"Fasst an!" Lena Kodisch gibt das Kommando. "Fertig", antworten ihre Kameradinnen der Reihe nach und heben den so genannten Schleifkorb an. Beim Kommando "Marsch" setzen sich alle vier Mädchen in Bewegung. Bei der Übung geht es darum, einen Verletzten mittels einer Seilbahn aus einer gefährlichen Situation zu retten. Eine Übung, die am Donnerstag beim THW-Ortsverband Bad Staffelstein im Rahmen des Girls' Day stattfand.

Der Girls' Day bietet Mädchen die Gelegenheit, eine Vielzahl von Berufen gezielt und praxisnah kennen zu lernen. Im Landkreis Lichtenfels öffneten gestern knapp 40 Betriebe und Institutionen ihre Türen für den weiblichen Nachwuchs. Das Spektrum reichte vom Handwerksbetrieb, über das Großunternehmen, bis hin zu Einrichtungen der Stadt Lichtenfels.

THW-Gruppenführer Daniel Schell und seine Kollegen Patrick Pelkner und Florian Reich haben sich extra einen Tag Urlaub genommen. "Die Frauenquote im THW ist niedrig", sagt Schell. Sie liegt bei rund 80 000 ehrenamtlichen THWlern im Bundesgebiet bei nur drei Prozent. Im Ortsverband Bad Staffelstein sind unter den 40 Aktiven drei Frauen.

Für Daniel Schell geht es darum, Berührungsängste abzubauen und Mädchen für die Tätigkeit im THW zu gewinnen. Allerdings unterscheiden sich die Geschlechter in der Motivation: Während bei Jungs die Begeisterung für Technik und das Interesse an großen Autos vorherrscht, sind Frauen und Mädchen mehr an der sozialen Komponente interessiert. "Mädels möchten Menschen in Notsituationen helfen, etwas Sinnvolles tun und sich für die Gemeinschaft engagieren", berichtet der Gruppenführer.

Erfahrungen und Fertigkeiten


Sieben Mädchen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren aus den Landkreisen Bamberg, Lichtenfels und Kulmbach haben sich im Gruppenraum des THW-Ortsverbandes eingefunden. Nach ihren Gründen dafür befragt, bestätigen die Mädels die Aussage Schells. "Außerdem ist ein Bekannter unserer Familie beim THW", gibt Larissa Brechtel aus Bad Staffelstein an.

Streng genommen, bietet das THW keine Berufsausbildung im herkömmlichen Sinn an. "Aber man kann durch die ehrenamtliche Tätigkeit viele Erfahrungen, Fertigkeiten und Qualifikationen für das Berufsleben und die persönliche Entwicklung mitnehmen", sagt Schell. Ähnlich sieht das Luisa Tröster vom Maria-Ward-Gymnasium in Bamberg: "Wenn etwas passiert, weiß man, was man machen muss", sagt die 15-Jährige. Anders als 2011 wollte sie den Girls' Day heuer nicht in einem Betrieb verbringen, sondern in einer Hilfsorganisation.