Laden...
Lichtenfels
Tourismus

Lichtenfels und Coburg gehen getrennte Wege

Der Landkreis verlässt den erst vor wenigen Monaten gegründeten Tourismusverein Oberes Maintal - Coburger Land. Der Grund: Den Lokalpolitikern passt die Erweiterung nach Südthüringen nicht ins Konzept.
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Wanderschuhe an den Nagel hängt der Landkreis Lichtenfels, was den Rennsteig angeht. Im gemeinsamen Tourismusverein mit Coburg möchte man für diese Region nicht werben (und zahlen). Foto: Michael Reichel/dpa
Die Wanderschuhe an den Nagel hängt der Landkreis Lichtenfels, was den Rennsteig angeht. Im gemeinsamen Tourismusverein mit Coburg möchte man für diese Region nicht werben (und zahlen). Foto: Michael Reichel/dpa
Der Landkreis verlässt den erst am 17. Februar gegründeten Tourismusverein Oberes Maintal - Coburger Land. Das gab Landrat Christian Meißner (CSU) gestern bekannt. "Wir werden weiterhin enge Beziehungen zu Coburg pflegen, aber im Tourismus trennen sich unsere Wege", sagte der Landrat. Der neue Verein trat an die Stelle des gleichnamigen Gebietsausschusses. Ursache für die Kündigung sei die vom Kreistag nicht gewünschte Erweiterung der Gebietskulisse nach Südthüringen und die Änderung des Namens in "Urlaub. Grenzenlos fränkisch! Rennsteig. Coburg. Obermain."
Mit der Gründung des Tourismusvereins sollte das Werben um Gäste auf eine weit breitere Basis als bisher gestellt werden.
Neu dabei sind die thüringischen Kommunen Lauscha, Steinach, Sonneberg und Frankenblick mit Mengersgereuth-Hämmern und Effelder, die nach ihrer Einwohner- und Übernachtungszahl einen Beitrag an den Tourismusverband Franken entrichten. Nicht gelungen war es zunächst, den Landkreis Sonneberg von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Im Sonneberger Kreistag fand sich keine Mehrheit für einen Beitritt, da der Mitgliedsbeitrag von 140.000 Euro mehrheitlich als für zu hoch erachtet wurde. Auch der Landkreis Lichtenfels hatte dem Beitritt einiger Kommunen in den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg zugestimmt, wünschte sich aber zunächst Sacharbeit und nicht die Suche nach einem neuen Namen und die Erweiterung in Richtung Thüringen.

Kein Entgegenkommen

Landrat Meißner hatte das dem Geschäftsführer Michael Amthor mitgeteilt. "Trotzdem wurden diese Punkte von der Geschäftsführung ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt", kritisierte Meißner. Auch bei einem Gespräch mit dem Geschäftsführer und den Fraktionsvorsitzenden des Lichtenfelser Kreistages sei kein Entgegenkommen erkennbar gewesen. Der Kreisausschuss hatte am 28. Mai in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, dass die Kündigung von Lichtenfelser Seite aus erfolgen soll, falls kein Einvernehmen mit Coburg erzielt werden kann. Am 17. Juni befürworteten die Bürgermeister bei einer Dienstbesprechung das Vorgehen des Landkreises. Mit den Kommunen sei besprochen, dass der bestehende Tourismusverein Landkreis Lichtenfels künftig auch die Tourismuswerbung in Abstimmung der Kommunen übernehmen soll, informierte Meißner. Dafür stünden mindestens 140.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Zudem soll der Lichtenfelser Der Landrat hatte bereits am 13. Juni beim Tourismusverband Franken die Gründung eines eigenen Gebietsausschusses beantragt.

Keine Augenhöhe

Kreisentwickler Andreas Grosch machte deutlich, dass es im Interesse des Landkreises sei, die örtlichen touristischen Schwerpunkte hervorzuheben. Sei es der Frankenweg, der erste Weitwanderweg in Deutschland, der Main-Radweg, der Naturpark fränkische Schweiz und das Wandergebiet Main und Jura. Anhand einer Landkarte machte er die Entfernung zum Rennsteig deutlich, der mindestens eine Autostunde von Lichtenfels entfernt sei. Meißner trat den Vorwürfen entgegen, er wolle nicht mit den thüringer Kommunen zusammenarbeiten. Der neue Name beinhalte den Rennsteig. Dieser habe nur einen minimalen Anteil am Vereinsgebiet, was einer Täuschung der Gäste gleichkomme. Auch den Vorwurf, den Kreistag entscheiden zu lassen, konnte Meißner nicht gelten lassen. Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Obermain-Therme, die zur Hälfte dem Landkreis gehöre, der touristische Motor der Region sei. Vehement bestritt der Landrat den Vorwurf, er habe politische Vorbehalte gegen eine engere Zusammenarbeit mit Coburg. "Aufgrund der Missachtung der Wünsche aus Lichtenfels hinsichtlich Name und Erweiterung wurde klar, dass keine Zusammenarbeit auf ‚Augenhöhe‘ seitens Coburgs gewünscht ist. Daher fehlt die Vertrauensgrundlage für die weitere Zusammenarbeit im Verein", sagte Meißner.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren