Lichtenfels
Kfz-Zulassung

"IS - das sind meine Initialen"

Im Gegensatz zu Behörden in Schwaben und Hessen wird das Landratsamt Lichtenfels weiterhin Kennzeichen mit den Buchstaben IS ausgeben.
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Für Ingo Schramm ist seine Harley Davidson ein persönliches Identifikationsmerkmal. Dass diese das Kennzeichen STE-IS 1 mit seinen Initialen trägt, ist für ihn völlig normaler Teil seines Hobbys. An den "Islamischen Staat" hat er dabei noch nicht gedacht.  Foto: Andreas Schmitt
Für Ingo Schramm ist seine Harley Davidson ein persönliches Identifikationsmerkmal. Dass diese das Kennzeichen STE-IS 1 mit seinen Initialen trägt, ist für ihn völlig normaler Teil seines Hobbys. An den "Islamischen Staat" hat er dabei noch nicht gedacht. Foto: Andreas Schmitt
Für Ingo Schramm ist sein Motorrad etwas Besonderes. Er liebt es, vor seiner Garage in Unterzettlitz an der Harley Davidson herumzuschrauben, Dinge selbst um- und anzubauen. Und nach erfolgreicher Arbeit dann durch die Fränkische Schweiz zu touren. "Ein Motorrad ist ein persönliches Identifikationsmerkmal", sagt der 36-Jährige, für den sein Kennzeichen zu seiner Leidenschaft dazugehört.
"Gerade in ländlichen Gegenden erkennt man viele an ihren Initialen im Nummernschild", sagt der Familienvater. Seine Wunschkombination STE - IS 1 fährt er seit zwei Jahren, davor hatte er die Buchstaben "I" und "S" bereits rund fünf Jahre an seinem LIF-Kennzeichen. Er findet nicht, dass es dabei zu Verwechslungen mit Sympathisanten des "Islamischen Staats" kommen könne.
"Das ist mit keiner politischen Gesinnung verbunden. Das sind meine Initialen - schon immer", sagt Ingo Schramm.
Für ihn ist es ganz normal, seine Anfangsbuchstaben auch auf dem Nummernschild zu haben. Anderswo ist das aber nicht mehr möglich.


Augsburg stoppt IS-Vergabe

Seit April wird die Kombination IS von den schwäbischen Zulassungsstellen Augsburg und Aichach-Friedberg nicht mehr neu ausgegeben. Wer sie bereits hat, darf sie aber behalten. Ähnliches gilt im hessischen Kreis Marburg-Biedenkopf und bereits seit einem Jahr in Österreich.
Die Begründung: Man wolle - so zitiert die "Augsburger Allgemeine" den Leiter der Zulassungsstelle - mit dem Vergabestopp ausschließen, dass Sympathisanten ihre Wertschätzung für den IS ausdrückten. Auch solle vermieden werden, dass Autofahrer in falschen Verdacht geraten und etwa ein Wagen eines arabischstämmig aussehenden Fahrers zerkratzt werde, weil IS auf dessen Kennzeichen stehe.


Nazi-Symbolik ebenfalls verboten

Das grundlegende Verbot von Kennzeichen ist dabei nichts Neues. Bislang beziehen sich die Fälle aber ausschließlich auf Nazi-Symbolik. Nürnberg gibt etwa N-PD und N-SU nicht mehr aus. Und HJ, KZ, NS, SA und SS sind in ganz Deutschland durch eine offizielle Weisung des Verkehrsministeriums verboten.
Dies gilt natürlich auch im Landkreis Lichtenfels, wo bezüglich IS-Kennzeichen aber alles so bleibt wie es ist. Pressesprecher Andreas Grosch verweist gegenüber unserer Redaktion auf eine Stellungnahme der Obersten Baubehörde. Darin heißt es: "Es ist verboten, Kennzeichen des "Islamischen Staates" öffentlich zu benutzen. Das Verbot betrifft diverse Kennzeichen mit arabischer Schrift. Der Gebrauch der Abkürzung "IS" ist im Verbot nicht betroffen."
Auch vom bayerischen Innenministerium gebe es keine Anweisung, die Kombination zu sperren. Grosch: "Deshalb sieht das Landratsamt keine Veranlassung, dies zu tun."
Eine gute Nachricht für Ingo Schramm, den Harley-Fan aus Unterzettlitz: "Ich verstehe nicht, warum Behörden da so große Energie verschwenden. Es gibt wegen einem Kennzeichen keine Gefahr für die Bevölkerung", sagt er.
Wenn er das Kennzeichen irgendwann doch abgeben müsste und ihm dabei keine Kosten für eine Neuanmeldung entstünden, würde er "keinen Streit" anfangen. Sehr schade, sagt Ingo Schramm, fände er eine solche Entwicklung aber schon.


Kommentar 

Eine richtige Schnapsidee 

Der Vorstoß, IS-Kennzeichen nicht mehr auszugeben, ist eine richtige Schnapsidee. Zu realitätsfern sind die Probleme, die dadurch gelöst werden sollen. Mal ehrlich: Im Gegensatz zur Nazi-Symbolik, die aufgrund unserer Geschichte Gott sei Dank negative Assoziationen weckt, ist der Zusammenhang zwischen dem Kfz-Kennzeichen IS und dem "Islamischen Staat" schon arg konstruiert. Und schwach begründet: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Sympathisant durch das Kennzeichen "verrät", liegt wohl ebenso im Promillebereich wie die Tatsache, dass ein arabischstämmiger Halter mit IS-Nummernschild deswegen angegriffen wird.
Die Regelung betrifft also Einzelfälle, viele aber werden zu Betroffenen. All die Ines Schwarzmanns oder Ingolf Schusters, die bald 18 werden und sich auf ein Auto mit eigenem Kennzeichen freuen.
Verbietet man ihnen das, lässt man im Kleinen zu, wovor im Großen gewarnt wird. Dass die Islamisten eine Rolle in unserem Alltag spielen. Gut, dass das Landratsamt Lichtenfels da nicht mitmacht.

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