Horsdorf
Serie Landwirtschaft

Leben vom und für den Wald

Die Bewirtschaftung und Pflege von großen Waldflächen hat ihre Tücken. Holzwart Hans-Karl Hertel aus Horsdorf nennt häufige Fehler von Waldbesitzern und verrät, wie man zu perfektem Brennholz kommt.
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Holzwart Hans-Karl Hertel besitzt in der Nähe von Horsdorf rund fünf Hektar Wald. Fotos: Maximilian Glas
Holzwart Hans-Karl Hertel besitzt in der Nähe von Horsdorf rund fünf Hektar Wald. Fotos: Maximilian Glas
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Rund 150 Jahre dauert das Wachstum einer gewöhnlichen Eiche. In dieser Zeit könnte man auch ohne Probleme drei ausgewachsene Fichten fällen. Für viele Waldbesitzer ist das Grund genug, auch heute noch auf eine künstlich geschaffene Monokultur aus Nadelbäumen zu setzen. Für Holzwart Hans-Karl Hertel aus Horsdorf der falsche Weg: "Ich bin gegen solche Monokulturen, eine gesunde Mischung im Wald ist immer gut." Auch wenn bei vielen Waldbesitzern langsam ein Umdenken stattfindet, werden auch heute noch überwiegend günstige Nadelhölzer vermarktet.

Hertel selbst darf etwa fünf Hektar Wald sein Eigen nennen. Bei ihm dominieren jedoch nicht die wirtschaftlich lukrativen Nadelbäume. Zwei Drittel der Fläche bedecken Laubbäume. Dies sichere auf Dauer nicht nur eine deutlich höhere Artenvielfalt, sondern auch das Überleben des Waldes bei unvorhergesehenen Naturereignissen. Hertel erinnert sich an eine Hagelsturm vor einigen Jahren, der bei einem guten Bekannten aus Tiefenroth den kompletten Kieferbestand zerstört hatte. Da der Wald aber zur Hälfte aus anderen stabileren Bäumen bestand, konnte die vollständige Waldzerstörung verhindert werden.

Neben dem Wetter macht auch die Tierwelt den Bäumen zu schaffen. Besonders gefährlich sind dabei die Borkenkäfer, die je nach Witterung auftauchen. Letzten Winter hielten sich die Schäden in Grenzen. Hertel: "Die Käfer haben den Wechsel zwischen trockenem und feuchtem Wetter nicht vertragen und sind verpilzt." Da dieser Winter bisher ähnlich verläuft, sei auch heuer keine Plage zu erwarten.

Auch ohne Naturkatastrophen und Schädlinge wird der Arbeitsaufwand, den die Waldbewirtschaftung mit sich bringt, oft unterschätzt. "Das A und O ist die Baumpflege - dabei hat jede Baumart seine Eigenheiten", sagt Hertel. Bei Laubbäumen komme es in erster Linie auf eine gleichmäßige Baumkrone an. Bei Nadelbäumen gilt zu beachten, dass bei rund einem Drittel der Stammlänge noch grüne Äste vorhanden sein sollen - ansonsten gibt es keinen Zuwachs mehr. Hertel: "Nicht alle Waldbesitzer kennen sich gut aus und so werden teilweise sehr schöne und wertvolle Bäume oft einfach zusammengeschnitten."

"Holz ist nicht langweilig"

Wer sich in gewissen Punkten nicht sicher ist, kann sich von der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Bad Staffelstein beraten lassen. Hertel gehört der Vereinigung bereits seit über 20 Jahren an. Seine Liebe zum Holz entwickelte sich aber schon früher. Mit vier Jahren kam er durch seinen Opa auf den Geschmack und es entwickelte sich nach eigener Aussage "eine große Sucht, die fast schon krankhaft ist".

Über 30 verschiedene, hei mische Holzsorten hat der 57-Jährige auf dem elterlichen Anwesen in Horsdorf eingelagert. "Damit könnte man gut und gerne zwei Sattelzüge füllen", grinst er. Das Fachwerk-Wohnhaus renoviert er seit mittlerweile rund 20 Jahren. Ob Fußboden, Kommode oder Garderobe - alles ist in Handarbeit aus den eigenen Hölzern angefertigt. "Holz ist nicht langweilig. Holz lebt", sagt Hertel.

Mindestens zwei Jahre lagern

Entscheidend für Waldbesitzer ist der richtige Zeitpunkt für den Holzeinschlag. Dieser sollte in der Regel immer in der sogenannten "Saftruhe" zwischen Allerheiligen und Mitte Februar erfolgen.

Neben dem richtigen Einschlag muss auch auf die richtige Lagerung geachtet werden. Wichtig ist ein trockener und luftiger Lagerplatz, an dem die Feuchtigkeit entweichen kann. Für einen perfekten Brennwert müsse das Holz mindestens zwei Jahre eingelagert werden. Entgegen anders lautender Meinungen verliert Holz bei richtiger Lagerung laut Hertel auch nach mehreren Jahren kaum an Brennwert. Bei langer Lagerzeit sollte lediglich auf einen möglichen Wurmbefall Acht gegeben werden.

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