Weismain
Buchneuerscheinung

Gebete gingen um den Globus

Gisela Laske aus Weismain hat Ende der 1990er Jahre ein Friedensgebet verfasst. Nun ist es ihr gelungen, 43 Übersetzungen davon zusammenzufügen.
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Gisela Laske freut sich darüber, das Buch, das aus ihren "Zehn Gebeten" entstanden ist, endlich in Händen halten zu können. Foto: Popp
Gisela Laske freut sich darüber, das Buch, das aus ihren "Zehn Gebeten" entstanden ist, endlich in Händen halten zu können. Foto: Popp
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Das Friedensgebet hängt als gerahmtes Bild in Gisela Laskes Zuhause an der Wand. Und nicht nur dort. Die zehn Strophen, die die Weismainerin Ende der 1990er-Jahre zu Papier gebracht hatte, finden sich inzwischen in vielen kirchlichen Gemeinderäumen über den Landkreis verteilt. Sie hat sie verschenkt, einfach mitgebracht, wenn sie aus ihrem Geschichtenfundus irgendwo vorlas. Dem Schreiben widmet sich Gisela Laske schon seit vielen Jahren; Heiteres und auch nachdenklich Stimmendes hat sie in kurzen Episoden verfasst. Im Eigenverlag waren mehrere Büchlein entstanden. Die Vorträge daraus standen im Mittelpunkt manch unterhaltsamer Stunde, an deren Ende die Autorin gerne jenes Friedensgebet setzte. Es besteht aus zehn Strophen, die für sich stehen können, also zehn Gebete. Bis heute haben diese nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. "Eigentlich beinhalten die Verse alle Sorgen und Nöte von Menschen auf der ganzen Welt", findet Gisela Laske. Nachdenklich merkt sie an, heute würde sie ergänzend den vielen Flüchtlingen ("und dass sie keiner haben will") eine Strophe widmen.
Gisela Laske verlor im Krieg ihren Vater und ihr Heim in Berlin. In Baiersdorf, bei Verwandten, begann die Familie mit Nichts einen Neuanfang.

Das Friedensgebet entstand Jahrzehnte später an einem Nachmittag am Esszimmertisch. Es ging ganz schnell, "als hätte mir jemand von oben alles eingegeben", erinnert sie sich. Die Idee zu den Übersetzungen kam ihr, als der frühere evangelische Pfarrer von Buchau, Wolfgang Heidenreich, in einer Predigt von der erstaunlichen Übersetzungsarbeit an einem einzigen Bibelspruch erzählte, woraus ein Buch entstanden sei. "Da hab' ich bei mir gedacht, das müsste ich auch versuchen!"


Erste Anlaufstelle: der Zahnarzt

Der Zahnarzt im Ort - aus Kroatien stammend - war der erste, den sie ansprach. Der Bitte nach einer Übersetzung in seine Muttersprache kam er gern nach. Die nächsten Anläufe gestalteten sich schwieriger - weil viele Angesprochene mit Wurzeln in einem anderen Land zwar gut Deutsch konnten, sich eine druckreife Übersetzungsarbeit aber nicht zutrauten. So kam es zur Weitergabe an diesen oder jenen Bekannten oder Verwandten, zu Vernetzungen rund um den Globus. Viele Beteiligte kannte Gisela Laske überhaupt nicht, und diese wiederum wussten oft nicht, für wen sie eigentlich stundenlang am Computer saßen. Jede Übersetzung hat ihre eigene, manchmal kuriose Entstehungsgeschichte. Der junge Koch aus Slowenien, an den die Autorin ein Zimmer in ihrem Haus vermietete, hatte genauso seinen Anteil an dem nun erschienenen Buch wie der Bischof aus dem Kongo, den sie bei einem Seniorennachmittag traf.


Viele Helfer

Der Kontakt zum Verlag Kern in Ilmenau kam über eine Bekannte zustanden, nachdem es zuvor nur Absagen gegeben hatte. Alle hätten geantwortet, so eine Idee passe nicht ihr Programm, berichtet die inzwischen 79-Jährige. Auch der Verlag in Ilmenau hatte noch nichts Vergleichbares gemacht. Aber dessen Leiterin fand das Projekt interessant und zeigte sich beeindruckt von der Initiative der Frau aus Weismain. "Gisela Laske hat ihre ganz bescheidenen Möglichkeiten eingesetzt, um für Frieden zu werben", so Ines Rein-Brandenburg vom Verlag Kern. Man kam überein, das Vorhaben mit einer finanziellen Beteiligung der Autorin anzugehen. Der Verlag zeichnete schließlich auch für die Bebilderung und grafische Gestaltung verantwortlich. Sogar eine auf besonderem Papier geprägte Version in Blindenschrift ist enthalten. Beinahe hätte es noch einen Rückschlag gegeben, weil die Weismainerin nicht bedacht hatte, dass vor einer Veröffentlichung die Einwilligung des jeweiligen Übersetzers festgehalten sein muss. Da sich das Zusammentragen über Jahre hingezogen hatte, waren manche nicht mehr auffindbar oder gar verstorben. Letztlich ließ sich aber das Nötige noch regeln. Die Auflage ist klein, 500 Exemplare. Aber, versichert die Verlagsleitung, es könne bei entsprechendem Interesse nachgelegt werden.


Neue Idee

Die Autorin bemüht sich derweil bereits um ein neues Projekt. Ein buntes Kinderbuch soll es werden , mit Tieren, die auf einer Wiese leben, als Hauptakteure. Wie für die 43 Übersetzungen ihres Friedensgebetes wird es auch bei diesem Vorhaben nicht ohne Unterstützung gehen, weiß Gisela Laske - vor allem für die Illustrationen.

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