Bei einem Spaziergang wurde kürzlich die Flur um Anger bei Obersdorf im Rahmen der Aktion Bayern Tour-Natur besichtigt. Trotz widrigen Wetters beteiligten etliche Personen an der Führung mit Josef Schröder und Andreas Herold aus Anger.

Auf einem etwa 2,5 Kilometer an langen Rundweg wurden die wichtigsten Landschaftselemente wie Streuobstwiesen, Hecken, Feldraine und ein Auenwald erklärt. Besonders den Unterschied zwischen intensiver und extensiver Bewirtschaftung machten die beiden Exkursionsleiter deutlich. Außerdem wurden historische Gegebenheiten wie der Dorfbrunnen erläutert.

Höhepunkt der Exkursion war der Besuch bei Andreas Herold in Anger, der 25 Milchschafe hält und Schafskäse herstellt. "Seit 17 Jahren habe ich die Schafzucht zu meinem Hobby gemacht und dabei eine echte Marktlücke entdeckt." Die Schafsmilch werde hauptsächlich zu Käse verarbeitet. Die Schafe geben im Mai, wenn besonders viel frisches Gras wächst, maximal 2,5 Liter am Tag. Dann sinkt die Milchleistung langsam, bis sie vor der Geburt der Lämmer in den Wintermonaten ganz zum Stillstand kommt. Aus der Milch wird ein hervorragender Käse gemacht, den die Teilnehmer probieren durften. Herold betonte, dass die Schafzucht ein wunderbares Hobby sei.

Beeindruckend waren auch die Streuobstwiesen von Andreas Herold mit 200 Bäumen. "Vor 20 Jahren habe ich mit dem Pflanzen von Obstgehölzen angefangen. Auch ausgefallene Obstarten und Heckenzüge wurden nach und nach eingesetzt", sagte Herold. Mit Begeisterung setzt sich der Hobbyschäfer, der seinen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb bewirtschaftet, für kleinere Strukturen und eine vielfältige Kulturlandschaft ein. Inzwischen ist ein ganzes Gebiet um Obersdorf und Anger mit Bäumen und Hecken hervorragend vernetzt und somit sehr wertvoll für den Naturschutz geworden. Beweidet werden die Streuobstwiesen von den Milchschafen.

Josef Schröder lobte den Einsatz von Andreas Herold und bezeichnete ihn als einen großen Idealisten. Im Halbkreis um die Ortschaft in Richtung Osten zur kahlen Feldflur habe er mit seinen Obstbäumen einen Grüngürtel geschaffen, der schon Wirkung zeige. Sogar Kopfweiden habe Herold angepflanzt. Außerdem seien von ihm Feuchtgebiete angelegt worden. Schröder bemerkte: "Wenn jeder auch nur eine Kleinigkeit von dem leisten würde, was ich bei der Familie Herold erlebt habe, wäre es um unsere Umwelt anders bestellt. Es ist erstaunlich, dass in einer Zeit, die nur von augenblicklicher, meist kurzsichtiger Gewinnmaximierung bestimmt ist, sich jemand mit solcher Begeisterung für kleinere Strukturen und eine vielfältige Landschaft einsetzt". Damit werde nachhaltig gewirtschaftet. Vielen seltenen Pflanzen und Lebewesen hätten wieder eine Chance zum Überleben, so Schröder.

Durch einen Hohlweg ging es hinauf in die Flur. Eine Besonderheit der Umgebung von Obersdorf und Anger sind die vielen Kopfeichen an den Wegrändern. Dazu erzählte Andreas Herold, dass es sich dabei um Grenzbäume handelt. Diese seien schon einige 100 Jahre alt. Er erinnerte daran, dass aus den hohlen Eichen früher die "Stockerde" zum Düngen von Blumen genommen wurde.

Bei der Exkursion die Anwesenheit von Andreas Herold aus Anger Jupp Schröder eine sehr große Hilfe. Dieser konnte den Teilnehmern vor Allem bewusst machen, wie sich die Feldfluren in den letzten Jahrzehnten durch die Schaffung immer größerer landwirtschaftlicher Produktionsflächen, Monokulturen und die Wegnahme von Kleinstrukturen verändert hat. Dies habe, so Herold, zu einer starken Verringerung der Artenvielfalt geführt.
Begeistert waren die Exkursionsteilnehmer auch von den vielen Beobachtungen am Wegesrand. Josef Schröder wurde ständig umlagert und mit Fragen bedacht. Die Teilnehmer spürten den gravierenden Unterschied zwischen extensiver und intensiver Landwirtschaft. Alle Teilnehmer waren von der Wanderung begeistert und wünschten sich, noch andere interessante Fluren ihrer Heimat auf diese Weise kennen zu lernen.

Von Christa Schröder