Lichtenfels
Franken helfen Franken

Für einen Tag arbeiten bei der Lichtenfelser Tafel

Der Förderverein "Franken helfen Franken" unterstützt die Lichtenfelser "Tafel plus". In dem kleinen Laden gewinnt FT-Volontärin Jennifer Hauser bisweilen unerwartete Einblicke in die Welt der wenig Betuchten.
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Maria Süppel (rechts) zeigt unserer Volontärin Jennifer Hauser (links), wie sie ihre Lebensmittel verteilt.  Fotos: Dominik Putnai
Maria Süppel (rechts) zeigt unserer Volontärin Jennifer Hauser (links), wie sie ihre Lebensmittel verteilt. Fotos: Dominik Putnai
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Konservendosen stapeln sich, in Reih' und Glied stehen Ketchupflaschen und Kekspackungen warten auf hungrige Kindermäuler.

Im Tafelladen gibt es viele Lebensmittel, die die Märkte ausgemustert haben, aber noch genießbar sind. Diese können finanziell Benachteiligte dann günstig erwerben. Beim Einsatz hinter dem Tresen wird mir schnell klar: Die Menschen, die hier zum Einkaufen kommen, freuen sich über jede Paprika und jeden Apfel, den sie bekommen.

Stefanie Kreische ist Sozialpädagogin und hauptamtlich bei der Tafel angestellt. Sie übernimmt die Koordination und Organisation der Lichtenfelser "Tafel plus". Für zwei Euro können Menschen mit einem Ausweis bei der Tafel einkaufen. Einen Ausweis bekommen Leute, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Aufstockung der Rente erhalten. Auch Haushalte mit einem geringen Einkommen können einen Ausweis bekommen, wenn sie einen Antrag stellen.

Ausgegeben werden die Waren in vier Gruppen. Am Mittwoch stehen die Menschen dann teilweise ab zehn Uhr Schlange - Obwohl der Tafelladen erst um 13 Uhr öffnet. "Die Leute kommen oft sehr früh, weil die Lebensmittel natürlich begrenzt sind. Sie haben Angst, dass sie nichts mehr abbekommen", sagt Stefanie Kreische.

Ansturm vor Weihnachten

160 Tafelausweise gibt es in Lichtenfels. Am letzten Öffnungstag vor Weihnachten waren besonders viele von ihnen da. "Die erste Gruppe hat heute 40 Minuten gebraucht. Manchmal sind wir auch schon nach zehn Minuten fertig mit einer Gruppe", sagt Maria Süppel, die seit Beginn ehrenamtlich dabei ist. Mit ihr zusammen bin ich heute für das Gemüse zuständig. Ich wundere mich, warum das Gemüse von den 15 Supermärkten überhaupt aussortiert wurde. Da sieht so manches in meinem Kühlschrank weniger frisch aus.

"Wir schauen auf die Ausweise der Leute und verteilen die gespendeten Waren dann dementsprechend. Natürlich bekommt eine Mutter mit drei Kindern mehr als eine einzelne Person."

Aus meinem Korb gibt es heute Paprika, Auberginen, Frühlingszwiebeln, Salat und Gurken. Bei Maria Süppel neben mir gibt es Karotten, Kohlrabi, Rosenkohl, Brokkoli und Blumenkohl. "Heute sind es wenig Waren, da muss man schon schauen, dass jeder etwas abbekommt. Auch die am Ende einer Gruppe."

Die Menschen, die hierher kommen, um einzukaufen, dürfen die Lebensmittel nicht anfassen. Ich erschrecke, wie viele von ihnen im Rentenalter sind und offensichtlich von ihrer Rente nicht leben können. Sie kommen mit kleinen Trollies und großen Tüten, um ihre Lebensmittel zu transportieren. Es sind auch viele junge Mütter dabei. Auf ihren Ausweisen sehe ich, dass sie oft allein erziehend sind, denn auf dem Ausweis steht die Anzahl der Erwachsenen und der Kinder in einem Haushalt.

Freiwillige treffen Entscheidungen

Die "Kunden" dürfen Wünsche äußern und ich darf entscheiden, ob sie eine Paprika oder eine Paprika und einen Salat bekommen - gar nicht so einfach. Besonders viele Ältere hätten gerne mehr. "Ich habe doch so viele Enkel", sagt einer, doch da auf seinem Ausweis nur ein Erwachsener, keine Kinder eingetragen sind, ist da leider nichts zu machen.

Trotz dem ehrenamtlichen Einsatz von 57 Leuten und der Tatsache, dass sie für die Räumlichkeiten, die vom "Schnäppchentreff" des Kolpingwerks zur Verfügung gestellt werden, nichts bezahlen müssen, ist die "Tafel plus" auf Spenden angewiesen, weswegen der Verein "Franken helfen Franken" für die Lichtenfelser Tafel sammelt.

"Die Spenden brauchen wir, um laufende Kosten zu decken. Das beginnt bei Strom und geht bis zum Instandhalten unseres Kühlfahrzeugs", sagt Kreische. Ein besonderes Merkmal der Lichtenfelser "Tafel plus" ist, dass es nicht nur günstige Lebensmittel für Benachteiligte gibt, sondern auch Beratung angeboten wird. "Das ist eine ideale Plattform vor Ort. Den Leuten fällt es oft schwer Beratung zu finden und anzunehmen."

Beim verteilen der Lebensmittel merke ich nach und nach, wie dankbar die Leute sind. Durch kleine Gesten kann man riesige Freude schenken. Ein kleines Mädchen in einer pinkfarbenen Jacke beginnt zu strahlen. Tamara ist mit ihrer Mama zum Einkaufen hier. Einer der Freiwilligen schenkt ihr ein Spielzeugköfferchen. Stefanie Kreische ist froh über solche Situationen. "Es kommt auch auf das Menschliche an. Viele bleiben auch nach dem Einkauf noch und tauschen sich aus."


"Der Verein Franken helfen Franken"

Idee Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Baye rische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie mit Hilfe eines Spendenvereins nutzen und Hilfsbedürftige unterstützen.

Zweck Der Spendenverein macht sich stark für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der gegenseitigen Hilfe auszeichnet.

Verwendung
Jeder für "Franken helfen Franken" gespendete Euro geht an den guten Zweck, Verwaltungskosten trägt die MGO.

Empfänger Die Spenden gehen ausschließlich an gemeinnützige Initiativen und Projekte oder Vereine in der Region. Die können sich direkt bei "Franken helfen Franken" bewerben, der Vereinsausschuss entscheidet dann über die Spende. Seit der Gründung vor rund vier Jahren wurden auf diesem Weg schon über 90.000 Euro ausgegeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.; Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Konto 302 194 501, Verwendungszweck: "Lichtenfelser Tafel".

Fragen? Mehr Infos und Kontaktdaten unter der Adresse franken-helfen-franken.de


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