Altenkunstadt
Mobilfunk

Gemeinde will um jeden Meter kämpfen

Altenkunstadts Bürgermeister Hümmer verspricht der Bürgerinitiative einen möglichst großen Abstand zur Wohnbebauung.
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Hans-Joachim Hornung (stehend) bekannte öffentlich, an Krebs erkrankt zu sein. Er lebte jahrelang in unmittelbarer Nähe zu einem Mobilfunkmast. Er plädierte für einen Abstand von 1000 Metern. Mit auf dem Bild (von links) Bürgermeister Robert Hümmer sowie Gemeinderat Thorsten Schmidtke  Foto: Stephan Stöckel#
Hans-Joachim Hornung (stehend) bekannte öffentlich, an Krebs erkrankt zu sein. Er lebte jahrelang in unmittelbarer Nähe zu einem Mobilfunkmast. Er plädierte für einen Abstand von 1000 Metern. Mit auf dem Bild (von links) Bürgermeister Robert Hümmer sowie Gemeinderat Thorsten Schmidtke Foto: Stephan Stöckel#
Der Altenkunstadter Gemeindeberg "Külmitz" ist der richtige Standort für den Altenkunstadter Mobilfunkmast. Darüber sind sich Gemeinde und Bürgerinitiative (BI) Mobilfunkstandort Altenkunstadt, die seit zwei Jahren existiert, einig.

Bei der Entfernung zur Wohnbebauung hingegen scheiden sich die Geister. Das wurde bei einer Informationsveranstaltung der BI am Donnerstagabend im Gasthof "Preußla" deutlich: Während Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) aus seinem Herzen keine Mördergrube machte ("Die Entfernung sagt nichts über die Strahlung aus"), sprach eine Bürgerin, die ungenannt bleiben wollte, vielen aus der Seele, als sie - von Beifall begleitet-, feststellte: "1000 Meter würden mich eher beglücken als die 300, die im Dialogverfahren bislang vorgesehen sind".

Am Ende konnte sich auch der Bürgermeister über Beifall freuen, als er den Bürgern versprach: "Die Gemeinde wird im
Dialogverfahren mit den Mobilfunkanbietern um jeden Meter kämpfen. Wenn wir es nicht schaffen, dann werden wir vor Gericht gehen. Eine andere Möglichkeit haben wir nicht."

Hümmer warnte allerdings davor, eine Krücke zu produzieren. Damit sei keinem gedient. "Der Mast muss funktionieren, andernfalls kommt eine Lösung, die uns vielleicht überhaupt nicht schmeckt", argumentierte der Redner. Der Bürgermeister gab mit Blick auf die 300-Meter-Variante zu bedenken, dass die Strahlen zunächst auf Gewerbeflächen träfen und erst dann auf Wohnbebauung. Zudem bezweifelte er, dass sich das Wohngebiet "Hühnerberg", im 300-Meter-Radius befinde.


Angst vor Krebserkrankungen

Während sich Hümmer ("Damit es gut funktioniert") einen Standort auf der Hangkante des Külmitz, 300 Meter entfernt vom Ort, durchaus vorstellen kann, steht für Dietmar Schuberth, den Sprecher der BI, unumstößlich fest: "Das im Immissionsgutachten untersuchte Areal zwischen Steinbühl und Külmitzbergspitze ist nicht nur als alleiniger Mobilfunkstandort zu verhandeln, sondern auch im Flächennutzungsplan festzulegen. Der Standort, 1000 Meter entfernt vom nächsten Gebäude, ist technisch möglich und bietet ausreichend Empfang und Schutz vor elektromagnetischer Strahlung durch niedrige Strahlungswerte."

Auf die gesundheitlichen Gefahren wies der andere Sprecher der BI, Gerhard Stark, hin: "Bei einem Abstand von 300 Metern ist die Gefahr, an Krebs zu erkranken dreieinhalb Mal so groß wie bei einem Abstand von 1000 Metern."

Der Bürgermeister war auch Überbringer guter Nachrichten: Der geplante Mobilfunkmast in Baiersdorf sei endgültig vom Tisch. Zudem habe er gestern erfahren, dass der Mobilfunkbetreiber Telefonica seine Mobilfunksendeanlagen auf dem Firmengelände der Bergischen Metallwarenfabrik (BMF) abbauen und in Burgkunstadt auf dem Mast bei der BAUR Sporthalle installieren werde.


So weit wie möglich nach hinten

Ins gleiche Horn wie die BI blies auch Gemeinderat Karlheinz Hofmann (SPD): Der Mast müsse so weit wie möglich nach hinten verschoben werden. Der Lichtenfelser Kreis- und Gemeinderat Bernhard Christoph ermunterte die BI sowie den Gemeinderat, einen Kompromiss von mindestens 500 Metern zu erzielen.

Immer wieder war davon die Rede, dass Mobilfunkstrahlen Krebs auslösen können. Mit Hans-Joachim Hornung meldete sich ein Altenkunstadter Neubürger zu Wort, der an Krebs erkrankt ist. "Ich wohnte jahrelang rund 50 Meter neben einem Mobilfunkmast. Im vergangenen Jahr erhielt ich die Diagnose Krebs. Daraufhin entschloss ich mich, mich nicht weiter einem möglichen Risiko auszusetzen und zog von Kulmbach nach Altenkunstadt."
Auch Hornung befürwortet einen Abstand von 1000 Metern zur Wohnbebauung. "Das ist technisch machbar", meinte er. Die Betreiber würden die 300-Meter-Variante favorisieren, um Kosten einzusparen. Skeptisch zeigte er sich, was den möglichen Ausgang eines Prozesses anbelange: "Die Betreiber werden gewinnen, weil sie die besseren Rechtsanwälte haben."


Betretenes Schweigen

Gerd Wunner aus dem Altenkunstadter Ortsteil Baiersdorf war bei Recherchen in einer Datenbank im Internet auf einen Mobilfunkstandort bei der Marktzeulner Pfarrkirche gestoßen. Vor Ort konnte er keinen Masten entdecken. Seine Vermutung: Er befindet sich im Kirchturm. "Aus sicherer Quelle weiß ich, dass sich in einem Marktzeulner Neubaugebiet 300 Meter entfernt vom Kirchturm die Krebsfälle häufen. "Wollen wir in Altenkunstadt dasselbe Schicksal erleiden?", fragte er in die Runde und erntete betretenes Schweigen.

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