Die Entrüstung ist echt, die Ohnmacht ebenso. Mit 19:0 Stimmen erteilte der Marktgemeinderat der Bahn am Dienstagabend eine Absage. Die Bahn möchte, dass sich der Markt Ebensfeld mit 350 000 Euro an jenen Kosten beteiligt, die wegen des Baus der ICE-Trasse Ebensfeld-Erfurt wegen der Verlegung der gemeindlichen Ver- und Entsorgungsleitungen anfallen.
"Unmöglich! Unmöglich! Das können wir nicht tragen", kommentierte Bürgermeister Bernhard Storath (CSU) das Vorgehen der Bahn. Der Bürgermeister umriss die Auffassung der Gemeindeverwaltung folgendermaßen: "Der Bau der Ausbaustrecke/Neubaustrecke ist keine Änderung der bestehenden Betriebs- und Verkehrsanlagen oder sonstigen Anlagen, es ist vielmehr ein Hinzukommen einer komplett neuen Eisenbahntrasse zu vorhandenen Ver- und Entsorgungsleitungen, die im Bereich von Ebensfeld nur rein zufällig direkt neben der bestehenden Bahnanlage verlaufen. Die neue Trasse kann somit nicht von den bestehenden Gestattungsverträgen abgedeckt sein." Aus diesen Gründen sei die Kostenbeteiligung der Gemeinde an diesem Projekt abzulehnen, unterstrich Bernhard Storath. Die Gemeinde, die den Bau der ICE-Trasse stets abgelehnt habe, weigere sich, 350 000 Euro aufzubringen, um ein Projekt mitzutragen, von dem keiner ihrer Bürger etwas habe. Zwar werde er nicht so weit gehen und sagen "ein Dorf rebelliert", doch die von der Bahn vorgelegten Vereinbarungen werde er nicht unterschreiben. Die Bahn müsse die Gemeinde eben verklagen. Gerichtlich müsse geklärt werden, ob es sich im Fall der künftig vierspurigen Trasse durch Ebensfeld um einen Ausbau oder einen Neubau handelt und wer für die Kosten der Verlegung der Strom- und Wasserleitungen sowie der Kanalisation aufkommen muss.
Nach Auffassung der Gemeindeveraltung und ihres Juristen, fuhr der Bürgermeister fort, handle es sich im Falle des ICE-Streckenbaus in Ebensfeld um einen Präzedenzfall. Dass es in anderen Gemeinden - etwa in Zapfendorf und Breitengüßbach - noch nicht zu mehr Widerstand gekommen ist, sei darauf zurückzuführen, dass dort noch gar keine Planfeststellung vorhanden sei.
Auch in Bamberg regt sich inzwischen stärkerer Widerstand. In der Domstadt will Robert Bartsch die Arbeitsgruppe "Bahnsinn" ins Leben rufen, um die schlimmsten Folgen des ICE-Trassenbaus im Stadtgebiet und somit ein "Bamberg 21" zu verhindern.