LKR Lichtenfels
Ablagerungen

Im Boden schlummern Altlasten

120 Flächen im Landkreis sind in einem speziellen Verzeichnis registriert, bei 14 von ihnen wird wegen Giftstoffen die Sanierung als dringlich angesehen.
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Parkähnliche Idylle in Bad Staffelstein "An der Schwedenleite". Doch ob das Gelände einer ehemaligen Mülldeponie einfach so belassen werden kann, steht noch nicht fest.  Foto: Popp
Parkähnliche Idylle in Bad Staffelstein "An der Schwedenleite". Doch ob das Gelände einer ehemaligen Mülldeponie einfach so belassen werden kann, steht noch nicht fest. Foto: Popp
Vor Jahrzehnten schon vergraben, aus den Augen, aber nicht aus dem Sinn: Müllablagerungen vergangener Jahrzehnte geben keine Ruhe, auch wenn längst Gras drüber gewachsen ist. Im Boden braut sich vielerorts etwas zusammen, Gifte belasten das Grundwasser. Fast jedes Dorf hatte bis in die 1970er Jahre seine eigene Hausmülldeponie. Nicht jede dieser Altablagerungen gilt heute als Altlast. Zunächst handelt es sich um Verdachtsflächen. Auch ehemalige gewerbliche Betriebsstätten können hierunter fallen. Durch historische Erkundungen, auch Befragen von Zeitzeugen, und in einem weiteren Schritt durch gezielte Untersuchungen wird ermittelt, was als Altlast zu definieren ist.

Im Landkreis Lichtenfels sind 120 Flächen in dem Altlasten-, Bodenschutz- und Deponie-Informationssystem (ABuDIS) erfasst. Das Landratsamt Lichtenfels weist aber darauf hin, dass dieses Kataster keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat. "Wir sind darauf angewiesen, was uns gemeldet wird", sagt Sachbearbeiterin Stefanie Herold. Falls Gemeinden einstige Ablagerungsorte vergessen oder bewusst verschwiegen haben, wurden sie wohl auch nicht erfasst. Genauso verhält es sich mit neueren Bodenbelastungen. Wenn auf einem Privatgrundstück Heizöl versickert, müsste das ebenfalls gemeldet werden - aber ob es immer geschieht? Ob ein Grundstück altlastenfrei ist mittlerweile eine Standardfrage bei Kauf oder Versteigerung, weiß Rainer Zimmer, Leiter des Umweltzentrums am Landratsamt. Eine Belastung wissentlich zu verschweigen, käme der arglistigen Täuschung gleich; unter solchen Bedingungen könnte man das Geschäft rückabwickeln. Vollkommene Sicherheit wird es aber kaum geben.

Die erfassten Flächen im Landkreis Lichtenfels sind in verschiedene Kategorien eingeteilt. 14 Flächen gelten als dringender Sanierungsfall: Priorität A. Sie befinden sich quer über den Landkreis verteilt, jeweils drei in Burgkunstadt, Redwitz und Lichtenfels, vier in Bad Staffelstein und eine in Ebensfeld. Nur drei davon befinden sich in öffentlicher Hand, neun sind in Privatbesitz und zwei teils, teils. Flächen gemeindlicher Altdeponien müssen nicht zwingend in Gemeindebesitz sein. Im Sanierungsfall ist aber das Verursacherprinzip vorrangig. Das Landratsamt merkt an, dass die Zahl der Flächen in Priorität A durchaus größer sein könnte, da auch die Regierung von Oberfranken zum Teil zuständige Behörde für die Abarbeitung von Altdeponien ist, diese Altlasten im eigenen System aber nicht abgerufen werden können.

Zehn Flächen im Landkreis werden derzeit der Priorität B zugeordnet. Sie müssen mittelfristig saniert werden. 80 Flächen werden auf lange Sicht als Sanierungsfall angesehen, für die restlichen 16 hat man keine Prioritätsstufe festgelegt.

Seit 28 Jahren gibt es die Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB), seit elf Jahren unterstützt sie Gemeinden bei der Sanierung ehemaliger Hausmülldeponien. Die Finanzierung wird aus einem Fonds unterstützt. Vier Förderprojekte aus dem hiesigen Landkreis laufen aktuell bei der GAB: Detailuntersuchungen zur ehemaligen Mülldeponie in Redwitz sowie am Anger in Burgkunstadt.


Entscheidung in diesem Frühjahr

Abgeschlossen ist die Untersuchung der Altlastenfläche "Unteranger" in Bad Staffelstein; weitere Schritte werden nun mit den Fachbehörden abgestimmt, wie Bauamtsleiter Michael Hess auf Nachfrage mitteilt. Wesentlich kleiner als der "Unteranger", aber in den vergangenen Jahren immer wieder im Fokus gewesen ist der Bereich "Schwedenleite" in Bad Staffelstein. Spielgeräte dort waren schon im Jahr 2008 als Vorsichtsmaßnahme abgebaut worden. 2015 verständigte man sich auf ein einjähriges Monitoring, um nach widersprüchlichen Einschätzungen Gewissheit über Grundwasserbelastungen aus der Altdeponie zu erhalten. Der Untersuchungszeitraum endet laut Hess im April. Dann soll entschieden werden, was zu tun ist.
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