Burgkunstadt
Stadtrat

Keime bedrohen das Burgkunstadter Trinkwasser

Burgkunstadts hydraulische Anlagen sind veraltet und vor allem überdimensioniert. Welche Lösung bietet sich an?
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Anhand von vorher aufgenommener Bilder erklärt Wassermeister Joachim Ruß, welche Baumaßnahmen am Hochbehälter Meuselsberg durchgeführt wurden Foto: Adriane Lochner
Anhand von vorher aufgenommener Bilder erklärt Wassermeister Joachim Ruß, welche Baumaßnahmen am Hochbehälter Meuselsberg durchgeführt wurden Foto: Adriane Lochner
Als Wassermeister Joachim Ruß den Schieber öffnet, ertönt ein lautes Rauschen. Man kann zusehen, wie das Wasser in die Filterbecken strömt. Ruß führt den Stadträten eine sogenannte Rückspülung vor. Die macht er einmal wöchentlich zur Regenerierung der Filteranlagen, diesmal aber im Rahmen einer außerordentlichen Stadtratssitzung. Die war als reine Informationsveranstaltung ausgelegt und fand nicht im Rathaus statt, sondern direkt in der Wasseraufbereitungsanlage "Am Hügel" in der Franz-Roscher-Straße.


Technik ist überholt

Dort wird Rohwasser aus den Brunnen Nummer vier und fünf zu Reinwasser aufbereitet, unter anderem, um die Bevölkerung der Burgkunstädter Tiefzone zu versorgen. Das Aufbereitungsgebäude "Am Hügel" stammt aus dem Jahr 1964, so auch die Systeme, die das Trinkwasser entsäuern oder Eisen und Mangan herausfiltern.
Demnächst muss der Stadtrat entscheiden, ob diese Anlagen saniert werden - für 350 000 Euro. Die Wasseraufbereitung funktioniere zwar einwandfrei und erfülle alle geltenden Normen, nur sei die Technik überholt, sagte Wolfgang Fuchs vom Ingenieurbüro Miller aus Nürnberg.
Ihm zufolge könnten in die offenen Filterbecken jederzeit Keime gelangen und so die Trinkwasserqualität beeinträchtigen. Hauptgrund für die Sanierung sei jedoch, dass die hydraulischen Anlagen in den 60er-Jahren viel zu groß ausgelegt wurden. Die Filter können 30 Liter Trinkwasser pro Sekunde aufbereiten, tatsächlich benötigt würden nur fünf. "Damals hat man damit gerechnet, dass die Ortschaften stetig wachsen. Nun sehen wir, dass das nicht der Fall ist", sagte Ingenieur Fuchs. Eine neue Anlage mit geschlossenen Filtersystemen soll nur noch etwa zehn Liter pro Sekunde aufbereiten. Damit könne man auch in trockenen Sommern wie diesem die Bevölkerung versorgen, und hätte noch 20 Prozent Kapazität nach oben.
Positive Begleiteffekte einer Sanierung wären ein geringerer Stromverbrauch und eine Wasserersparnis bei der Filterreinigung, insgesamt würden die Betriebskosten gesenkt. Für Wassermeister Ruß bedeuten modernere Anlagen eine Arbeitserleichterung, zum Beispiel liefe die Regenerierung der Filter automatisch ab. Während der Bauphase von Herbst bis Frühjahr würde es keine Engpässe geben, versicherte Ingenieur Fuchs, da man nur einen der beiden Brunnen vorrübergehend stilllegen müsse. Die Verbraucher würden davon nichts spüren. Das Trinkwasser gelangt von der Aufbereitungsanlage "Am Hügel" zu Hochbehälter und Pumpwerk am Meuselsberg. Die stammen ebenfalls aus dem Jahr 1964 und wurden kürzlich für mehr als 428 000 Euro saniert.
Auch dorthin machte der Stadtrat am Dienstag einen Ausflug. Wassermeister Ruß erklärte anhand von Bildern, aufgenommen vor der Sanierung, welche Anlagen und Behälter in den beiden Gebäuden ausgetauscht wurden. Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) sagte: "Wasser ist ein wichtiges Gut, dessen Qualität es für die Bürger zu erhalten gilt." Sie fügte hinzu, dass es in kommunaler Hand bleiben müsse, denn durch das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP befürchte man unter anderem eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung. Über die Sanierung der Wasseraufbereitungsanlage "Am Hügel" will der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen entscheiden.
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