Ilka Engels kennt Fritz Wepper seit ihrer Kindheit. Als Harry Klein, Kollege des weltbekannten Kriminaloberinspektors Derrick, kam er doch regelmäßig ins Wohnzimmer ihrer Familie daheim in Oberwallenstadt - so wie zu Millionen anderen Familien auch. Dass sie dem Mann irgendwann einmal wirklich die Hand schütteln würde, das hätte sie sich damals nicht träumen lassen. Aber es ist passiert. In 14 Tagen wird die heute 36-Jährige in einem Film mit Wepper als Komparsin zu sehen sein.

Man muss schon sehr spontan sein, wenn man so einen Part übernehmen möchte. Ilka Engels, die als Fan der Serie "Dahoam is Dahoam" per E-Mail ihr Interesse an einer Drehort-Besichtigung kundgetan hatte und auf diese Weise zu ihrem ersten Einsatz als Komparsin in eben dieser Serie kam, hat nicht viel Zeit zum Überlegen oder planen, wenn eine Anfrage der vermittelnden Agentur bei ihr eingeht. "Das geht von heute auf morgen", erzählt die selbstständig tätige Buchhalterin, die in Uetzing wohnt. Berufliche Termine könne sie da ja nicht einfach platzen lassen. Sie hat sich gerne in die Kartei aufnehmen lassen, muss aber immer abwägen, ob sie die Zeit für so einen Einsatz und eine relativ weite Anfahrt erübrigen kann. Denn das ist ganz klar ein Hobby für sie. Hätte sie nicht die Biergartenbedienung in der Serie mit Fritz Wepper gespielt, sondern real in der Gastronomie ausgeholfen, hätte sie mehr Geld verdienen können.


Traum von einer richtigen Rolle



Aber darum geht es ihr nicht. Komparsen und Statisten (der Unterschied liegt in der Aktion, Letztere agieren eher weniger, der Unterschied kann aber fließend sein) bekommen eine Aufwandsentschädigung. Für Ilka Engels stehen der Spaß und die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu schauen und Leute kennen zu lernen im Vordergrund.

Wer Freude an dem Spiel vor der Kamera findet, der träumt natürlich davon, auch einmal eine "richtige" Rolle angeboten zu bekommen. Ja, das würde sie als Glück verstehen und die Gelegenheit beim Schopfe packen, räumt Ilka Engels ein. Aber wie es auch kommen mag: "Was ich bisher erlebt hab', kann mir keiner wegnehmen."
Die Begegnung mit Fritz Wepper beispielsweise. Oder mit Michael Lerchenberg, langjähriger Stoiber-Darsteller und "Bruder Barnabas" beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg sowie Intendant der Luisenburg-Festspiele. 2010 hatte sie ihn dort in der Rolle des "Boandlkramers" bewundert. Und jetzt also "Mord in bester Gesellschaft", wo sie mit ihm kurz ins Gespräch kam.


Kaum Vorbereitungszeit



Ilka Engels ist ein spontaner und lockerer Typ, das hat sie vor Jahren als Korbstadtkönigin unter Beweis gestellt. In diesem Repräsentationsamt sollte man offen auf zunächst fremde Menschen zugehen. Auch von den "Hilfskräften" am Set erwartet man Improvisationstalent und Einsatzfreude. "So a Madl wie Dich" könne man gut gebrauchen, meinte Fritz Wepper zu ihr, witzigerweise da, als die Kamera schon lief. Folglich musste "Bedienung Ilka" die Bierkrüge noch mal bringen. Dass sie eine Bedienung im Dirndl spielen sollte, sei ihr fünf Minuten vorher gesagt worden. "Du hast drei Minuten zum Textanschauen. Während dieser Zeit helfen Dir zwei Leute beim Umziehen und geben Dir die Farbe ins Gesicht."

Bei der ARD-Produktion sei es sehr professionell zugegangen und ein hoher Aufwand betrieben worden, erzählt die Lichtenfelserin, die für die eine Folge im vergangenen August und September zweimal nach Oberbayern gefahren war. Im Gegensatz zur Filmkulisse bei "Dahoam ist Dahoam" wurde in einem echten Biergarten (der am betreffenden Tag geschlossen hatte) und in einem echten Dorf gedreht. Das Ganze spielte sich in Linden und Dietramszell im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ab. Einmal war es "gefühlte 38 Grad" heiß, so dass man Schweiß aufsaugende Pads unter den Achseln trug, das andere Mal so kalt und windig, dass man jede Pause in Moonboots schlüpfte und eine Wolldecke um sich hüllte. Ilka Engels war nach der Biergarten-Bedienung noch eine neugierige Dorfbewohnerin und Trauergast bei einer Beerdigung. Insgesamt habe es etwa elfeinhalb Stunden gedauert, bis diese Szenen, zusammen vielleicht mit einer Laufzeit von einer Viertelstunde, im Kasten waren. Auf einer kleinen Kamera konnte die Komparsin die Aufnahmen schon einmal kurz anschauen, sie hat aber keine Ahnung, was nach dem Schnitt davon tatsächlich im Film zu sehen sein wird. Am Samstag, 25. Februar, wird sie also ganz gespannt den Krimi verfolgen, nur unter anderen Aspekten wie die meisten Zuschauer.

Sendetermin: Die Folge "Der Tod der Sünde" aus der Serie "Mord in bester Gesellschaft", in der Ilka Engels zu sehen ist, läuft am Samstag, 25. Februar, ab 20.15 Uhr in der ARD.