Lichtenfels
Wahlkampf

Lichtenfelser leitet konservativen Verein - Unterstützung für die AfD im Wahlkampf

Ein konservativer Verein pumpt massiv Geld in die Kampagnen der AfD. An der Spitze steht David Bendels - ein früheres CSU-Mitglied aus Lichtenfels.
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Im Dezember 2015 nahm David Bendels (links) an einem TV-Talk mit Sandra Maischberger teil.  Fotos: Matthias Hoch
Im Dezember 2015 nahm David Bendels (links) an einem TV-Talk mit Sandra Maischberger teil. Fotos: Matthias Hoch
Er ist ein streitbarer und vor allem konservativer Kopf: der Lichtenfelser David Bendels. Der 31-jährige Politologe und selbstständige PR-Berater ist nun Vorsitzender des Vereins "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten". Jahrelang war er ein unbequemer Denker in der CSU, war einer der treibenden Köpfe der CSU-Basisbewegung "Konservativer Aufbruch". Immer wieder übte er Kritik - auch im TV-Talk von Sandra Maischberger im Dezember 2015. Das brachte ihm Ärger von CSU-Mandatsträgern ein. Im Juni vergangenen Jahres wurde es Bendels zu bunt und er verließ die CSU.

Jetzt meldet er sich zurück - an der Spitze eines Vereins, der als Vereinigung in diversen Landtagswahlkämpfen für Schlagzeilen sorgte. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wurden Millionen ausgegeben, um die Alternative für Deutschland (AfD) zu unterstützen. Mit Hilfe von Großplakaten, Werbespots und zeitungsähnlichen "Extrablättern". Darin wurde scharf die Flüchtlings- und Europapolitik der CDU um Kanzlerin Angela Merkel kritisiert.


"Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten"

Die Vereinigung sowie der jetzt existierende "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten" unterstützte damals die AfD und sehe sich heute als neue Speerspitze der konservativen Bewegung, betont Bendels im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor allem aus Spenden finanziere sich der Verein. "Er soll sich zu einem konservativ-bürgerlichen Thinktank entwickeln, der den politischen und gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmt. Wir wollen unseren Rechtsstaat, unsere Demokratie und die bürgerlichen Freiheiten stärken", fügt Bendels an. Er nennt das einen "politischen Bildungsauftrag" und ein Gegengewicht gegenüber linksorientierten Einrichtungen.

Den Verein definiert Bendels als "überparteilich". Dennoch gibt es Wahlempfehlungen - und zwar für die AfD. "Wir werden das auch weiter tun. Denn die AfD ist aktuell die einzig konservative Alternative." Allerdings grenzt sich Bendels scharf von den Äußerungen des AfD-Politikers Björn Höcke ab, der kritisierte, wie in der Bundesrepublik des Holocaust gedacht wird. "Solche Beiträge sehe ich sehr skeptisch, denn als Verein wollen wir dafür sorgen, dass moderate, konservativ-bürgerliche und vernunftbegabte Kräfte innerhalb der AfD gestärkt werden. Von Radikalen grenzen wir uns ab."


9000 Unterstützer des Vereins

Der Verein mit Sitz in Degerloch (Baden-Württemberg) hat über 9000 Unterstützer. Nicht alle sollen zu Mitgliedern gemacht werden, sagt Bendels: "Wir wollen schlagkräftig bleiben. Wir sind eine konservative Sammlungsbewegung im vorparteilichen Raum und erhalten viel Unterstützung. Mittelständische Unternehmer sind dabei, aber auch viele Kleinspender. Politisch interessierte Bürger, die vielleicht vor fünf Jahren noch die Union oder die FDP unterstützt haben", meint der Lichtenfelser weiter. Leute, die jetzt frustriert von ihren einstigen Parteien sind. Dabei betont man die politische Unabhängigkeit.

Es gehe "nicht um Personen, Posten und Pfründe, sondern um Werte, Inhalte und die Zukunft unseres Landes", heißt es in der Gründungsmitteilung. In Bezug auf die AfD sagt Bendels: "Wir werden uns sehr genau anschauen, wie sich die AfD entwickelt. Andere Parteien haben sie erst ignoriert, dann verteufelt. Das war nicht klug. Ich bin überzeugt, dass die AfD ein Wählerpotenzial von mindestens 25 bis 30 Prozent im Bund hat." Er vertraut auf die wirtschaftliche Stärke des Vereins: "Wir sind finanziell sehr gut ausgestattet und können massive Aktionen in den kommenden Wahlkämpfen starten."

Eine konservative Denkfabrik will der "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten" sein und tritt damit auch in die Fußstapfen des umstrittenen Studienzentrums Weikersheim (SZW). Seit seiner Gründung 1979 durch Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Hans Filbinger veranstaltet das SZW Kongresse oder Denkanstöße und erntet oft auch Kritik. Trotz des neuen Vereins soll auch das Studienzentrum Bestand haben. Zudem wollen sich beide Einrichtungen austauschen. Bendels: "Wir wollen nicht in Konkurrenz zueinander treten, sondern wir werden miteinander kooperieren."


Kritik an der CSU

Und was ist mit seiner früheren politischen Heimat - der CSU? Bendels antwortet: "Seit der Wahl 2013 hat sich die CSU zu einer Partei entwickelt, die ihrer Schwester CDU nur noch hinterherläuft. Seehofer brüllt viel, am Ende des Tages ist er aber immer wieder lediglich Merkels Bettvorleger. Und die CSU folgt Seehofer mit blindem Gehrosam." Bendels steht weiter in Kontakt und Austausch mit CSU-Mandatsträgern, die seinen Worten nach umdenken würden: "Sie merken, dass in der Seehofer-CSU vieles massiv falsch läuft und verstehen meine Entscheidung, dass ich die Partei verlassen habe." Nun blickt der junge Konservative nach vorne und hofft auf eine neue Bewegung, die bei künftigen Wahlen möglichst viele Stimmen auf sich vereint.


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