Lichtenfels
P-Seminar

Lichtenfesler Gymnasiasten holen Autor aus der Vergangenheit

Lichtenfelser Gymnasiasten beschäftigten sich intensiv mit leben und Werk des jüdischen Schriftstellers Leo Perutz. In der pfiffigen Ausstellung zum Thema steht sogar ein Kasperltheater.
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Jeder Schüler stellte einen Roman vor, hier St. Petri Schnee. Foto: Denise Burkhardt
Jeder Schüler stellte einen Roman vor, hier St. Petri Schnee. Foto: Denise Burkhardt
Was fasziniert Schüler an dem Schriftsteller Leo Perutz (1882-1957)? "Dass er gebildet war auf vielen Gebieten. Und dass man gleichzeitig in Mathematik und Deutsch gut sein kann, finde ich erstaunlich", erzählte Annika Weiß bei der Vernissage zur Ausstellung "Leo Perutz - ein vergessener Dichter" am Montag in der ehemaligen Synagoge. Leo Perutz verdiente sein Geld nämlich nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Versicherungsmathematiker.
Zwölf Schüler des Meranier-Gymnasiums beschäftigten sich im Rahmen des P-Seminars Deutsch mit Leo Perutz, der in Vergessenheit geriet, obwohl er in den 1920er-Jahren der erfolgreichste deutschsprachige Autor war. Karlheinz Hößel, Lehrer für Deutsch und Geschichte am Meranier-Gymnasium, begleitete das Projekt. "Zu versuchen, den Autor wieder aus der Vergangenheit zu holen", das hatte zum Beispiel Schülerin Ramona Thüroff bewogen, sich dem Seminar anzuschließen.


Ausstellung organisieren

Ihre Mitschülerin Elmedina Shemoska interessierte sich sehr dafür, wie es sein würde, eine Ausstellung zu organisieren. Denn für die Schüler galt es nicht nur, sich mit den Werken und dem Leben Perutz' auseinanderzusetzen, sondern sich auch Gedanken zu machen, wie sie ihre Ergebnisse präsentieren würden.
Stadtarchivarin Christine Wittenbauer unterstützte sie bei ihrem Vorhaben. Jeder Schüler beschäftigte sich intensiv mit einem Roman und bereitete eine Schautafel vor, die durch pfiffige Requisiten ergänzt wurde - etwa eine Puppe ohne Arme, ein Mikroskop oder eine große Landkarte. Selbst ein Kasperletheater fand Eingang in die Ausstellung. Eine weitere Herausforderung war die Präsentation der eigenen Arbeit in einem kleinen Vortrag.
Einige Besucher betrachteten aufmerksam die Schautafeln und kamen dabei ins Gespräch, während sich andere in die Leseecke mit einem von Perutz' Romanen zurückzogen. Schulleiter Stefan Völker lobte das Ergebnis. Es sei wichtig für die Schüler, im P-Seminar in die Praxis zu gehen und sich mit einem Thema auseinanderzusetzen.


James-Bond-Autor Perutz-Fan

Der Schriftsteller Leo Perutz stammte aus einer wohlhabenden Prager Familie. Während der Zeit des Nationalsozialismus konnte er nicht mehr veröffentlichen, da er Jude war, und geriet schließlich in Vergessenheit. Immerhin hatte er aber einen bekannten Fan: Ian Fleming, der selbst als Autor mit den James-Bond-Romanen berühmt wurde, bezeichnete "Zwischen 9 und 9" als sein Lieblingsbuch. "Er ist viel gereist, hat viel erlebt und hatte es nicht leicht als Jude", so Elmedina Shemoska. Und Ramona Thüroff schätzt an ihm, "dass er den Willen hatte weiterzumachen."
Perutz stellte seine Werke immer vor sich, wollte als Person im Hintergrund bleiben. "Man muss sagen, dass Perutz sein Leben den Werken gewidmet hat. Das macht ihn zu einem großen Schreiber", so Sergey Isakov, einer der Seminarteilnehmer. "Er war ein fantastischer Realist", so beschreibt Hößel Perutz' Stil.
Obwohl die Romane inhaltlich in der realen Welt spielten, tauchten doch immer wieder fantastische Elemente auf - Symbole, Gegenstände, Textstücke -, die er allerdings nicht erklärt.
Am Freitag, 13. November, werden um 19 Uhr Schüler Auszüge aus den Romanen vorlesen. Sie sollten sich Passagen aussuchen, die sie für aussagekräftig hielten oder die sie am meisten berührt haben, so Wittenbauer. Die Archivarin hofft, dass das Projekt "Lust aufs Lesen" macht. Wer mehr über Leo Perutz erfahren möchte, könne sich die Bücher auch in der Stadtbücherei ausleihen und in die Ausstellung gehen. Diese kann man in dieser Woche von Dienstag bis Freitag, 15.30 bis 18 Uhr, besuchen sowie Samstag/Sonntag von 14 bis 16 Uhr.

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