Schönsreuth
Hundesteuer

600 Euro Steuer für Indira: Kampfhunde in Lichtenfels nicht gewollt?

Weil sie angeblich das "Potenzial zur Kampfmaschine" haben, verlangen manche Gemeinden für Kampfhunde zehnmal mehr Steuern als für süße Schoßhündchen.
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Tanja Schreiner mit ihrer Rottweiler-Hündin Indira. Foto: Lisa Kieslinger
Tanja Schreiner mit ihrer Rottweiler-Hündin Indira. Foto: Lisa Kieslinger
Als Tanja Schreiner heuer den Bescheid für die Steuer ihrer Rottweiler-Hündin Indira bekommen hat, musste sie zwei Mal hinschauen: 600 Euro standen unter dem Strich. So viel musste sie noch nie zahlen. Gemeinsam mit Indira ist sie vor ein paar Jahren zurück in ihr Elternhaus nach Schönsreuth gezogen. Der kleine Ort galt viele Jahre als Weiler. Deshalb hatte Tanja Schreiner in der Vergangenheit jährlich 12,50 Euro gezahlt - die Hälfte der normalen Hundesteuer.

Doch dieses Jahr kam eine Wende: Schönsreuth zählt nicht mehr als Weiler, Indira wird der Kategorie 2 (siehe Info unten) zugeordnet - folglich muss Tanja Schreiner 600 Euro zahlen. "Wenn ich mir das jetzt nicht mehr leisten kann, muss ich sie ins Tierheim geben und da wird sie nicht mehr raus geholt."


Steuerungsinstrument Steuer

Dass Kampfhunde steuerlich teurer sind, ist schon lange bekannt. Andere Städte hatten das schon lange vor Lichtenfels. "Die meisten Kommunen wollen diese Hunde nicht da haben", sagt Lars Reichelt, Vorsitzender des Hundesportvereins in Lichtenfels. Sie würden die Steuer hoch setzen, dass diese Hunde unattraktiv werden. Ein anderer Grund sei, dass die Stadt damit Geld verdienen will.

"Aber um die Sicherheit der Bürger kann es ihnen nicht gehen. Dann würden sie so etwas wie Leinen- oder Maulkorbpflicht einführen, aber nicht die Steuer erhöhen", meint Reichelt. Doch das sei keine spezielle Geschichte für Lichtenfels, das ziehe sich durch ganz Bayern. Das Unfaire für Lars Reichelt am Fall von Tanja Schreiner: "Es kann doch nicht sein, dass die Erhöhung ins Unendliche steigt und damit die Existenzgrundlage von Einzelnen gefährdet."


Was sagt der Bürgermeister?

Auf Nachfrage der Redaktion bestätigt Andreas Hügerich (SPD), dass Tanja Schreiner dieses Jahr 600 Euro Hundesteuer zahlen muss. Grund für die Erhöhung seien Änderungen in der Hundesteuersatzung. "Die Stadt Lichtenfels hat im Zusammenhang mit den allgemeinen Steuer- und Gebührenerhöhungen zur Finanzierung des erheblichen Investitionsbedarfs der Stadt und zum Ausgleich des Haushalts 2015 auch beschlossen, die Hundesteuer zu erhöhen." Für Kampfhunde sei zum 1. Januar 2016 erstmals Steuer eingeführt und die Ermäßigung 50 Prozent für Weiler abgeschafft worden. Zudem habe sie Ungleichheiten zu benachbarten Orten mit sich gebracht.

990 Hunde sind bei der Stadt Lichtenfels angemeldet, darunter vier Kampfhunde. Für einen "normalen" Hund liegen die Kosten bei 40 Euro im Jahr. Doch warum sind die Steuersätze so unterschiedlich? "Kampfhunde sind Hunde, bei denen aufgrund rassespezifischer Merkmale, Zucht und Ausbildung von einer gesteigerten Aggressivität und Gefährlichkeit gegenüber Menschen und Tieren auszugehen ist", teilt Stefan Renner auf Nachfrage mit. Er ist in der Stadt Lichtenfels für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig.


Ins schlechte Licht gerückt?

"Das ist alles Ausbildungssache", entgegnet Lars Reichelt. Ein Hund sei so, wie er von seinem Besitzer trainiert wird. "Kampfhunde werden immer direkt in ein schlechtes Licht gerückt und das verdienen sie nicht." Meist seien es andere Hunde, die zubeißen. Doch darüber rede niemand. "Wenn dann mal ein Kampfhund zubeißt, dann schreit gleich jeder." Natürlich sei die Beißkraft eines Kampfhundes viel größer - gar keine Frage. "Doch wenn der Hund nicht beißt, dann ist das doch egal."

Wenn es nach Lars Reichelt geht, sollten sich die Kommunen die Halter und die Hunde genauer anschauen. "Ich finde es einfach nicht in Ordnung, dass es nicht honoriert wird, wenn man mit seinem Hund intensiv arbeitet", sagt Reichelt. Tanja Schreiner geht mit ihrer Hündin zwei Mal in der Woche in die Hundeschule und einmal zum Training auf den Hundeplatz. Auch die Begleithundeprüfung hat sie mit Indira erfolgreich abgelegt.


Negativzeugnis ändert nichts

Doch das alles scheint keine Rolle zu spielen: Für die Stadt bleibt die Rottweiler-Hündin wegen ihrer Genetik ein Kampfhund. Auch ein Negativzeugnis kann die Behörde nicht umstimmen. Tanja Schreiner hat das mit ihrer Rottweiler-Hündin gemacht.

Dafür musste sie einen sogenannten Wesenstest absolvieren, bei dem Verhaltenseigenschaften des Hundes geprüft werden: Wie reagiert er auf fremde Menschen, auf andere Tiere und auf überraschende Situationen? Das Ergebnis des Gutachters: "Es konnte bei der Hündin kein Anzeichen für eine anlage- oder ausbildungsbedingte gesteigerte Aggressivität festgestellt werden."

Doch selbst mit einem Zeugnis bestehe laut Stefan Renner ein Restrisiko der Gefährlichkeit des Hundes. Deswegen halte der Stadtrat den erhöhten Steuersatz für angemessen.

Info: Kategorien nach der Kampfhundeverordnung
Kategorie 1 Darin sind Rassen aufgeführt, denen die Kampfhunde-Eigenschaften Aggressivität und Gefährlichkeit unwiderlegbar unterstellt werden (Pitbull, Bandog, Tosa-Inu).

Kategorie 2 Diese Hunde gelten dann nicht als Kampfhunde, wenn im Einzelfall durch Sachverständigengutachten nachgewiesen wird, dass das Tier keine gesteigerte Aggressivität und Gefährlichkeit aufweist. In diesem Fall wird ein "Negativzeugnis" erteilt (Bullterrier, Rottweiler, American Bulldog).


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