Michelau

Mehr Hochwasserschutz für Michelau

Zum feierlichen Spatenstich kommt am Freitag Umweltministerin Ulrike Scharf nach Michelau. Es ist der Baubeginn eines 8-Mio.-Euro-Projektes am Obermain.
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Die Mainaue in Michelau. Die bestehenden Dämme würden bei einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser dem Ort keinen ausreichenden Schutz bieten. Deshalb wird nun mit einem Ausbau begonnen. Foto: WWA Kronach
Die Mainaue in Michelau. Die bestehenden Dämme würden bei einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser dem Ort keinen ausreichenden Schutz bieten. Deshalb wird nun mit einem Ausbau begonnen. Foto: WWA Kronach
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Der erwartete hohe Besuch unterstreicht die Bedeutung der Baumaßnahme, die am Freitag, 8. April, offiziell begonnen wird. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) kommt aus München an den Obermain, um mit dem ersten Spatenstich den Startschuss für die Deichnachrüstung in Michelau zu geben. Ihr Ministerium ist sozusagen Bauherr und finanziert den größten Teil des mit rund 8,25 Mio. Euro veranschlagten Hochwasserschutzes. Der Anteil der Gemeinde wird 23 Prozent davon betragen.

In Michelau werden die bestehenden Schutzanlagen aus den 70er- und 80er-Jahren stark genug gemacht, um einem sogenannten hundertjährigen Hochwasser, in der Fachsprache HQ 100 , standzuhalten. Denn sollte ein solcher Fall einmal eintreten, wäre der Schaden immens - eine Berechnung von 80 Mio. Euro steht im Raum. Über 3000 Einwohner sowie rund 60 Betriebe und öffentliche Einrichtungen sollen von den baulichen und technischen Verbesserungen profitieren.


"Wichtiges Thema im Freistaat"

Der Hochwasserschutz sei im Freistaat ein wichtiges Thema, betont Frank Hafner, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kronach. Seine Behörde hat die Bauleitung in Michelau inne und zeichnete auch für die umfangreichen Vorarbeiten verantwortlich. Bereits 2003 wurde die Gemeinde darüber informiert, dass sie Mittel aus dem Aktionsprogramm 2020 des bayerischen Umweltministeriums erhalten könnte, um ihre rund 4,5 Kilometer langen Dämme aktuellen Sicherheitsstandards anzupassen. An vielen Stellen müssten sie höher sein, Deichhinterwege sollen neu angelegt werden, um im Notfall an den Damm heranzukommen. Konkrete Pläne wurden 2014 vorgelegt. Die am Anfang der Überlegungen genannten Kosten von 4,8 Mio. Euro mussten nach oben korrigiert werden, weil eine neue Schleuse am Mühlbach und eine leistungsfähigere Pumpstation nahe der Kläranlage für erforderlich erachtet wurden. Dieses Schöpfwerk ist auf 7500 Liter in der Sekunde ausgelegt, 2500 mehr, als die bisherige Pumpe schafft.

Die Prognosen von Klimaforschern, dass künftig häufiger mit Starkregen und Überflutungen zu rechnen sein werde, fanden Berücksichtigung. Außerdem die Tatsache, dass auch in Michelau versiegelte Fläche zugenommen hat. Nicht zuletzt die schweren Schäden durch Hochwasser in Niederbayern im Jahre 2013 machten die Brisanz des Themas deutlich.

Weil die Bauarbeiten in Michelau Flächen betreffen, die in einem Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet liegen, musste die planende Behörde eine Ausnahmegenehmigung beantragen und dafür sorgen, dass ein Ausgleich für die Beeinträchtigungen in dem betroffenen Lebensraum geschaffen wird.

Die Erhöhung der Dämme wird durch das Einbringen von Spundwänden aus Stahl erreicht. Gleichzeitig stabilisieren diese den bestehenden Unterbau, und dem Fluss wird keine Ausdehnungsfläche weggenommen.


Deichnachrüstung: Rückschau und Ausblick

Aktionsprogramm 2020: 2,3 Milliarden Euro sollen in Bayern von 2001 bis 2020 in den Hochwasserschutz investiert werden. Darin enthalten sind Haushaltsmittel des Freistaates, EU- und Bundesmittel sowie Beteiligtenbeiträge. 2013 wurde das Programm erweitert und aufgestockt ("2020plus"). Es setzt auf natürlichen Rückhalt, technischen Hochwasserschutz und Vorsorge - etwa durch Vermeidung von Bebauung gefährdeter Bereiche.

Bestandsaufnahme: Der Michelauer Gemeinderat wurde 2003 über das Deichnachrüstungsprogramm und die Brennpunkte informiert. Eine vorbereitende Untersuchung mit Entnahme von Bohrmaterial aus den Dämmen wurde 2007 eingeleitet. Sie diente auch der Einordnung des Vorhabens in eine bayernweite Liste. Orte mit hohem Gefährdungsgrad und großem Schadenspotenzial rückten vor.

Planungsbeginn: 2010 wurde mit den heutigen Planungen begonnen. 2014 folgten das Planfeststellungsverfahren und eine Informationsveranstaltung des Wasserwirtschaftsamtes.

Bauzeit: Für die Hauptmaßnahmen sind etwa zwei Jahre veranschlagt. Begrünung und Nacharbeiten schließen sich an.

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