Lichtenfels
Gesetz

Flexi-Rente in Lichtenfels: Im Ruhestand an Arbeit denken

Laut Statistik waren im Juni 2016 im Kreis Lichtenfels 27 668 Menschen beschäftigt - etwa 130 über 65-Jährige. Für sie soll die Arbeit attraktiver werden.
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Mit der Flexi-Rente sollen Rentner zum Weiterarbeiten motiviert werden.  Foto: Foto: Tim Brakemeier/dpa
Mit der Flexi-Rente sollen Rentner zum Weiterarbeiten motiviert werden. Foto: Foto: Tim Brakemeier/dpa
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Es wurde 2016 angekündigt, Juli 2017 tritt es in Kraft, in Lichtenfels interessiert es noch kaum einen: das Gesetz zur Flexi-Rente. Als flexibler Übergang in die Rente, soll es die Arbeit über die Regelaltersgrenze attraktiv machen - so zumindest ist der Plan der Bundesregierung. Doch laut Sozialverband VdK-Bayern in Lichtenfels ist die Nachfrage gleich Null. "Bisher hat keiner danach gefragt", bestätigt Kreisgeschäftsführer Peter Groh.

Ein Sprecher vom Landesverband formuliert es noch deutlicher: "Ein sehr mutiges Gesetz sieht der Sozialverband VdK in den bisher bekannt gewordenen Regelungen nicht", heißt es in einer Stellungnahme. Dabei sind viele Rentner und ältere Arbeitnehmer nicht abgeneigt, im hohen Alter zu arbeiten. Im Gegenteil: "Für mich käme so etwas in Frage, nur die Hinzuverdienstgrenze müsste passen", kritisiert Adelgunde Aumüller aus Michelau das Gesetz. Mit ihren 66 Jahren geht sie, obwohl sie bereits ihre Rente bezieht, einmal wöchentlich ihrer Arbeit als Buchhalterin nach. "Es macht Spaß, wenn man keinen Zwang mehr hat. Außerdem würde mir was fehlen."


130 Beschäftigte über 65 Jahre

So empfinden vermutlich auch 130 andere Menschen im Landkreis Lichtenfels, die laut Bundesagentur für Arbeit trotz dem Rentenalter von 65 Jahren beschäftigt sind. Zugegeben, hierbei handelt es sich nur um 0,4 Prozent aller Beschäftigten im Landkreis. Doch der Grund hierfür liege unter anderem an der Einstellung der Arbeitgeber, nicht an der der Arbeitnehmer, sagt Matthias Klar, Pressesprecher der Bundesagentur für Arbeit Bamberg-Coburg.

"Wir haben sogar ein Projekt, das Zukunftsprogramm Oberfranken. Darin kümmern wir uns speziell um Menschen ab einem Alter von 55 Jahren, die noch eine ganze Dekade Arbeitsleben vor sich haben." Denn die werden, erklärt der Pressesprecher, weniger gern eingestellt als junge Kollegen. Einmal arbeitslos, bestehen kaum Chancen auf eine Einstellung. "Ich hatte früher Tag für Tag mit Menschen zu tun, wo ich wusste, keiner nimmt die mehr. Ich hatte einen Kloß im Magen."


Ältere punkten mit der Erfahrung

Dabei können solche Leute meist vor allem in einem Bereich punkten: mit ihrer Erfahrung. "Ich hoffe, es geht bald in die Köpfe rein, was für ein Riesen-Potenzial an Menschen wir haben. Und der 55-Jährige ist körperlich nicht mehr zu vergleichen mit dem 55-Jährigen in den 1970er-Jahren."

Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass über 60-Jährige aus dem Landkreis vor allem in den Bereichen Post, Zustellung und Lagerwirtschaft sowie Büro und Sekretariat eingesetzt werden. Die geringe körperliche Belastung für den Arbeitnehmer spiele hierbei keine Rolle, versichert Klar. Vielmehr handele es sich um Arbeitsfelder, in denen im Landkreis die meisten Stellen angeboten werden. So sind von den 1769 über 60-jährigen Beschäftigten im Landkreis 154 im erstgenannten Arbeitsfeld und 149 im zweitgenannten tätig (Stand März 2016) - immerhin mehr als siebzehn Prozent aller Beschäftigten über 60 Jahre.
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