LKR Lichtenfels
Auszeichnung

Lichtenfelser Flechthandwerk ist Kulturerbe

Mit der Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe möchte das Bayerische Kultusministerium traditionelle Bräuche würdigen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Vielfalt des Flechthandwerks wird jedes Jahr aufs Neue auf dem Lichtenfelser Korbmarkt dargestellt. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Die Vielfalt des Flechthandwerks wird jedes Jahr aufs Neue auf dem Lichtenfelser Korbmarkt dargestellt. Foto: Ronald Rinklef/Archiv
Das Flechthandwerk darf sich auf bayerischer Ebene in Zukunft mit dem Titel Kulturerbe schmücken. Das bayerische Kultusministerium gab am Mittwoch zehn neue Traditionen und Bräuche bekannt, die auf die bayerische Liste aufgenommen werden - darunter auch das Flechthandwerk. Durch den Eintrag in das Bayerische Landesverzeichnis des Kulturerbes würdigt der Freistaat seit vergangenem Jahr die Vielzahl gelebter Traditionen.

Um die Auszeichnung zu erhalten, musste bis Oktober 2015 eine entsprechende Bewerbung eingereicht werden. Diese wurde von einer achtköpfigen Fachjury nach maßgeblichen Kriterien der UNESCO durchleuchtet. "Als uralte Handwerkstechnik, die sich über Generationen tradiert hat, war das Flechthandwerk sehr geeignet", erklärt Ministerialrat Herbert Hillig, zuständig für Heimatpflege am Kultusministerium, auf Anfrage unserer Zeitung. "Der Antrag war sehr qualifiziert und hat eine positive Resonanz von der Jury bekommen."


Große Konkurrenz in Bayern

Verantwortlich für die Bewerbung war der Bundesinnungsverband des Deutschen Korbmacherhandwerks mit seinem Vorsitzenden Siegfried Katz. "Die Bewerbung in Bayern ist schwieriger, da der Wettbewerb viel größer als in anderen Bundesländern ist", erklärt er. Für die zehn neuen Plätze auf der Liste als Kulturerbe gingen immerhin 26 Bewerbungen ein - in den anderen deutschen Ländern waren es maximal sechs. "Daran sieht man, welch großen Stellenwert die Traditionen und Handwerkstechniken in Bayern noch haben", sagt Herbert Hillig.

Diese Auszeichnung des Flechthandwerks auf bayerischer Ebene muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Zugleich richtete sich die Bewerbung auch an den Bund. Im Frühjahr 2017 wird sich entscheiden, ob das Flechthandwerk auch in das bundesweite Verzeichnis aufgenommen wird. Mit einer Bewerbung Bund und Land gleichermaßen anzusprechen, war laut Siegfried Katz nicht ganz unproblematisch. "In Bayern kommt es sehr auf die Tradition an, also mindestens drei gelebte Generationen", sagt er. "In Berlin ist man da viel offener, da können auch moderne Street-Trends berücksichtigt werden, wenn sie ihre Fähigkeiten in die nächsten Generationen tragen können."

In der 80 Seiten starken Bewerbung berücksichtigte Katz beides: die historische Qualität als ältestes Handwerk der Welt sowie die Chancen des Flechthandwerks für die Zukunft - festgehalten von Schülern der Lichtenfelser Berufsfachschule.


Kreis Lichtenfels setzt Maßstäbe

Die Bewerbung war in vielen Teilen ein Stück weit vom Landkreis Lichtenfels mitgeprägt. Besonderen Dank spricht Katz an Heimatpfleger Günter Dippold aus, der im Hintergrund viel dokumentiert und beraten hat. Dazu wurden die einzigartigen Veranstaltungen und Einrichtungen des Landkreises wie der Korbmarkt oder das Deutsche Korbmuseum vorgestellt. "Wir waren mit dem Korbmuseum intensiv in die Bewerbung miteinbezogen", sagt der Michelauer Bürgermeister Helmut Fischer. "Ich denke, die vielen Sammlungen waren auch mitentscheidend für das Ergebnis."

Als uraltes Handwerk, das international mit unterschiedlichsten Materialien ausgeübt wird, habe sich das Flechthandwerk die Auszeichnung einfach verdient, so Fischer weiter. Brücken zwischen den Flechtkulturen in Europa, Afrika und Asien zu bauen, das ist auch das langfristige Ziel von Innungsmeister Siegfried Katz. Um dies zu verwirklichen, müsste das Flechthandwerk aber erst im Weltverzeichnis als Kulturerbe eingetragen sein - das ist noch nicht in unmittelbarer Aussicht. Aber schon mit der Auszeichnung auf Landesebene erhofft sich Katz Impulse für die Zukunft: "Ich wünsche mir eine Bewusstseinsbildung, bei der das Flechthandwerk nicht nur ein Produkt, sondern ein Kulturgut transportiert." Dazu gebe es nun eine Art Beweis für die Qualität des Handwerks, den seine Berufskollegen künftig bei Gesprächen mit potenziellen Kunden einfließen lassen können. Einen direkten wirtschaftlichen Nutzen für den Landkreis sieht Fischer noch nicht. "Es bringt Aufmerksamkeit und Würdigung. Aber ob die Bürger deshalb mehr Flechterei kaufen, möchte ich vorsichtig abwarten."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren