Kloster Banz
Konzert

Hanns-Seidel-Preistäger: von Sanifair-Toilette inspiriert

Die Nachwuchspreisträger sammeln Ideen für ihre Lieder an teils ungewöhnlichen Orten.
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Mit gefühlvollen Liedern überzeugten (v. l.) Irene Schindele, Sarah Straub und Inka Kuchler. Foto: Gerda Völk
Mit gefühlvollen Liedern überzeugten (v. l.) Irene Schindele, Sarah Straub und Inka Kuchler. Foto: Gerda Völk
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Das Konzert der Nachwuchspreisträger der Hanns-Seidel-Stiftung läutete am Donnerstagabend die fünfte Jahreszeit am Banzberg ein. Auch wenn die "Songs an einen Sommerabend" in dieser Form heuer zum letzten Mal stattfinden, "die Hanns-Seidel-Stiftung wird an der Nachwuchsförderung weiter festhalten", bringt es der Hauptgeschäftsführer der Stiftung, Peter Witterauf, auf den Punkt.
Die vier Preisträger überzeugen mit handgemachter Musik, die eigenwillig, selbstständig und vielschichtig von der Thematik her zu Gehör kam. Auch eine Prise Humor durfte nicht fehlen.
Diese Beschreibung trifft auch auf den ersten Nachwuchspreisträger zu. "Er ist ein Rebell, einer der etwas zu sagen hat": Mit diesen Worten kündigte Roland Leitner vom Sender Rai Bozen, der Moderator des Abends, den niederbayerischen Liedermacher Christoph Weiherer an.
Der "langhaarige Liederbombenleger", wie er auch genannt wird, gibt sich gesellschaftskritisch wie beispielsweise in seinem Liedtext "Ja, is des no mei Hoamat". Normalerweise tritt der "Weiherer", wie er sich selbst nennt, mit den Dobrindts auf. Pate stand der Politiker Alexander Dobrindt, der während seiner Zeit als CSU-Generalsekretär sagte, wer gegen Kernenergie und Stuttgart 21 demonstriert habe, brauche sich nicht zu wundern, wenn morgen ein Minarett in seinem Garten steht. "Seitdem warte ich auf mein Minarett", erklärt Weiherer seinem Publikum, dafür habe er extra einen Schrebergarten angemietet.
Wer kennt nicht die Situation, man kauft etwas ein und die freundliche Kassiererin fragt nach der Postleitzahl des Wohnorts. Der in München lebende Niederbayer gibt in diesen Fall grundsätzlich die Postleitzahl von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein an. Gleiches rät er den Banzer Publikum. "Dann wird Brunsbüttel mit Werbung zugeschissen und wir haben unsere Ruhe."


Den Omas gewidmet

Mit starken Stimmen, mitreißender Leidenschaft und unverbogener Authentizität überzeugen auch die drei nachfolgenden Künstlerinnen. Inka Kuchler und Irene Schindele bilden das Duo Vivid Curls, das von Sarah Straub am Klavier begleitet wird. Den drei Künstlerinnen gelingt es, in ihren Texten auf eine fast poetische Weise die Botschaft von einer glücklicheren und gerechteren Welt zu vermitteln. "Die Welt, die wir brauchen ist gerecht", heißt es in einem Liedtext. Der Song "All deine Engel" ist den Omas der Künstlerinnen gewidmet. Ein weiterer widmet sich jenen Leuten, die über viel Geld verfügen, es aber nur für Statussymbole ausgeben.
Das erste Lied der zierlichen Liedermacherin Sarah Lesch und des Musikers Bastian Bandt mit den Titel "Halbmond" ist unter dem Eindruck der Anschläge von Paris entstanden. Darin geht es um die Erkenntnis, dass es alles schon einmal gab, die Mauern, die Lügen, die Gründe. Sarah Lesch fängt die Flüchtigkeit des Moments ein. Eine Erzählerin, die sich selbst von einer Sanifair-Toilette inspirieren lässt. Manche ihrer Songs entstanden auf Reisen, geschrieben in ein schwarzes Notizbuch. Daraus zitiert die Liedermacherin eine Art Gedicht, das dann in einen Lied übergeht und von einer auseinanderbrechenden Liebe erzählt. Manchmal blitzt auch der Schalk durch, dann wenn es in einem Lied über die Gründe, weshalb ein Paar nicht zusammenpasst heißt: "Sorry, wir passen außer in der Mitte nicht zusammen."
Der vierte von der Hanns-Seidel-Stiftung als Nachwuchspreisträger ausgezeichnete Künstler ist Alex Diehl. "Nur ein Lied" heißt seine Antwort auf die Terroranschläge der jüngsten Vergangenheit und die Reaktion der Politiker. Über den Erfolg zeigt sich der 150 Kilogramm schwere Sänger heute noch überrascht. Das Lied hat er mit einem kleinen Handy-Video ins Internet gestellt. Anfangs wollte er es nicht so recht glauben, dass bereits am Tag danach sein Song von mehr als einer Million Menschen gesehen wurde. Der gewichtige Nachwuchspreisträger hat seinem Publikum einiges zu erzählen. Beispielsweise, dass jeder seiner Songs eine eigene Geschichte hat. Der Song "Silvester" ist seinem letzten Pianisten gewidmet. Am Ende lädt Alex Diehl das Publikum ein, mit ihm zu singen. Der Zeitpunkt, an dem der Saal endgültig zu beben beginnt.
Wer Alex Diehl vor der zauberhaften Kulisse von Kloster Banz hören möchte, hat dazu beim morgigen Abschluss-Fest Gelegenheit. Es beginnt um 16 Uhr, Einlass ist um 14 Uhr. Karten sind an der Tageskasse vor der Wiese in Kloster Banz ab 12 Uhr erhältlich.
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