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Landrat lässt sich bei Klinikneubau auf kein Abenteuer ein

Der Landrat von Lichtenfels, Christian Meißner, will sich nicht drängen lassen: Für ihn haben Qualität und die Einhaltung des Kostenrahmens Vorrang vor einem möglichst schnellen Beginn des Klinikneubaus.
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Das Licht in den Parkdecks brennt schon, aber das Parkhaus am Klinikum Lichtenfels wird erst im August, oder September eröffnet.  Foto: Welz
Das Licht in den Parkdecks brennt schon, aber das Parkhaus am Klinikum Lichtenfels wird erst im August, oder September eröffnet. Foto: Welz
"Wir fangen an, wenn wir es für richtig erachten", erklärte der Landrat am Dienstag bei der Hauptversammlung des Vereins der Freunde und Förderer des Helmuth-G.-Walther-Klinikums. Dies sei seine Antwort auf Fragen der Regierung, die wissen wollte, wann es denn losgehe. Aber die 71 Millionen Euro Fördergelder vom Freistaat für das 114-Millionen-Projekt seien für ihn und den Bauausschuss kein Grund, sich antreiben zu lassen. "Wir haben ein Krankenhaus, das funktioniert prima", stellte der Landrat fest, der auch Vereinsvorsitzender ist.

Kostenkontrolle bleibe auch in Zukunft oberstes Gebot. Bevor die Ausschreibungen beginnen, wolle man die Pläne noch einmal eingehend prüfen, den Baugrund noch genauer untersuchen, erklärte Meißner und fügte hinzu: "Wir wollen uns nicht in ein Abenteuer stürzen."

Die Ausschreibung für das Ausheben der Baugrube sei bereits gestoppt. Dreh- und Angelpunkt sei die Fertigstellung des Parkhauses, das voraussichtlich erst im August oder im September eröffnet werden könne. Erst danach könnten die Arbeiten am Hauptbau beginnen. 90 zusätzliche Parkplätze stünden dann zur Verfügung.

Über acht Millionen Euro verbaut

Auch der Geschäftsführer des Vereins, Michael Jung, bestätigte die Darstellung des Landrats. Seit dem ersten Spatenstich am 24. Oktober 2012 mit Gesundheitsminister Huber seien schon über acht Millionen Euro verbaut worden. Die Verzögerung beim Parkhausbau begründete er mit starkem Schneefall und Frost im Februar bis zum März.

Auch im Jahr 2012 erzielte die Klinik GmbH ein positives Ergebnis von 472.000 Euro, berichtete der Geschäftsführer. Im Wirtschaftsplan waren 480.000 Euro geplant. Dabei sei die Schließung der Pflegestation berücksichtigt worden. Auf Grund der Schließung Ende 2012 sei die Belegung im Laufe des Jahres immer mehr zurückgegangen. Somit fehlten rund 400.000 Euro an den Gesamteinnahmen von knapp 50 Millionen Euro.

Die Zahl der Vollzeitkräfte stieg von 470 im Jahr 2011 auf 486 im Jahr 2012. Die Zahl der Ärzte stieg in diesem Zeitraum von 71 auf 80. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 13.400 Patienten behandelt, 740 mehr als 2011. Die Verweildauer sei von 6,6 auf 6,3 Tage weiter gesunken. Damit sei die durchschnittliche Belegung der 281 Betten - trotz steigender Patientenzahlen - gesunken, bedingt durch die zurückgehende Verweildauer. Sie lag, wie schon in den drei Jahren zuvor, bei rund 81 Prozent.

Eine Million Euro sei in medizinische Geräte investiert worden. Davon kämen 750.000 Euro aus pauschalen Fördermitteln, und der Rest aus Eigenmitteln. Damit das Klinikum etwas mehr machen könne als allein für den Versorgungsauftrag notwendig ist, sei man auf den Förderverein und auch auf Spenden angewiesen, unterstrich der Geschäftsführer. Er dankte der Koinor-Müller-Stiftung, die den Verein Ende 2012 wieder mit einer Spende von 14.000 Euro unterstützte.

Palliativzimmer geplant

Erfreulich sei auch, dass das Klinikum im Jahr 2012 keine Probleme bei der Stellenbesetzung im ärztlichen und pflegerischen Bereich hatte. Nur die Krankenpflegeschule kämpfe um qualifizierte und geeignete Bewerber. Es würden sich wesentlich weniger als noch vor zehn Jahren bewerben. "Viele von ihnen springen vor Ausbildungsbeginn ab", bedauerte er. Derzeit gebe es 50 Bewerber für 18 Ausbildungsplätze; vor einigen Jahren seien es noch 200 Bewerber gewesen.

Einmütig beschlossen die Mitglieder, von den 23.000 Euro an Spenden 20.000 Euro für ein Palliativzimmer zu verwenden. Aus Eigenmitteln des Klinikums kämen 10 000 Euro, sagte Jung. Für die Betreuung der Sterbenden stünden drei Palliativmediziner, drei dafür ausgebildete Krankenschwestern und Psychotherapeuten zur Verfügung. Der Raum werde hell und freundlich gestaltet. Die restlichen 3000 Euro sollen, auf Vorschlag des Vorsitzenden, für eine wissenschaftliche Dokumentation der Kliniken im Landkreis verwendet werden.

Vereinsmitglied Hans Püls sah bei steigenden Patientenzahlen erhöhten Raumbedarf im neuen Klinikum. Landrat Meißner wies darauf hin, dass die Gebäude statisch eine Aufstockung ermöglichten. Er bezweifelte aber weiter steigende Zahlen, die allein aus demografischen Gründen nicht wahrscheinlich seien.
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