Lichtenfels
Bildungsreform

G9-Reform: Gymnasien im Kreis Lichtenfels sind gerüstet

Die Gymnasien im Landkreis stehen durch die Rückkehr zum G9 wieder vor großen Veränderungen. Ein großes Problem wird durch die Umstellung aber gelöst.
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Das G8 in Bayern ist bald Geschichte. Im neuen Bildungspaket hat das Kultusministerium den bayerischen Gymnasien auch 1000 neue Stellen versprochen. Foto: Armin Weigel, dpa
Das G8 in Bayern ist bald Geschichte. Im neuen Bildungspaket hat das Kultusministerium den bayerischen Gymnasien auch 1000 neue Stellen versprochen. Foto: Armin Weigel, dpa
Anfang April atmeten viele Schüler, Eltern und Lehrer an den bayerischen Gymnasien auf: Das umstrittene G8 soll nach 15 Jahren abgeschafft werden. Drei Wochen später brachte das bayerische Kabinett den entsprechenden Gesetzesentwurf zur Reform des Gymnasiums auf den Weg. Für die betroffenen Schulen im Landkreis Lichtenfels wird es also Zeit, sich auf die neuen Begebenheiten einzustellen.

Überrascht habe die Entscheidung Schulleiter Thomas Meier nicht. In seinem Gymnasium Burgkunstadt habe es sich abgezeichnet, dass eine große Mehrheit der Schüler und Eltern für einen neunjährigen Unterricht ist. Das macht er an einer Zahl fest: etwa 75 Prozent der Schüler hätten sich für das Projekt Mittelstufe Plus entschieden. Eine im G8 eingeführte Schulform, in der die Schüler das Abitur wieder in neun Jahren, statt der vorgeschriebenen acht absolvieren können. Das Gymnasium Burgkunstadt ist eines von 47 solcher Pilotschulen in Bayern.

Das Projekt, für dass sich Schüler in der siebten Klasse entscheiden müssen, wurde nun um drei Jahre verlängert: "Es wird nahtlos weitergeführt, sodass alle Schüler, die an unsere Schule gehen, einen neunjährigen Weg wählen können", erklärt Meier. Grundschüler, die im nächsten Schuljahr übertreten, starten bereits ins neunjährige Gymnasium.


Neue Lernziele für Schüler

Ein neues Schulsystem bedeutet auch einen neuen Lehrplan. Dieser wird ab dem kommenden Schuljahr eingeführt, nennt sich "Lehrplan Plus" und ist eigentlich für das G8 konzipiert. Dieser soll laut Kultusministerium auch die Basis für das G9 bilden und mit weiteren Inhalten bestückt werden. Für die fünften und sechsten Klassen ändere sich dadurch zunächst aber wenig, erklärt Meier.

Vergleichbar mit dem alten G9-Lehrplan sei dieser nicht: "Es wird ein neuer, moderner Lehrplan, bei dem die heutigen Erfordernisse im Mittelpunkt stehen werden", sagt Meier. Kompetenzorientiert werde dieser sein. Die Schüler auf Aufgaben vorbereiten, die ihnen im Leben begegnen werden. Auch soziale und Medienkompetenz seien nun formal im Lehrplan enthalten, erklärt er.

"Zu hoffen ist, dass aus beiden Modellen gelernt wird", meint Stefan Völker, Schulleiter des Meranier-Gymnasiums in Lichtenfels. Er ist vor allem froh darüber, dass nun endlich eine eindeutige Entscheidung getroffen wurde. Bewährt hätten sich im G8 vor allem die individuelle Förderung und der Unterricht in Seminarform - auch wenn er die Leistungskurse des G9 ebenfalls als Erfolgsmodell sieht.

Erfreulich finden beide Schulleiter, dass es vor allem in der Mittelstufe weniger Unterricht am Nachmittag geben wird. Lange Fahrtzeiten in den ländlichen Gegenden seien "ein Element, das begabte Kinder dazu bringt, nicht ins Gymnasium zu gehen. Obwohl sie das Abitur locker schaffen könnten", sagt Meier.

Von Eltern und Schülern hätten beide Schulleiter bisher nur Positives gehört. Dabei gehe es diesen weniger um den Nachmittagsunterricht: "Ein großer Punkt ist, dass die Schüler ein Jahr älter und reifer sind, wenn sie die Schule verlassen", betont Meier. Mit 17 Abitur, dann ein Jahr ins Ausland und mit 21 fertig mit dem Studium - Meier hält die Absolventen heute für zu jung, um etwa Führungspositionen in Unternehmen zu bekommen: "Insofern ist es sinnvoll, das eine Jahr mit Bildung und Persönlichkeitsentwicklung zu füllen."


Nicht alles war schlecht am G8

Die persönliche Bilanz des G8 fällt bei beiden Schulleitern letztlich doch positiv aus: "Am Anfang war es ein Schnellschuss, der zu viel Verunsicherung geführt hat", erinnert sich Meier. Doch am Ende sei daraus ein funktionierendes System entstanden. Die bayerischen Schüler hätten im europäischen Vergleich ein sehr gutes Abitur machen können.

Das G8 habe laut Völker auch keine höheren Durchfallquoten und keine schlechteren Abiturnoten verursacht. Auswertungen an den Universitäten hätten sogar ein besseres Bild vom G8 gezeichnet, erklärt Völker.

Ein Schlupfloch lässt das neue G9 aber doch zu: Besonders begabte Schüler können die elfte Klasse überspringen. Zwar war dies bisher ebenfalls möglich, jetzt werde dies aber mehr forciert, meint Völker. Ab der neunten Klasse bekommen die möglichen Kandidaten Zusatzunterricht in den Kernfächern am Nachmittag. "Es ist nicht mehr Privatinitiative des Schülers sondern wird strukturell unterstützt", erklärt Völker. Ob die Möglichkeit in einem hohen Maße angenommen wird, wie die Regierung annimmt, bezweifeln beide Schulleiter jedoch.
Dass die Schulen den erneuten Systemwechsel ohne große Schwierigkeiten bewältigen können, da sind sich beide Rektoren sicher. "In dieser Phase ist das ein ganz normaler Verwaltungsablauf", sagt Völker.
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