Schwürbitz
Infrastruktur

In Schwürbitz schließt ein Dorfladen die Lücke

In Schwürbitz kann wieder eingekauft werden. Möglich macht das der Laden von Manuela Kraft, die im Ort bereits wohl bekannt ist.
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Neues Spiel, neues Glück: Manuela Kraft hat in Schwürbitz einen neuen Dorfladen eröffnet. Foto: Jan Koch
Neues Spiel, neues Glück: Manuela Kraft hat in Schwürbitz einen neuen Dorfladen eröffnet. Foto: Jan Koch
Im Grunde macht Manuela Kraft das Gleiche wie noch vor einem Jahr, wenn sie die Lücken in den Regalen mit Waschmittel, Toilettenreiniger und Taschentüchern auffüllt. Dabei hat sich das Leben der zierlichen Frau mit den dunklen Locken radikal verändert: Bis März dieses Jahres war sie eine von deutschlandweit abertausenden Schlecker-Mitarbeiterinnen. 13 Jahre hat sie für das Unternehmen gearbeitet - die vergangenen fünf Jahre war die 45-Jährige Filialleiterin in Schwürbitz.

Was aus ihrem Arbeitsplatz geworden ist, ist inzwischen bekannt. Verstehen mag sie es trotzdem nicht: "Es war doch alles in Ordnung, wir hatten doch gute Umsätze", erzählt sie und ihr Gesicht verrät, dass ihr diese Zeit immer noch nahegeht. Worte dafür zu finden, fällt ihr schwer, sie versucht es trotzdem: "Ganz traurig, ganz schlimm." Zum 15. November des vergangenen Jahres musste sie die Filiale im beschaulichen Schwürbitz schließen. Ende März dann Gewissheit für sie selbst: Kündigung. Fristlos. "Ich warte noch immer auf meine Abfindung", sagt Manuela Kraft.

Tante-Emma-Laden auf kleinstem Raum


Untätiges Warten ist das Ihre jedoch nicht. Sie erinnert sich noch gut daran, wie die Kunden auf sie zukamen, als sie das Schild vor den Schwürbitzer Schlecker-Markt stellte, auf dem stand, dass es Anfang November mit dem Schlecker im Ort vorbei sein wird. ",Wir haben doch hier sonst nichts‘, haben sie mir damals gesagt." Genau daran erinnerte sie sich kurze Zeit später und hatte eine Idee: Ein Dorfladen in Schwürbitz - das sollte es sein. Der Bedarf, dachte sie sich, müsste da sein, und sie hätte wieder einen Job.

Doch so leicht war ihr Vorhaben nicht in die Tat umzusetzen. Zuerst wollte sie in den ehemaligen Schlecker-Räumlichkeiten einen Spar-Markt eröffnen. "Das Problem war nur, dass das unter 150 000 Euro Warenwert nicht geht", sagt sie. Außerdem seien ihr die Mietkosten zu hoch gewesen. "Ich kann ja nicht wissen, wie der Laden läuft und so hoch verschulden wollte ich mich dann auch nicht."

Ein Berater für Existenzgründungen zeigte ihr ein anderes Modell auf: Der Tante-Emma-Laden auf kleinstem Raum. Ein Konzept, das sich auch Manuela Kraft vorstellen konnte. Also machte sich die 45-Jährige an die Arbeit: Der Laden musste renoviert, Regale angeschafft und Bestellungen getätigt werden. Auch ein Gesundheitszeugnis für ihre Mitarbeiterin und sie musste her; "Da war eine Woche weg wie nix", sagt sie.

Hoffen auf die alten Kunden


Dass sie ihren eigenen Laden am 6. August trotzdem eröffnen konnte, ist ihrem jetzigen Vermieter zu verdanken, den sie noch aus Schlecker-Zeiten kennt. "Er war dort einer meiner Kunden", erzählt Kraft. Das Wichtigste seien jedoch die Schwürbitzer selbst gewesen: "Ich hab' es aus dem Grund gemacht, weil ich die Leute hier schon seit acht Jahren kenne", sagt sie - in der Hoffnung, die alten Kunden werden zu neuen.

Direkt gegenüber des ehemaligen Schleckers ist nun auf rund 40 Quadratmetern ihr Laden. Neben Taschentüchern und Spülmittel finden sich dort Schulhefte, Geschenkverpackungen, Batterien, Rasierer, Süßigkeiten und einiges mehr. Sie muss erst noch schauen, was die Schwürbitzer brauchen. "Ich betreibe hier einen Gemischtwarenladen. Es ist von allem ein bisschen was da", sagt sie. Das Katzenfutter, das Manuela Kraft anbietet, ist jedenfalls ihr erster Ladenhüter. Mindestens 20 Dosen Nassfutter warten im Eingangsbereich darauf, dass sie endlich jemand mitnimmt. Manuela Kraft glaubt inzwischen nicht mehr daran, dass sich das No-Name-Produkt noch verkauft. Sie sieht es als Erfahrungswert; Katzen seien eben wählerisch.

Kein Hackfleisch im Dorfladen


Im Gegensatz dazu könnte sie viele Tiefkühlwaren verkaufen. "Nach Spinat, Pizza, Pommes und Fischstäbchen wird oft gefragt", sagt sie. Auch auf Wurst und Käse sprechen sie ihre Kunden häufig an. Sobald die bestellte Kühltheke und Tiefkühltruhe im Schwürbitzer Dorfladen eintreffen, wird Manuela Kraft diese Lücke in ihrem Sortiment füllen. Was sich nicht in der Kühltheke finden wird, ist frisch geschlachtetes Hackfleisch. "Das hat vor Kurzem ein Kunde bei meiner Mitarbeiterin verlangt, aber ich werde hier nicht anfangen zu schlachten", fügt sie hinzu.

Seit vier Wochen ist Manuela Kraft ihr eigener Herr. Entspannt, das gibt sie unumwunden zu, ist sie trotzdem nicht. "Die letzte Woche lief nicht so gut", erzählt sie. Hitze, Urlaubszeit - ihr Berater ist der Ansicht, das sei ganz normal. Unwohl ist ihr dennoch damit. "Als ich noch angestellt war, habe ich gewusst, dass ich am Monatsende mein Geld kriege. Heute ist das anders, schließlich habe ich keine Gemeinde oder Genossenschaft im Hintergrund." Nichtsdestotrotz ist die 45-Jährige guter Dinge, dass ihr Plan aufgehen wird. Reich werden, das weiß sie, wird sie mit ihrem Laden aller Voraussicht nach nicht. Manuela Kraft wäre schon zufrieden, wenn sie von ihrem Laden leben kann und nicht wieder vor dem Aus steht - wie vor einem halben Jahr bei Schlecker.
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