Stolz sind die Bürger von Buch am Forst auf eine berühmte Einwohnerin, die der Krieg 1945 dorthin verschlug: die Berliner Malerin Gertrud Spitta. Vor wenigen Tagen tauchten unbekannte Winterbilder der Künstlerin auf.
Die impressionistischen Aquarelle zeigen Kirche, Pfarrhaus und die verschneite Dorfstraße. Die Alten können sich noch, wie in den Bildern festgehalten, an Schlittenfahrten vom Pfarrhaus über die Dorfstraße zur "Unteren Wierth" erinnern oder an die beiden Friedenslinden vor der Kirche.

Am Hof des Exilkaisers


Die Tochter des bekannten Architekten Max Spitta (1842-1902), er schuf den Kaiser-Wilhelm-Brunnen in Konstantinopel und das Sühnekreuz in Peking, war bis 1942 auf den großen Berliner Kunstausstellungen präsent. Ihr wurden dekorativ fesselnde Landschaftsausschnitte und die Darstellung geschmackvoller Innenräume bescheinigt. Für 1925 bis 1927 sind Aufenthalte in den Niederlanden belegt, wo sie am Hof des deutschen Exilkaisers malte. Spitta war Mitglied des Vereins Berliner Künstlerinnen. Ihre Spur verliert sich 1942 in den Wirren des Weltkrieges. Man nahm an, dass sie, wie ihre Familienangehörigen, im "Russensturm" ermordet worden sei.
Dank intensiver Forschung gelang es Wolfgang Etterich aus Berlin, die verschollene Malerin wiederzufinden. Die Spur führte nach Buch am Forst. Eine Meldekarte vom 9. Februar 1946 weist sie als Bewohnerin des Hauses Nr. 60 aus.
Pfarrerin Auguste Zeiß-Horbach konnte 2006 auf Grund des Kommunikantenbuches nachweisen, dass sie am Abendmahl in der Maria-Magdalena-Kirche teilgenommen hatte. Als Flüchtling "mit Sachmitteln gestützte ledige Person" kam sie vermutlich von Bamberg am 22. September 1945 in die von Kriegflüchtlingen überfüllt Ländlichkeit. In Buch hatte sich in dieser Zeit die Einwohnerzahl auf über 900 mehr als verdoppelt.
Nach der Auskunft von Zeitzeugen stand schließlich fest: Gertrud Spitta lebte von 1945 bis 1950 in Buch am Forst. Aus dieser Zeit stammen einige Gemälde, die sie, der Not gehorchend, an privat verkaufte. Erst nach und nach tauchen Bilder, die sie in Buch gemalt hatte, wieder auf. Für die Ortschronik von besonderer Bedeutung sind Abbildungen aus dem Alltag der Lichtenfelser Forstgemeinde. Sie zeigen die Zimmerei Friedrich von der Hofseite aus, die nördliche Fachwerkfassade des Pfarrhauses, eine Landschaftsansicht oder das Bucher Gotteshaus im Reigen der Jahreszeiten.
Ob sie nach der Zeit in Buch noch künstlerisch tätig war, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Nach Stationen in Locham, Wüstenrot bei Heilbronn und Neuenstadt am Kocher zog sie 1963 in nach Stuttgart, wo sie am 12. Oktober 1967 im Alter von 86 Jahren starb.