Mainroth
Tierschutz

Gute Tierhaltung zahlt sich aus

Bei einem Gespräch des BBV im Stall von Günter Knorr in Mainroth wurde deutlich, wie sich die Nutztierhaltung weiter entwickelt hat.
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Der Bayerische Bauern-Verband hatte zu einem Stallgespräch auf dem Hof der Familie Knorr in Mainroth eingeladen. Foto: Gerda Völk
Der Bayerische Bauern-Verband hatte zu einem Stallgespräch auf dem Hof der Familie Knorr in Mainroth eingeladen. Foto: Gerda Völk
"Früher waren die Ställe so breit wie heute der Futtergang in einem modernen Stall ist", erklärt BBV-Kreisobmann, Michael Bienlein. Damals standen die Kühe, meist noch in Anbindehaltung, deutlich enger als heute zusammen. Die Ställe waren niedriger, was zu einer Belastung für Mensch und Tier führte. Im Stall von Günter Knorr in Mainroth ist der Futtergang rund fünf Meter breit. Zu beiden Seiten stehen die Tiere in einem sogenannten Laufstall. Das heißt, sie können sich frei bewegen, sowohl innerhalb des Stalls als auch im Außenbereich. Nicht nur die Katzen auf dem Bauernhof der Familie Knorr nutzten am Dienstag die milden Temperaturen und die ersten Sonnenstrahlen des Jahres für ein Bad in der Sonne, auch die Kühe zog es am Nachmittag ins Außengelände.
In einem modernen Stall hat ein Tier rund zwei- bis dreimal mehr Platz zur Verfügung als früher, erklärt Bienlein.
Neben mehr Platz bieten moderne Ställe auch mehr Licht und ein besseres Klima als in der vermeintlich "guten alten Zeit". Die Weiterentwicklung von Tierschutz und Tierwohl in der Nutztierhaltung dient letztlich auch den in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen. Tiere, die sich im Stall wohlfühlen, werden weniger krank, brauchen weniger Medikamente und bringen eine höhere Leistung. Letztlich zahlt sich das auch in barer Münze aus.
Bei Landwirt Günter Knorr bleiben die neugeborenen Kälbchen bis zu einer Woche beim Muttertier. Danach verbringen sie drei Wochen in Einzelhaltung. Während dieser Zeit kümmert sich Knorr intensiv um das Kälbchen. "Die ersten Wochen sind die schwierigsten", sagt er. Knorr zieht den Vergleich zu einem neugeborenen Baby, das in den ersten Lebenswochen auch einer erhöhten Aufmerksamkeit durch die Eltern bedarf. Im Anschluss wird das Kälbchen in Gruppenhaltung untergebracht.
So viel Fürsorge und Arbeit macht sich letztlich auch in der Milchleistung und in der Fleischqualität bemerkbar: "Eine Kuh, die sich wohlfühlt bringt auch mehr Leistung", gibt BBV-Kreisgeschäftsführer Hans Rebelein zu bedenken. Mit 7808 Liter Milch pro Kuh steht der Landkreis Lichtenfels oberfrankenweit an erster Stelle.

Stallneubau muss sich rechnen

Mit Kimberley und Carla stehen auch in Knorrs Laufstall zwei Tiere, die Spitzenleistungen erzielen. "Letztlich hängt das auch mit den Leistungen der Bäuerinnen und Bauern zusammen, die sich 365 Tage im Jahr um ihre Tiere und den Betrieb kümmern", gibt Kreisbäuerin Marion Warmuth zu bedenken.
Wenn Tierschutzorganisationen sich pauschal gegen eine größere Haltung von Tieren wenden, ärgert das die Landwirte schon, wie im Stallgespräch am Dienstag deutlich wird. Weniger Tiere in einem Stall bedeutet aber nicht automatisch mehr Tierwohl. Damit sich ein Stallneubau auch rechnet, brauche es eine bestimmte Größe. "Für drei Kühe einen solchen Stall hinzustellen, lohnt sich nicht", wirft Knorr ein. Auch die Landwirtschaft ist eine dynamische Branche, die sich ständig weiterentwickeln muss. Glaubte man in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts noch, ein Stall müsse niedrig und warm sein, so gehört diese Denkweise längst der Vergangenheit an. Ab den 80er und 90er Jahren lösten Boxenhaltung und Laufställe die engen Platzverhältnisse ab.
"Unseren Tieren muss es gut gehen, weil sie unsere Einnahmen sind", sagt Landwirtschaftsmeister Rudi Steuer aus Hainzendorf. Gleichzeitig hat auch das Enthornen an Bedeutung gewonnen. Die meisten Unfälle im Stall passieren durch Tiere mit Hörnern. Letztlich geht es um beides: um Tier- und um Menschenschutz. Und dies sei nur über einen Kompromiss erreichbar.
Ein Blick in die Statistik der letzten Jahre zeigt, dass die Milchviehbetriebe im Landkreis Lichtenfels kontinuierlich weniger werden, der Tierbestand sich aber beinahe die Waage hält. 2004 gab es landkreisweit noch 397 Milchviehbetriebe, bis zum Jahr 2012 sang ihre Zahl auf 249. Der Viehbestand ging von 3754 Tieren im Jahr 2005 auf 3621 im Jahr 2012 zurück.
Weitaus dramatischer fiel die Entwicklung bei den Zuchtsauen-Haltern aus: Im Gegensatz zu 2004, als es landkreisweit noch 82 Betriebe gab, sank die Zahl bis 2011 auf 34 Betriebe. Gleichzeitig halbierte sich der Bestand an Zuchtsauen.
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