Lichtenfels
Holzversteigerung

Lichtenfelser Uralt-Eiche bringt ordentlich Kohle

Die Waldbesitzer aus dem Landkreis Lichtenfels können mit ihren Erlösen bei der Wertholzversteigerung auf dem Holzlagerplatz der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken bei Strullendorf zufrieden sein. Wenn sie sich denn auf die gefragten Bäume konzentriert hatten.
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Helmut Marx präsentierte seine mächtige Eiche mit einem Stammdurchmesser von über einem Meter.
Helmut Marx präsentierte seine mächtige Eiche mit einem Stammdurchmesser von über einem Meter.
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Als Joseph II. in Frankfurt 1764 zum König gekrönt wurde, eroberte sich eine kleine wilde Eiche "Am Berg" bei Schönsreuth ihren Platz in Oberfranken. Sie trotzte Wind und Wetter, versteckte ich unter anderen Gehölzen vor dem Biss des Wildes und wuchs schließlich zu einem stattlichen Baum heran. Mit einem Stammdurchmesser von über einem Meter wurde sie nach 250 Jahren gefällt und bei der Wertholzversteigerung auf dem Holzlagerplatz der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken bei Strullendorf an das Sägewerk Max Wagner aus Bad Essen bei Osnabrück verkauft.

1088 Euro für 3,5 Meter

Waldbauer Helmut Marx von der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Bad Staffelstein freute sich am Samstag über den Erlös des 3,5 Meter langen Stammabschnitts des 250 Jahre alten Veterans.
1088 Euro hat der Sägewerksbesitzer für diese besondere Sortierung der Eiche hingeblättert. Die Wildeiche mit ihren vielen kleinen Ästen und den Farbunterschieden ist mittlerweile ein Trendholz und gerade bei Designern beliebt.
Unverständlich ist dem Schönsreuther Waldbesitzer der Protest einiger Naturschützer, die alle alten Bäume stehen lassen wollen. "Für mich ist die Eiche ein Brotbaum", sagt er, Zeitung. Er habe Glück gehabt, dass sein Baum mitten im Wald stand und nicht von den Naturschützern entdeckt wurde, sonst würde er mit dem gelben "Umweltpapperl" noch immer dort stehen. (Bäume können aufgrund ihrer Eigenart, Seltenheit und landschaftstypischen Kennzeichnung als Naturdenkmale ausgewiesen und mit einer gelben Umweltplakette versehen werden. Die Red.).
Waldwart Hans-Karl Hertel aus Horsdorf hat in diesem Jahr wieder einen Höchstpreis für einen drei Meter langen Eichenstamm erreicht. 0,8 Festmeter erzielten 376 Euro. Der Baum wuchs zwischen Horsdorf und Loffeld und wurde 150 Jahre alt. Jetzt hat ihn die französische Firma Phan aus dem Elsass gekauft und will Dauben für Weinfässer daraus herstellen. Das Klima, die Bodenart, das Alter des Baumes beeinflussen die Beschaffenheit des Eichenholzes. Die rund 220 Liter fassenden Barriques, dienen zum Ausbau von Rot- oder Weißweinen. Hertel hatte alle Bäume aufgemessen und klassifiziert. Er ist der Ansprechpartner für die Mitglieder, wenn sie Bäume versteigern wollen. Rund 30 Euro ist der Preis für Transport und die Auktionskosten. Hertel beurteilt die Qualität mit Bauchgefühl: "Entweder der Baum geht oder er geht nicht" und meint damit, ob er günstig verkauft werden kann. Bisher habe er sich bei der Auswahl noch nicht geirrt.

Birne, Apfel und Nussbaum

Aus den Wäldern am Obermain stammten überwiegend Eiche, Birke, Elzbeere, Linde, Ulme oder Bergahorn. Gartenbesitzer, ein kleiner Teil der 2300 Mitglieder der Waldbauernvereinigung, boten Birne, Apfel oder Nussbaum an. Ein besonderer Baum dieser Gattung aus einem Uetzinger Garten erzielte den höchsten Preis der Auktion: 1169 Euro für den Festmeter. Er wird bei einem Furnierbetrieb verarbeitet.
Christian Sollman aus Neuensee ist Spezialist für Furniere und kommentiert: "Der Baum zeichnet sich durch einen milden Wuchs aus." Das bedeute von klein auf gleichmäßige Jahresringe und natürlich einen großen Stammdurchmesser: "je dicker desto besser".
Vor dem Hintergrund einer großen Nachfrage nach Brennholz warnte die Geschäftsführerin der Waldbauernvereinigung, Iris Götting, vor dem spontanen Zersägen der Bäume. Jeder Waldbesitzer sollte sich vorher reiflich überlegen, ob der Baum als Wertholz vielleicht einen besseren Preis erzielen könne.
Forstdirektor Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten überreichte den Teilnehmern des Fortbildungslehrgangs "Biwa" die Urkunden. Das Bildungsprogramm für Waldbesitzer und -besitzerinnen umfasste neun Veranstaltungen. Mit einem Verkaufsanteil von 98 Prozent der aufgelegten Hölzer blieben in diesem Jahr nur einige Eschen, Wildapfel und -birne sowie einige Roteichen für den Nachverkauf zurück. Trotz einiger guter Einzelpreise blieb, vor allem die Eiche, hinter ihrem guten Durchschnittserlös des Vorjahres zurück. Der durchschnittliche Erlös aller Werthölzer lag 2014 bei etwa 290 Euro pro Festmeter. Mit diesem Ergebnis konnte, trotz Preisrückgang bei Walnuss, Ulme, Buche und Kirsche, das Niveau des Vorjahres um neun Euro übertroffen werden. Für Eiche und Kirsche wurde heuer weniger erlöst. Auch die Ergebnisse der Buche waren, dem Trend der Vorjahre folgend, trotz der sehr geringen Angebotsmenge, mehr als ernüchternd. "Hier bleibt zu überlegen, ob Buche künftig nicht besser im Freihandverkauf allein vermarktet werden sollte", gab Kröner zu bedenken.
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