Lichtenfels
Gesundheitswesen

Klinikum Lichtenfels und Regiomed kritisieren neue Regelung der Notaufnahme

Seit 1. April bleiben zwei Minuten, um zu entscheiden, ob ein Patient ein Notfall ist oder nicht. Das Klinikum Lichtenfels kritisiert diese Regelung.
Artikel drucken Artikel einbetten
Notfall oder nicht? Bevor ein Arzt im Klinikum Lichtenfels den Patienten entlässt, muss er sich ganz sicher sein. Foto: Dominic Buckreus
Notfall oder nicht? Bevor ein Arzt im Klinikum Lichtenfels den Patienten entlässt, muss er sich ganz sicher sein. Foto: Dominic Buckreus
Viele Notaufnahmen in deutschen Krankenhäusern sind überfüllt. Bei knapp der Hälfte aller Patienten sei der Gang in die Notaufnahme nicht notwendig. Das sagt die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB). Deren Beschwerden könnten ein Hausarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (siehe Infobox) genauso behandeln, erklärt der KVB. Helfen soll seit dem 1. April die Abklärungspauschale. Im Bewertungsausschuss haben der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband), die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) darüber verhandelt. Demnach soll der Arzt jeden Patienten zunächst kurz durchchecken und dann entscheiden, ob er in der Notaufnahme überhaupt behandelt werden darf. Für das Prozedere hat er gerade einmal zwei Minuten Zeit.

Das Krankenhaus bekommt für diese Untersuchung eine Pauschale von 4,74 Euro am Tag und 8,42 Euro in der Nacht. Laut dem Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, und dem Geschäftsführer der Regiomed-Kliniken, Thomas Hergt, entspreche dies einer Behandlungszeit von zwei Minuten. Viel zu kurz, meinen die Kliniken und kritisieren gleichzeitig die neue Regelung. "In dieser Zeit ist es jedoch nicht möglich, einen Patienten sowohl medizinisch als auch administrativ zu behandeln", sagt Hergt.

Eva Gill stimmt dem zu. Die Direktorin des Klinikums Lichtenfels gibt zu bedenken, dass sich die Behandlungszeit von Patient zu Patient unterscheidet. Schon bei der ersten Untersuchung kämen meist Sonographie, Röntgengerät oder das Labor ins Spiel. "Demnach ist davon auszugehen, dass zwei Minuten Behandlungszeit bei weitem nicht ausreichen", sagt sie.


Arzt trifft finale Entscheidung

Die Belastung der Lichtenfelser Notaufnahme sei von Tag zu Tag unterschiedlich, erklärt Gill. Die Reihenfolge nach der Patienten behandelt werden richtet sich dabei nicht danach, wann diese in der Klinik auftauchen. Dringende Fälle haben immer Vorrang.

"In Lichtenfels ist es so geregelt, dass kein Patient ungesehen die Notaufnahme verlässt", sagt sie. Eine Pflegekraft schätze den Fall ein und schickt den Patienten dann zu einem Arzt. Dieser entscheide über den weiteren Verhandlungsverlauf, ergänzt die Direktorin.

Wenn es sich um keinen Notfall handelt, könne der Patient zum Hausarzt überwiesen werden, so Gill weiter. Ob er tatsächlich den Hausarzt aufsucht, liegt nach der Entlassung beim Patienten selbst.

Für Thomas Hergt von Regiomed müsse die Pauschale zumindest dem Zeitaufwand gerecht werden und würde sich dadurch deutlich erhöhen. "Von einem substanziellen Ansatz zur Verbesserung der Refinanzierung von Notaufnahmen ist also nicht zu sprechen", sagt er. Dennoch geht er davon aus, dass über dieses Thema weiter gesprochen wird und sich eine bessere Lösung für alle Beteiligten finden wird.


Bereitschaftsdienst oder Notaufnahme?

Bereitschaftsdienst
Um zur Entlastung der Notaufnahmen beizutragen, können Patienten bei nicht akuten Fällen den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116 117 kontaktieren.

Zuständigkeit
Der Bereitschaftsdienst ist zuständig, wenn eine Erkrankung vorliegt, die normalerweise der Hausarzt behandeln würde. Kann die Behandlung aus medizinischen Gründen aber nicht bis zum nächsten Tag warten, springt der Bereitschaftsdienst ein.

Notfälle
Zur Notaufnahme sollte man mit diesen Symptomen gehen: Frakturverdacht, akute Blutungen, Ohnmacht, Lähmungserscheinungen, Sehverlust, akute Atemnot, akut auftretender Brustschmerz.

Notruf
Bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder schweren Unfällen ist der Rettungsdienst unter 112 zuständig.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren