Lichtenfels

Habemus Bratwurst!

Weißer Rauch steigt auf. Mit dem Sommer beginnt die Grillsaison. Beim Grillen geht's nicht nur ums Sattwerden - so eine Party hat auch eine soziale Komponente. Man trifft sich, isst und trinkt zusammen und frönt der heiteren Unterhaltung.
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So - oder so ähnlich - sieht es aus, wenn die Franken einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen im Sommer nachgehen, dem Grillen.  Foto: Ronald Rinklef
So - oder so ähnlich - sieht es aus, wenn die Franken einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen im Sommer nachgehen, dem Grillen. Foto: Ronald Rinklef
Grillen gehört zum Sommer. Genauso wie Sonnencreme, Bikini und Badehose. Grillen ist Kult. Und es hat Tradition. Schon unsere Vorfahren, Neandertaler und Homo sapiens, verzehrten lieber gegrillte Mammut-Schäuferla als rohe Bär-Ribs. Zu einer kultischen Handlung gehört nicht nur der kulinarische Genuss.

Klar: Das Speisen dient dem Zweck der Nahrungsaufnahme. Das ist in weiten Teilen Frankens noch immer so. Vermutlich trafen sich die Höhlenmenschen schon vor ihren hohlen Steinen und die Bandkeramiker in ihren Firstpfostenhäusern aber nicht nur zum gemeinsamen Mahl, sondern auch zu Tratsch und Klatsch. Was sie vor dem Mahl beteten, wissen wir nicht, sicher noch nicht "Komm Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast".

Ob es in der Stein-, Eisen- und Bronzezeit bereits Streit wegen Rauchgasbelästigungen in der Reihenhöhlensiedlung gegeben hat, ist uns ebenfalls unbekannt. Es ist aber anzunehmen, denn die menschliche Natur hat sich seither nicht sonderlich verändert. Allerdings sind keine Geschichten über Handgreiflichkeiten mit dem Faustkeil aus jenen Gründen überliefert.


Genuss - bis heute ein Fremdwort

Fraglich bleibt ferner, warum keine Epochen die Namen Feuerzeit, Fleischbrandzeit oder Gar fleischzeit erhalten haben. Vermutlich deshalb, weil früher schon die technischen Errungenschaften einen höheren Stellenwert besaßen als kulinarische Genüsse. Ein Rad aus Bronze galt unseren Vorfahren einst wohl ebenso viel wie uns heute eine Leichtmetallfelge mit Niederquerschnittsreifen. Hasenbraten oder Brathendl mussten vermutlich damals schon vor allem billig sein.

Hätte es vor 4000 Jahren bereits Supermarkt höhlenketten gegeben, so hätten Wilma und Fred Feuerstein ihr klobiges Auto sicher zum Großeinkauf bei "Höhleka" gelenkt.

Dem Säbelzahntiger sei Dank - wir leben im Heute und Jetzt. Der Gegenwartsfranke bevorzugt beim sommerlichen Zelebrieren des gemeinsamen Essens im Freien die Fleischprodukte. Die Bratwurst und das Steak sind Klassiker. Kulturgeschichtlich lässt sich leider nicht exakt ermitteln, wer der erste Franke war, der diesem Brauch frönte. Hartnäckig halten sich Gerüchte, es sei der letzte Meranier gewesen, der auf Burg Niesten zu qualmenden Grillpartys einlud, die dann in wüsten Gelagen im Rittersaal endeten. Aber wie gesagt: Etwas Genaues ist nicht schriftlich fixiert.

Wie uns die Metzger im Staffelsteiner Land unisono versichern, gebe es heute zahlreiche Grillspezialitäten. Neben Bratwürsten und Steaks - alle Fleischer haben welche im Sortiment - empfiehlt Metzgermeister Ulf Böhm von der Staffelsteiner Metzgerei Leicht auch Puten steaks und "Grill fackeln" - das ist dünnes Bauchfleisch auf Holzspießchen. In der Freizeit, sagt Böhm, gehöre das Grillen freilich nicht gerade zu seinen Passionen - das komme daher, dass er beruflich bei zahllosen Festen am Grill stehe.


Typische Bratwurst der Region

Reinhold Schütz aus Serkendorf empfiehlt die fränkische grobe Bratwurst. Die esse er selbst am liebsten. "Grillfackeln" gebe es auch bei ihm; die seien als Nachspeise sehr beliebt. Manche Kunden bestellten auch Roastbeef zum Grillen. Aber veganes Grillgut? Nein, das werde in seiner Metzgerei kaum geordert. "Das ist auf jeden Fall im Kommen", sagt er, "aber wir sind noch von der alten Truppe".

Er meint damit, dass es sich für kleinere Metzgereien (noch) nicht rentiert, vegane Grillspezialitäten ins Sortiment aufzunehmen: "Dafür sind wir zu klein, das lohnt sich nur für Unternehmen, die mehrere Filialen haben." Selbstverständlich grille er gern, antwortet Reinhold Schütz - für den Laden, aber auch für den eigenen Verzehr. Und wenn er unterwegs sei, probiere er gern die Bratwurst-Spezialitäten der Kollegen.


Gemüse-Spieße sind im Kommen

"Wir machen schon auf Wunsch Gemüse- und Gyros-Spieße", sagt Christine Schmitt von der Ebensfelder Metzgerei Dusold. Beliebter seien jedoch auch bei den Ebensfeldern die Bratwürste und Steaks. Verschiedene Gewürze und Marinaden sorgten für abwechslungsreichen Geschmack. Veganes Grillgut werde immer beliebter, sagt sie - und die Metzgerei Dusold sei nicht abgeneigt, den Kunden entsprechende Angebote zu machen. Im Cate ringbereich stelle sie schon jetzt fest, dass zum Beispiel für große Geburtstagsfeiern verstärkt eine fleischlose Komponente gewünscht werde. Gemüsespieße mit Zucchini, Tomaten, Paprika und Zwiebeln seien eine Variante: "Das essen dann oft auch gern die Nicht-Veganer."

Ute Strauß aus Eichelsee nennt zunächst die Spezialität ihres Hauses, die Wildschweinbratwürste. Die ließen sich vorzüglich grillen. Zudem emp fiehlt sie Röstzwiebelbratwürste - die Röstzwiebeln seien bereits im Brät mit drin. Gern genommen würden auch Halloumi-Spieße (darauf stecken mageres Fleisch und harter Grillkäse). Balkan-, Puten- und Gyros-Spieße ergänzten die Palette.


Lamm und Mais mit Marinade

Norbert Schnapp aus Bad Staffelstein bietet Knabberspieße vom Schwein, mariniertes Lammkotelett, Putensteaks sowie Roastbeef an. Doch auch Gemüsespieße, Grillkäse, marinierte Maiskolben und Grillgemüse seien in seinem Sortiment.

Dem Grillvergnügen auf öffentlichen Flächen stehe im Staffelsteiner Stadtgebiet eigentlich nichts entgegen, sagt Wolfgang Hörath von der Staffelsteiner Stadtverwaltung. "Eine Grillsatzung gibt es nicht." Natürlich seien die Bestimmungen der städtischen Sicherheitssatzung zu beachten. Dieses Paragraphenwerk untersagte unter anderem, im öffentlichen Raum Alkohol zu trinken. Zudem seien Verunreinigungen zu vermeiden, ebenso wie Lärmbelästigungen. Und Kinderspielplätze seien ebenfalls nicht die richtigen Orte für Grillpartys.

Doch auf diese Idee kommt der gemeine Franke wohl ohnehin nicht, dem sein Gottes-Garten heilig ist. Mit ein wenig Rücksicht - oder einer Einladung - klappt's auch mit dem Nachbarn.
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