Lichtenfels
Spendenaktion

Mit 20 Kilo Ballast gegen den Krebs

Feuerwehrler aus dem Raum Lichtenfels wollen in voller Montur am Flechtkulturlauf teilnehmen. Ihr Ziel: Geld zu sammeln im Kampf gegen die Krankheit.
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Training auf dem Damm: angeführt von Frank Stuhlmann mühen sich die Feuerwehrler in ihrer Schutzausrüstung. Foto: Markus Häggberg
Training auf dem Damm: angeführt von Frank Stuhlmann mühen sich die Feuerwehrler in ihrer Schutzausrüstung. Foto: Markus Häggberg
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Die Montur ist spezielles Textil - hitzeabweisend und was sonst noch alles. Vor allem aber eines: schwer. Doch damit nicht genug, denn die Atemschutzflasche auf dem Rücken ist noch schwerer. Jetzt noch den Helm aufsetzen und los. So will Feuerwehrmann Frank Stuhlmann am 17. Juni nicht durchs Feuer, aber durchs Ziel gehen. 5,3 Kilometer voller Strapazen, aber für den guten Zweck. Seine Idee greift unter den Feuerwehrlern des Landkreises um sich.

Es ist frisch an diesem Dezembertag 2016 im Ortsteil Reundorf. In den nächsten Wochen und Monaten wird es noch frischer werden, denn der Winter zeigte sich bislang milde. Das werden die Trainingsbedingungen der Feuerwehrleute sein, die am 17. Juni fit genug für eine Strecke des Flechtkulturlaufs sein wollen, um Geld für die Deutsche Krebshilfe zu sammeln. 5,3 Kilometer mit 20 Kilogramm Ballast - außerhalb jeder Wertung, aber innerhalb des eigenen Anspruchs, der darin besteht, nicht vor dem Ziel schlappzumachen.


Dreimal in der Woche Training

Hier in Reundorf hat sich Frank Stuhlmann eine Trainingslaufstrecke ausgeguckt, die ihn um den Sportplatz und entlang des Damms führt. Dreimal wöchentlich. Der 45-jährige Lichtenfelser, der einst aus Dortmund zuzog und als Lokführer arbeitet, zeigt Ehrgeiz, denn er ist kein Läufer, kein so ein drahtiger Typ, der mal eben schnell die Schuhe schnürt und leichtfüßig ein paar Kilometer abreißt. Er ist noch nicht einmal normalgewichtig.
"Mein Aufruf war, dass auch ein paar kräftigere Leute teilnehmen. Das soll darstellen, dass Dinge schaffbar sind", erklärt der Mann lachend. "Schaffbar" - das Wort fällt an diesem Tag noch mehrfach. 5,3 Kilometer sollen schaffbar sein, die Selbstüberwindung im Training auch und die Unterstützung für Krebsleidende erst recht.


Die Idee steckt an

Ein Lichtenfelser Feuerwehrauto fährt vor. Männer und eine Frau in Montur steigen aus. Auch sie haben sich von Stuhlmanns Idee über Facebook anstecken lassen. Er selbst wiederum wurde im Mai auf einem Teilstück zwischen Flensburg und Garmisch von Feuerwehrlern infiziert, die in diesem zum Sport aufgestiegenen Wettkampf für Feuerwehr-Atemschutzträger antraten und die er damals mit dem Rad begleitete.

Die Einfahrt zum Sportplatz wird von Pkw gesäumt. Aus ihnen entsteigen weitere ehrenamtliche Feuerwehrmänner des Landkreises. So auch Holger Reinlein aus Bad Staffelstein. Der 25-Jährige ist Polizist und hat ein Motiv für sein Mitmachen: "Mein Vater ist vor zwei Jahren an einem Hirntumor verstorben. Als Frank mit seiner Werbung angefangen hat (...), konnte ich nicht mehr Nein sagen, war ich sofort mitgerissen."


Jeder hat eigene Erfahrungen

Geschichten über Krebs im eigenen Umfeld können hier einige Feuerwehrleute erzählen. Fast jeder der nun zwölf Feuerwehrmänner bzw. -frauen (von insgesamt 15) aus dem Landkreis, die sich für den Fototermin in Reundorf um Frank Stuhlmann versammeln, hat im eigenen Umfeld jemanden durch Krebs verloren. Doch nur auf Feuerwehrleute sei das Projekt nicht begrenzt. "Wir haben auch einen THW´ler dabei - weil die auch unter Atemschutz ins Feuer gehen."

Dann ist die Reihe an mir, auszuprobieren, was es heißen würde, unter erschwerten Bedingungen am 17. Juni zu laufen. Erst recht, wenn man den Hitzestau bedenkt, der sich an einem Sommertag unter solcher Kluft entwickeln wird. Was man hier mit sich schleppt, entspricht durch Jacke, Hose, Helm und Atemschutzflasche einem Gewicht von 80 Stück Butter. Das geht auf die Gelenke, und bald nach dem Lostraben spüre ich meine Oberschenkel. Ich breche ab.

Darüber dürften die Feuerwehrleute - unter anderem aus Seubelsdorf, Grub a. Forst, Lichtenfels oder Weismain - wohl nur lächeln. Sie trainieren, freilich zunächst ohne erschwerte Bedingungen, also frei von Montur. In ihr seien zwischen sechs und acht Kilometer in der Stunde zumutbar und empfehlenswert. Das richtige Tempo für die kürzeste Route des Flechtkulturlaufs.


"Allein kriegt man das nicht hin"

Vor allem aber trainieren sie für ein gemeinsames Ziel, stellen sich in Gemeinschaft der Herausforderung Flechtkulturlauf und Beibehalt der Trainingsdisziplin. Hier liegt für Stuhlmann die Verbindung zum Krebs und den Umgang mit ihm. "Allein kriegt man das nicht hin", sagt er und verweist auf den Krebskranken, der "allein auch nicht aus der Krise kommt", sondern seiner Mitmenschen bedarf. Der Lauf der Feuerwehr als Zeichen der Mitmenschlichkeit? So ungefähr.
Selbst einen kleinen Film zu diesem Vorhaben drehte Stuhlmann schon und stellte den auf seine Facebook-Seite. An dem Tag "stand das Telefon nicht mehr still", erklärt er.
Doch wie soll das mit den Finanzen gehen? Wer soll spenden und wie viel? Einen Euro pro Kilometer, stellt sich Stuhlmann vor. Das macht 5300 Euro. Mindestens. Vielleicht gibt es Sponsoren, Firmen oder Privatpersonen, welche die Idee der Feuerwehrleute gut finden und stützen. Jeder der Läufer ist aufgerufen und gerade dabei, sein Umfeld danach abzuklappern.
Aber einen Gewinner gibt es jetzt schon: die Gesundheit. Die Männer und Frauen haben ein höheres Trainingsaufkommen. Und Frank Stuhlmann hat auch schon 20 Kilo verloren. Das entspricht auch 80 Stück Butter.

Konto

Wer die Aktion der Feuerwehrler unterstützen will, spendet an die Stiftung Deutsche Krebshilfe, die IBAN bei der Kreissparkasse Köln lautet
DE65 3705 0299 0000 9191 91
Verwendungszweck ist die Projekt-Nr. 49005773

Informationen

Weitere Informationen gibt es online unter
www.facebook.de/feuerwehrseubelsdorf bzw. www.facebook.de/laufengegendenkrebs. red
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