrenz-, doch diejenigen, die gekommen waren, verließen das Konzert begeistert, und nicht wenige standen am Schluss auf, um dem Trio zu applaudieren. Der Clou an diesem Flamenco-Ensemble: das Fagott. Zum hervorragenden Gitarristen Klaus Jäckle und der eleganten Tänzerin Andrea Grüner gesellte sich Wolfgang Peßler mit seinem Fagott.
Eine seltene Kombination in einer Flamenco-Gruppe, die aber wunderbar funktionierte.


Verliebtes Warzenschwein

Besonders eindrucksvoll gelang Enrique Granados "Oriental", ein maurisch geprägtes Stück, bei dem Peßler mit feinen Bögen und Trillern dem Fagott eine melancholische Stimme verlieh. Humorvolle Seiten bewies der Musiker, der auch Fagottist bei der Staatsphilharmonie Nürnberg ist, bei "Les cloches de lille" (eigentlich "Die Glocken von Lille"), das er mit der Vorstellung versah, ein Warzenschwein würde sich in eine Lilie verlieben. Gitarrist Klaus Jäckle faszinierte mit seinem perfekten Spiel auf der Gitarre. Auch er vermochte es, das musikalische Erlebnis mit kleinen Geschichten und Bildern noch reicher zu machen. Von einem Ritter in Spanien erzählte er, der von einem Burgfräulein abgewiesen wird. Und so hatte man tatsächlich bei Isaac Albéniz' "Asturias" den Ritter vor Augen, der mit seinem Pferd über die Ebene trabt. "Nur das Hufgetrappel seines Pferdes ist die Musik, die ihn begleitet", sagte Jäckle so schön, bevor er zu spielen begann.


Am Mozarteum studiert

Bei Franciscos Tárregos "Jota" ließ der Gitarrenvirtuose das Publikum an den Klangwelten des Instrumentes teilhaben. Er trommelte leicht auf den Korpus des Instrumentes, während er zur gleichen Zeit die zartesten Töne erklingen ließ. Der in Nürnberg lebende, mehrfach ausgezeichnete Gitarrist hatte seine Ausbildung am Mozarteum in Salzburg absolviert. Letztes Jahr erhielt er den Kulturpreis der Stadt Nürnberg.

Es wäre kein Flamenco-Konzert, würden nicht auch Kastagnetten erklingen, deren lebendiger Rhythmus der Musik ihre Würze verleiht. Tänzerin Andrea Grüner begleitete nicht nur bei "Asturias" mit dem kleinen Percussion-Instrument, sie beherrschte das Spiel sogar, während sie die Zuschauer als Tänzerin mit ihren anmutigen Bewegungen faszinierte. Die Flamencotänzerin ließ sich in Sevilla ausbilden und gibt heute ihr Wissen auch als Flamencolehrerin in Nürnberg weiter.

Einige Komponistennamen tauchten im Programm auf, die man in einem Flamenco-Konzert so nicht vermutet hätte, sich aber keineswegs als unpassend erwiesen. Namen wie der von Robert Schumann und Wolfgang Amadeus Mozart. Eine Gazpacho besteht eben immer aus verschiedenen Zutaten. So unterschiedlich die Stücke auch sein mochten, Schumanns "Stücke im Volkston", Luigi Boccherinis "Fandango", Mozarts "Fandango" aus "Die Hochzeit des Figaro" oder Albéniz' "Sevilla" - sie fügten sich zu einem gelungenen Programm zusammen, das den Zuschauer für zwei Stunden in eine andere Welt versetzte: die des Flamenco, in der man die Schmerzen und Freuden des Lebens mit Musik und Tanz feiert.
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