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Bad Staffelstein
Geschäftsbericht

Licht und Schatten: Staffelsteiner Solarunternehmen stellt sich neu auf

Der Solar-Boom ist vorbei, viele Unternehmen müssen sich neu ausrichten. Auch bei der Staffelsteiner Firma IBC Solar müssen die Vorstandskollegen Jörg Eggersdorfer und Thomas Mart neue Strategien suchen. Der Umsatz ist seit Jahren rückläufig.
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Jörg Eggersdorfer, Finanzvorstand des Staffelsteiner Unternehmens IBC Solar (links) begrüßt seinen neuen Vorstandskollegen für den Vertrieb, Thomas Mart.  Foto: Anja Greiner
Jörg Eggersdorfer, Finanzvorstand des Staffelsteiner Unternehmens IBC Solar (links) begrüßt seinen neuen Vorstandskollegen für den Vertrieb, Thomas Mart. Foto: Anja Greiner
"Wissen Sie eigentlich, was Sie für eine Kilowattstunde Strom bezahlen?"
Jörg Eggersdorfer ist Finanzvorstand des Staffelsteiner Unternehmens IBC Solar und kennt sich nicht nur mit ungewöhnlichen Gesprächseinstiegen aus. Er weiß auch, was es heißt, in einer Branche tätig zu sein, die gleichermaßen hochreguliert und starken Schwankungen ausgesetzt ist.

Im Konferenzraum von IBC Solar hängt ein Bild von Angela Merkel, schwarzer Mantel, einen Spaten in der Hand. Das war 2009 in der Uckermark, Merkels Wahlkreis. IBC Solar hatte dort einen Solarpark gebaut, der Bürgermeister des Ortes hatte den Besuch der Kanzlerin damals organisiert.

2009, da lief das Geschäft noch gut, der Jahresumsatz von IBC lag bei knapp 900 Millionen Euro. Fünf Jahre später sind es nur noch 200 Millionen.
Deutschland machte damals noch ein Viertel des Weltmarktes aus, heute sind es noch drei Prozent.

"Deutschland schrumpft, das Ausland wächst", sagt Eggersdorfer. Die Gründe dafür sind vielfältig: Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), Eingriffe der EU, ein stetig sinkender Einspeisungstarif, die Preise sinken, dennoch steigt der Absatz nicht. Und nicht zuletzt hätten viele noch ein falsches Bild davon, welchen Zweck eine Solaranlage auf dem Dach erfüllt: "Wer heute eine Photovotaik-Anlage baut, der macht das, um Strom selber zu verbrauchen und das möglichst viel", sagt Eggersdorfer.

Einsparung, nicht Einspeisung

Beim Aufbau einer Solaranlage für eine vierköpfigen Familie rechne sich die Investition von durchschnittlich 7000 Euro nach zehn Jahren. Ein Drittel des eigenen Strombedarfs könne so gedeckt werden, sagt Pressesprecherin Iris Meyer.

Die Frage, die man sich heute beim Bau einer Solaranlage stellen muss: "Was erwirtschafte ich durch Einsparung?"

Denn EEG-Umlage und monatlich sinkende Einspeisungstarife machen es immer unattraktiver, den selbstproduzierten Strom ins Netz abzugeben.

Bei Privathaushalten sei dieser Gedanke inzwischen ganz gut angekommen, sagt Meyer. Viel schwieriger sei es, Unternehmen vom Potenzial des Solarstroms zu überzeugen. Auch dort, sagt sie, herrsche oft Unwissenheit über die eigentlichen Stromkosten.

Am kommenden Wochenende wird IBC Solar auf der wichtigsten Branchenmesse in Europa, der Intersolar Europe in München, neue Produkte vorstellen: Module, Batterie-Speicher und Montagesysteme - alles ein bisschen anders als bisher.

Anders kam es für Eggersdorfer auch im vergangenen Geschäftsjahr: Eigentlich hatte er damit gerechnet, dass sich die Marktsituation 2014 wieder verbessere. Dann aber begann die Politik darüber zu diskutieren, ob die EEG-Umlage auch auf den Eigenverbrauch zu zahlen sei. Im August wurde das entsprechende Gesetz beschlossen. Bereits die Diskussion habe zu einer erheblichen Kaufzurückhaltung geführt, sagt Eggersdorfer. Der Markt in Deutschland sei letztlich um 50 Prozent geschrumpft. "Das hatten wir so nicht im Plan gehabt."

Für IBC endete 2014 dementsprechend mit einem operativen Verlust. Iris Meyer betont: "Das können wir aushalten, wir haben keine Überlegungen, Personal einzusparen."

Andere Länder haben schließlich auch schöne Dächer.

Internationaler und Projektorientierter möchte IBC werden, sich vom bisherigen Kerngeschäft, den Dachanlagen, lösen. In Indien und China baut das Unternehmen bereits Großkraftwerke, in Baden-Württemberg und Brandenburg hat IBC Ausschreibungen für den Bau von zwei Solarparks gewonnen.

Teil dieser Neuorientierung war auch die Entlassung von 83 Mitarbeitern im Februar 2014. Fortan ging es darum Mitarbeiter zu finden, die über entsprechende Sprachkenntnisse verfügen und auch bereit sind, für längere Zeit im Ausland zu leben. Für einen oberfränkischen Mittelständler sei das durchaus eine Herausforderung, sagt Eggersdorfer.

Vielleicht hat es deswegen vergleichsweise lange gedauert, die Stelle von Norbert Hahn zu besetzten. Der Vertriebsvorstand war vor zwei Jahren überraschend verstorben, Eggersdorfer hatte den Posten seitdem mit übernommen. Seit dem 1. Juni nun ist der 49-jährige Thomas Mart der dritte Mann im Vorstand - neben Jörg Eggersdorfer und Firmengründer Udo Möhrstedt.

Mart ist in Kassel geboren, lebt seit 15 Jahren in Franken. Er ist gelernter Elektroingenieur, für Siemens hat er viele Jahre den Vertrieb der Photovoltaik-Anlagen geleitet. Mart war in Australien, Südafrika, den USA. Siemens hat sich inzwischen beinahe vollständig aus dem Solargeschäft zurückgezogen, Thomas Mart wollte dennoch weiter in dieser Branche arbeiten. Ich weiß, sagt er, dass die Photovoltaik eine wichtige Rolle in den nächsten 50 Jahren spielen wird.

Eine eigene Solaranlage hat Mart nicht. In Forchheim, sagt er, wohne er so nah an einem Wald, dass keinerlei Sonne auf sein Dach scheine.




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