Lichtenfels
Gedenktag

Juden waren auch in Lichtenfels die Prügelknaben

Vor dem Lichtenfelser Rathaus gedachten 120 Menschen der Reichspogromnacht.
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Die Szene demonstriert: Der Prügelnde ist seinem Opfer ganz nahe, im Herzen aber weit entfernt.  Fotos: Gerda Völk
Die Szene demonstriert: Der Prügelnde ist seinem Opfer ganz nahe, im Herzen aber weit entfernt. Fotos: Gerda Völk
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Seit 2004 erinnert eine jährlich stattfindende ökumenische Andacht an die schlimmen Ereignisse der Reichspogromnacht am 9. November 1938. Seit elf Jahren versammeln sich Menschen aus der Region, um für Frieden, Toleranz und Menschlichkeit zu beten. In diesem Jahr hatten sich gut 120 Teilnehmer quer durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten auf dem Marktplatz eingefunden, darunter auch viele Kinder.
Mit mahnenden Worten erinnerte Dekanatsjugendreferent Reiner Babucke an den 9. November 1938, als jüdische Gotteshäuser zerstört wurden und Menschen jüdischen Glaubens aus ihren Häusern gezerrt und verprügelt wurden. "Auch in Lichtenfels ließ man sich davon mitreißen", sagte Babucke. Am 9. November 1938 war klar, wer geprügelt wurde.
"Die Juden waren damals die Prügelknaben", erinnerte Pastoralreferent Thomas Reich.


Pantomimische Prügelszene

Im Schein eines starken Scheinwerfers stellten Lisa Marie Hassel (BDKJ) und Jenny Kuschnick (Evangelische Jugend) eine Prügelszene pantomimisch dar. Diese wie eingefroren wirkende Szene machte deutlich, dass beide nur eine Prügellänge voneinander entfernt waren, im Herzen aber meilenweit voneinander entfernt. Es brauche nur einen einzigen Schritt, um aufeinander zuzugehen, machte Dekanatsjugendpfarrer Helmuth Bautz deutlich. Einen einzigen Schritt, der genügen kann, um Fremdenhass, Vorurteile und Ungerechtigkeiten zu überwinden.
Dass sich aus vielen Prügeln auch Brücken bauen lassen für mehr Verständnis und gegenseitige Achtung, das demonstrierten Dekanatsjugendpfarrer Georg Birkel und Pastoralreferent Thomas Reich. Aus einer ganzen Reihe von Holz-Prügel entstand mit viel Geduld, Ausdauer und Geschick vor dem Rathaus eine Brücke. Die Botschaft dazu lautete: Es ist nicht leicht Brücken zu bauen, dafür braucht es auch Gottes Hilfe. Das Lied "Herr gib mir Mut zum Brücken bauen", drückte dies in Worten aus.
Veranstalter der "ökumenischen Andacht gegen das Vergessen" waren die Evangelische Dekanatsjugend, das Erzbischöflich Jugendamt, der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), und die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Lichtenfels. Mit einem Gebet, Segen und dem Lied "Hewenu shalom" endete das diesjährige Friedensgebet.
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