Michelau

Glaubensbekenntnisse im Dekanat Michelau wechselten mehrfach

Erst katholisch, dann evangelisch, dann wieder katholisch und dann teilweise wieder evangelisch wurden Jahrhunderte lang die Pfarreien im Dekanat Michelau.
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Evangelische Christen trinken beim Abendmahl alle aus demselben Kelch. Sie empfangen mit Brot und Wein das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Katholische Gläubige emfangen ausschließlich die Hostie. Foto: Archiv
Evangelische Christen trinken beim Abendmahl alle aus demselben Kelch. Sie empfangen mit Brot und Wein das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Katholische Gläubige emfangen ausschließlich die Hostie. Foto: Archiv
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Eine fröhliche Luther-Party für Kinder feiert man in Altenkunstadt und beim zentralen Festgottesdienst in der Johanneskirche in Michelau wird eine Delegation aus dem Partnerdekanat in Tansania zu Gast sein. Mit Veranstaltungen für Groß und Klein begehen die evangelischen Christen im Dekanat Michelau am Montag, 31. Oktober, das Reformationsfest, den "Geburtstag" der evangelischen Kirche. Am gleichen Tag beginnt das Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation".

Der Gedenktag erinnert an den Mönch und Theologieprofessor Dr. Martin Luther, der 95 in lateinischer Sprache verfasste Thesen zu Ablass und Buße am 31. Oktober 1517 an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen und damit die Reformation der Kirche eingeleitet hat. Auch das Gebiet des heutigen, 1807 gebildeten evangelischen Dekanatsbezirks Michelau, das mit einer Fläche von fast 600 Quadratkilometern gleich vier Landkreise berührt, wurde von Luthers Lehre erfasst.



Cuius regio eius religio

Allerdings bedeutete das noch lange nicht, dass die Reformation auch wirklich eingeführt wurde. Darüber hatten letztlich die Landesherren zu entscheiden. Die Härten der Gegenreformation bekamen vor allem die zu den Bistümern Bamberg und Würzburg gehörenden Gemeinden zu spüren. Überall durchsetzen konnten sich die Luther-Gegner aber auch nicht.

Deutlich wird das am Beispiel der Pfarrei Marktgraitz, zu der unter anderem die Gemeinden Schwürbitz und Michelau gehörten. Während Marktgraitz und Schwürbitz völlig rekatholisiert wurden, blieb die Bevölkerung Michelaus evangelisch. Auch in Lichtenfels hatte die Reformation Fuß gefasst. Der am 26. Dezember 1490 in der Korbstadt geborene Franziskanermönch Friedrich Myconius, nach dem das 1982 eingeweihte Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde benannt ist, war sogar einer der treuesten und verlässlichsten Mitarbeiter Martin Luthers.

Er leitete 1524 in Gotha die Reformation ein und gilt in der Kirchengeschichte als der eigentliche Reformator Thüringens. Jahrzehntelang gingen am Obermain die Glaubenskämpfe hin und her.

Um die Wende des 16./17. Jahrhunderts erreichten die Auseinandersetzungen eine derartige Härte, dass sie schließlich in den Dreißigjährigen Krieg mündeten. Wie im übrigen Deutschland wurden auch im Maintal die evangelischen Pfarrer vertrieben und die Pfarreien wieder katholisch besetzt. Hätte damals der schwedische König Gustav Adolf in Deutschland nicht helfend eingegriffen, wäre es um den Fortbestand der evangelischen Glaubenslehre wohl geschehen gewesen.


Hort der Reformation

Besonders hart traf der Glaubenskrieg die kleine Ortschaft Strössendorf, die als "Hort der Reformation" in die Geschichte eingegangen ist. 1629 wurde den Protestanten dort ihr Gotteshaus, das sie von 1616 bis 1623 von einer kleinen Kapelle zu einer Kirche umgebaut hatten, von den Gegenreformatoren gewaltsam weggenommen. Sieben Jahre später widerfuhr dem Sakralbau eine völlige Demontage.

Alles, was zur Abhaltung von Gottesdiensten benötigt wurde, schleppten die Weismainer davon. Sogar die neuen Glocken holten die Jurastädter vom Turm. Nach 1648 begann dann der langsame Wiederaufbau der evangelischen Gemeinde und die Wiederinstandsetzung der Kirche. Besonders verdient gemacht hat sich in diesem Zusammenhang ein Ministerialer namens Caspar Philipp Pfannenstiel. Er war oft im Strössendorfer Schloss zu Gast und mit der protestantischen Gemeinde eng verbunden. Pfannenstiel stiftete 1696 für die Kirche einen Taufstein in Form eines knienden Engels, der das Taufbecken hält.

Der kunstvolle Taufengel ziert noch heute den Altarraum des Gotteshauses. Aus dem Jahr 1728 stammt die ebenfalls von Pfannenstiel gestiftete zinnerne Taufschale. Mit beträchtlichen Geldbeträgen ermöglichte der Ministeriale die komplette Neueinrichtung der Kirche, den Bau einer Sakristei und die Instandsetzung des Pfarrhauses.


Alles katholisch besetzt

Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs waren alle Pfarreien im Bereich des heutigen Dekanats Michelau mit katholischen Geistlichen besetzt oder wurden von Seelsorgern benachbarter Gemeinden verwaltet. Evangelische Gottesdienste fanden überhaupt keine mehr statt. Aufgrund der Bestimmungen des Westfälischen Friedens musste nun aber der konfessionelle Zustand des "Normaljahrs" 1624 wiederhergestellt werden. Das bedeutete, dass in allen Gemeinden, die 1624 evangelisch waren, die katholischen Pfarrer durch protestantische Geistliche abgelöst werden mussten. Auf diese Weise wurden die Pfarreien Buch am Forst, Gemünda, Gleußen, Herreth, Lahm, Mitwitz, Obristfeld, Schney, Schottenstein, Strössendorf und Tambach wieder mit evangelischen Seelsorgern besetzt und in ihren Kirchen konnte wieder evangelischer Gottesdienst gefeiert werden. Auch in der Redwitzer Schlosskapelle durften sich wieder protestantische Christen zum Gebet versammeln.
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