Der Rabe gilt als schlauer Vogel, deshalb wundert es nicht, dass ausgerechnet ein Rabe den "Büchereiführerschein" ziert, den Vorschulkinder aus dem Kindergarten "Maria Theresia" kürzlich erworben haben. "Ich bin Bibfit" ist darauf zu lesen, bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass es eigentlich "bib(liotheks)fit" heißt. Aber was bedeutet das?

Die Mädchen und Jungen sind an vier Vormittagen in der Stadtbücherei für die Arbeit, die in einer Bibliothek erledigt werden muss, geschult worden. Sie haben sich ein eigenes Organisationssystem überlegt, das nicht nur auf Beschriftung, sondern auch auf Bilder setzt. Für jede Gruppe ist ein Aktenordner angelegt. Am Montag wird die kindergarteneigene Bücherei ihren Verleihbetrieb aufnehmen, und da die meisten hier nicht lesen und schreiben können, muss die Kennzeichnung auch anders funktionieren. Darin unterscheidet sich nämlich die Bücherei im Kindergarten "Maria Theresia" entscheidend von Büchereien vieler anderer Einrichtungen: Hier haben nicht die Eltern und Erzieherinnen die Fäden in der Hand, sondern die Kinder selbst.


Begeisterung bei der Eröffnung



Entsprechend groß war die Vorfreude und Begeisterung, als am Donnerstag die neue Kindergartenbücherei offiziell eröffnet wurde. Dazu hatten sich die Kleinen auch Gäste eingeladen: Natürlich Christine Wittenbauer von der Stadtbücherei, bei der sie viel gelernt und viel Spaß hatten. Auf die kurze Nachfrage kam von den Kindern prompt die richtige Antwort: "Bücher klebt man nicht mit Tesafilm - sondern...?" - "Mit Buchkleber!" Wittenbauers Geschenk freute die Kinder sehr, denn es gab ein Wiedersehen mit der "Hexe Hatschi", deren Geschichten aus dem Kinderbuch von den Vorlese-Einheiten noch präsent waren. Des Weiteren waren diejenigen eingeladen, ohne die die Idee einer Kindergartenbücherei wohl nicht hätte umgesetzt werden können: Pfarrer Roland Neher (die katholische Pfarrei ist Träger des Kindergartens) und Vertreter heimischer Banken, die für diese Form der Leseförderung gern Geld locker gemacht hatten. Alle Vorarbeiten präsentierten Kinder und Kindergartenteam auf Plakatwänden mit Bildern und Texten. Kindergartenleiterin Isabel Mayer erinnerte an die Ursprünge des Projekts. Sie und ihre Kolleginnen hätten bei den Kindern Bedürfnisse im Hinblick auf Lektüre festgestellt - Vorlesen war beliebt, die Bücherkiste heiß begehrt.

In einem Lied fassten die Kinder schließlich die wunderbare Vielfalt von Büchern zusammen, und Isabel Mayer drückte deren Wert mit einem chinesischen Sprichwort aus: "Du öffnest die Bücher und sie öffnen Dich."
Als nächstes öffneten die Kinder mit einem kräftigen Zug an bunten Bändern den Zugang zu der in einer Gangnische entstandenen Bücherei. Einen Namen dafür haben sie auch schon vergeben: "Bücherwurm".