Weismain

Mehr als nur Hausmeister

Josef Schwarz verlässt das Asylbewerberheim in Weismain. Oft musste er improvisieren, um den Flüchtlingen vor Ort helfen zu können.
Artikel drucken Artikel einbetten
Josef Schwarz (Mitte, mit blauer Jacke und kariertem Hemd), wurde von vielen Gästen in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Polizeigewerkschaft
Josef Schwarz (Mitte, mit blauer Jacke und kariertem Hemd), wurde von vielen Gästen in den Ruhestand verabschiedet. Foto: Polizeigewerkschaft
+1 Bild
Hausverwalter Josef Schwarz hat sich in Altersteilzeit verabschiedet. Nach 24 Jahren beendet er damit seinen Dienst für die Bezirksregierung Oberfranken.
Warum so viele Besucher Danke sagen wollten, erklären einige wenige Beispiele aus seiner Dienstzeit im Asylbewerberheim Weismain. Angefangen hat alles Anfang 2012, als feststand, dass das ehemalige Altenheim als Asylbewerberunterkunft umfunktioniert werden sollte. Josef Schwarz wurde von der Asylbewerberunterkunft Lichtenfels abgezogen und nach Weismain beordert. Er sollte die Vorbereitungen treffen, um den Einzug von Asylbewerbern im Juni 2012 zu ermöglichen. Nicht nur administrative Aufgaben, sondern auch handwerkliche Tätigkeiten kamen auf den gelernten Metzger zu. Manchmal musste ich ganz schön improvisieren, sagte Josef Schwarz, als er darauf angesprochen wurde, dass er keinen handwerklichen- oder Verwaltungsberuf gelernt hatte.
Am 6.
Juni vergangenen Jahres zogen die ersten Bewohner ein und schnell füllte sich das Heim auf über 150 Asylsuchende. Menschen, die weder die deutsche Sprache sprechen, noch lesen konnten. Mit fragenden Augen sahen sie Josef Schwarz an, da sie mit den Essensbestelllisten nichts anfangen konnten. Aber auch da konnte sich der findige Hausmeister helfen.
An seinem freien Wochenende kopierte er Bilder von Lebensmitteln aus Büchern heraus und legte sie neben die Bestelllisten. So konnte jeder seiner Hausbewohner sich versorgen.
Die Bewohner kamen häufig nach der Zentralen Aufnahmestelle für Asylsuchende direkt nach Weismain. In den Heimatländern, wie Syrien, Iran oder Irak hatten die Menschen teilweise nicht den Zugang zu technischen Geräten, wie hier in Deutschland. Die Bedienung von Waschmaschine, Herd, und Duschen war den Menschen fremd. So schlug öfters der Rauchmelder an, wenn mal wieder gekocht wurde und Josef Schwarz kam auch am Wochenende in die Unterkunft, um die Elektrogeräte wieder instand zu setzen.
Josef Schwarz hatte sich nicht nur um Lebensmittel und Haus gekümmert. Er organisierte Sprachkurse, richtete eine Kleiderkammer ein und sorgte für Nachhilfe in der Schule.
Ein anderes Beispiel waren Arztbesuche, die Hausmeister Schwarz mit seinen Schützlingen durchführte. Mit dem eigenen Pkw transportierte er die Kranken nach Lichtenfels zu Fachärzten, die in Weismain nicht vor Ort waren.
Auf Grund der vielen Bewohner kam es natürlich auch manchmal zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Familien. Erst half Hausmeister Schwarz vermittelnd und sprach, wenn nichts mehr weiter half, auch ein ernstes Wort. Spätestens, wenn Josef Schwarz mit seinem Weggang in den Ruhestand drohte, kehrte im Asylheim wieder Ruhe ein. Denn Josef Schwarz ist ein angesehener und geachteter Mann im Heim, den die Bewohner nicht mehr hergeben wollten.
Die Arbeit von Josef Schwarz wird nach seinem Weggang von drei Hausverwaltern und einer Sozialpädagogin der Caritas fortgeführt. Auf die Frage, wie er das alles alleine geschafft habe, antwortete er, dass ihm seine Schützlinge sehr am Herzen lagen und er deshalb so manches körperliche Leiden ignoriert habe. Bei diesem Stress habe er mehr als zehn Kilo abgenommen.
Erst nachdem sich auch Politiker von seiner Arbeit ein Bild gemacht hatten, bekam Josef Schwarz endlich Unterstützung und es wurde die Stelle einer Caritasmitarbeiterin bewilligt.
Zunächst interessierte sich der Kreisverband der SPD, die Landtagsabgeordneten Susann Biedefeld und Christa Steiger, sowie Bezirksrat Oswald Marr für das Projekt.
Die CSU zog nach, und beide Parteien setzten sich dann in München für die Unterstützung ein.
Ein Mann, der nicht zu ersetzen ist. Das gab ihm Heidi Hansen, die Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Lichtenfels, mit einem Satz auf den Weg in den Ruhestand.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren