Burgkunstadt
Literatur

In Burgkunstadt liebt Romeo nicht Julia, sondern Laura

Unter dem Motto "Eine Achterbahnfahrt durch die Liebe" präsentierten Gymnasiasten ihr durchaus individuelles Verständnis von Liebe und Literatur.
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Ein Hexenschuss im Hochgebirge ereilt den gealterten Romeo (Elias Popp, links), was für seine Julia (Daniela Kunstmann) eine echte Herausforderung darstellt. Nicht nur beim Improtheater (hier als Kasperltheater) unterhielten die Schüler des P-Seminars Deutsch der Q12 am Gymnasium Burgkunstadt ihr Publikum prächtig. Fotos: Christian Voll
Ein Hexenschuss im Hochgebirge ereilt den gealterten Romeo (Elias Popp, links), was für seine Julia (Daniela Kunstmann) eine echte Herausforderung darstellt. Nicht nur beim Improtheater (hier als Kasperltheater) unterhielten die Schüler des P-Seminars Deutsch der Q12 am Gymnasium Burgkunstadt ihr Publikum prächtig. Fotos: Christian Voll
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Es war erkennbar ein Projekt von Oberstufenschülern für ein interessiertes Publikum, dieser literarische Abend des P(=Projekt)-Seminars Deutsch der Q12 am Gymnasium Burgkunstadt.

Das hat man dann davon, wenn man die Schüler allzu unreglementiert auf die "große Literatur" loslässt - einen zauberhaften Abend nämlich. Wer hat eigentlich festgelegt, dass es in der Weltliteratur immer nur tiefschürfend und schwerblütig zugehen muss? Das gute Dutzend angehender Abiturienten stellte diesem Klischee seine spezielle, oft augenzwinkernd-ironische literarische Sicht auf die Liebesliteratur entgegen.
Das begann schon damit, dass sie Shakespeares "Romeo" und Schillers "Laura" - aus dem gleichnamigen Gedicht (Lena Weihermüller und Sarah Kraftzyk) im Nachgang eines Speeddatings sich kennen und lieben lernen ließen. Der leichtsinnige Verführer Major Crampas aus Fontanes "Effi Briest" (Dilara Schmidt) wie auch der unglückliche Werther (Julia Fischer), der liebestolle Faust (Fabian Westermeyer) und der verhetzte Woyzeck (Wjatscheslaw Halt) aus den gleichnamigen Oberstufenklassikern hatten da wenig Chancen.

Durch Raum und Zeit

Es folgte eine revueartige Lebens- und Liebesreise durch Raum und Zeit, durch Verliebtheit, Erotik, Krise und Versöhnung - stets garniert mit einer Mixtur aus selbst verfassten und hochliterarischen sowie aus sauber gelesenen beziehungsweise trefflich rezitierten Texten.
Und weil das romantische, aber profane Ende mit dem Tod des inzwischen gealterten Romeos (Elias Popp) und der noch immer hingebungsvoll liebenden Laura (Daniela Kunstmann) nicht dem erhofften Happy-End entspricht, regte sich lautstarker "Protest" bei einer Zuschauerin. Kurzerhand wurde so die Bühnenhandlung zurückgespult und mit einem Improvisationstheater zu einem guten Ende gebracht.

Hexenschuss im Hochgebirge

Köstlich, wie das Traumpaar dabei durch unterschiedliche Orte, Stimmungen und Genres jonglierte und diverse Szenen einer Ehe darstellte, etwa einen Hexenschuss im Hochgebirge als Kasperltheater oder ein Tankstellen-Malheur als Science-Fiction-Story.
So also kann freier Umgang mit Literatur auch funktionieren.
Am Ende gab es großen Applaus in der bestens gefüllten Aula für diesen ausgesprochen unterhaltsamen literarischen Abend. Und wer demnächst mal wieder einen Liebesbrief zu schreiben gedenkt - von diesen zwei literarischen Stunden konnte man sich durchaus inspirieren lassen.
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