Lichtenfels
Nominierung

Günter Dippold: ein Kandidat mit Format

Die Lichtenfelser CSU schickt den parteilosen Günter Dippold ins Rennen um das Bürgermeisteramt. Der macht in einer beeindruckenden Rede deutlich, dass er sich nicht verbiegen lassen will und mitunter auch unbequem sein wird.
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Emmi Zeulner lässt Blumen sprechen, rechts Stadtverbandsvorsitzender Christian Barth
Emmi Zeulner lässt Blumen sprechen, rechts Stadtverbandsvorsitzender Christian Barth
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Im Fachchinesisch der Aktienhändler gibt es den Begriff Stop-Loss. Er bezeichnet die Kursuntergrenze, bei der sich der Profi von seinen Papieren verabschiedet, um den Verlust nicht ausufern zu lassen. Auch Günter Dippold hatte am Donnerstagabend bei der Nomierungsveranstaltung der CSU seinen Stop-Loss. Wenn zehn Prozent der 70 Delegierten ihm nicht folgen würden, so sagt er während der Auszählung, würde er als Kandidat für das Rennen um den Rathaussessel nicht zur Verfügung stehen.
Und er schmiert den Delegierten im überfüllten Saal des Schützenhauses keineswegs Honig ums Maul: "Ich bitte Sie um ein deutliches Ja, um ein Ja, das Sie laut und mit frohem Herzen sagen. Wer das nicht kann, soll lieber klar Nein sagen. Ein halbherziges Ja bedeutet für mich so viel wie Nein." Diese Worte sind natürlich nicht ohne Risiko, schließlich hat Dippold nicht das Parteibuch der CSU, ebenso wie seine Vorgängerin, die, wie man so hört, so manchen Strauß mit "ihrer" Fraktion ausgefochten hat.
Diese deutliche Aufforderung an die Delegierten, nehmt mich so wie ich bin - mit allen Ecken und Kanten - oder lasst es bleiben, lässt auch Rückschlüsse auf den Charakter des Menschen Dippold zu. Er möchte klare Verhältnisse, und er sagt das offen und ehrlich: "Ich biete mich an, aber ich biedere mich nicht an." Schon gar nicht wie sauer Bier. Da lässt sich der 51-Jährige nach seiner fulminanten und blitzgescheiten Rede lieber ein Weizenbier schmecken. Schweißperlen glitzern auf seiner Stirn, als er sich in seinem Stuhl zurücklehnt. Er hat sich in 67 Minuten nicht als Person, sondern als gut vernetzte Persönlichkeit und als Kandidat mit Format vorgestellt. 38 Sekunden währt der Applaus, für Franken ist das eher viel.
Dippold wäre nicht er selbst, wenn er nicht mit einem Bonmot starten würde, das gleichzeitig aufzeigt, was ihm wirklich wichtig ist: Brücken zu schlagen von der Vergangenheit zur Gegenwart. Die Lichtenfelser Scharfschützen, so erzählt er launig, hätten vor gut 200 Jahren das Schützenfest ins Leben gerufen, das Lichtenfels weithin berühmt machte in Oberfranken. Ein Bamberger schrieb unter dem Eindruck des Schützenfestes über Lichtenfels, "dass es sich bald zum Nebenbuhler Bambergs erheben wird". Und jetzt zieht der promovierte Historiker den Bogen zum Hier und Jetzt: "Und genau dahin müssen wir zurück!"
Am liebsten möchte er den Lichtenfelsern Selbstbewusstsein einimpfen, sie sollen die Stärken ihrer Stadt und des Umlandes (Staffelberg, Vierzehnheiligen, Banz, Korbmuseum, Obermain-Therme) herausstellen und an den Schwächen arbeiten - zusammen mit Bürgermeister und einer effektiven Verwaltung. Und immer wieder will er Mut machen: "Wir brauchen uns nicht im Mausloch zu verstecken." Im gleichen Atemzug geißelt er Nörgler und Besserwisser, die Lichtenfels totreden wollten. Und er verweist auf die Positiv-Beispiele, gründend auf der Willens- und Schaffenskraft eines zupackenden bürgerlichen Engagements: Flackerfest in Mistelfeld, Pflanzkerwa in Buch am Forst, Schubkarrenrennen in Trieb oder eben die Schützen, die ihr Heim gebaut, erweitert und erneuert sowie eine moderne Sportanlage geschaffen hätten, ohne zu jammern und zu fordern.
Vollmundige Versprechungen kommen an diesem Abend nicht aus dem Mund des Bewerbers. Als Bezirksheimatpfleger hat er gelernt, pragmatisch zu sein, zu beurteilen, was funktioniert und was nicht.
Er sieht die Herausforderungen, vor denen die Stadt steht, und verklärt sie nicht: Das Klinikum werde die städtischen Kassen über die Kreisumlage heftig belasten. Geld, das für Projekte fehlen werde. Der demographische Wandel habe Lichtenfels längst erfasst, den Bevölkerungsstand auch nur zu halten, werde viel Mühe kosten. "Dann müssen wir um Zuwanderung werben, ja darum ringen." Das Eingebundensein ins Fernbahnnetz werde 2017 (ICE-Neubaustrecke) vorbei sein.
Ach ja: Von den 70 Delegierten enthalten sich drei der Stimme. Nur drei. Günter Dippold nimmt die Wahl an. "Nicht so wie bei den Nicknegern in der DDR. Ein ehrliches Ergebnis, passt", kommentiert er. Sein Kurs ist im Steigen.


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