LKR Lichtenfels
Initiative

Freiwillige Feuerwehr: Gibt es eine Chance für das grüne Warnlicht?

In einer Online-Petition engagieren sich über 21 000 Menschen für die Einführung eines grünen Blinklichts. Ehrenamtliche Einsatzkräfte sollen so schneller zum Gerätehaus gelangen. Örtliche Vertreter der Feuerwehr sind skeptisch.
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Wird ein solches Grünlicht bald zur Realität auf deutschen Straßen? Laut den örtlichen Vertretern der Feuerwehr wohl eher nicht. Foto: privat
Wird ein solches Grünlicht bald zur Realität auf deutschen Straßen? Laut den örtlichen Vertretern der Feuerwehr wohl eher nicht. Foto: privat
Gesellt sich im deutschen Straßenverkehr zu dem bekannten Blaulicht für Einsatzfahrzeuge und Gelblicht für Räumdienst und Sonderfahrzeuge bald noch eine dritte Leuchtfarbe?

Gewünscht wird ein grünes Warnlicht aktuell von über 21 000 Menschen im Rahmen einer Online-Petition. Ideengeber sind die Betreiber der privaten Feuerwehrseite "Youth and fire". Die jungen Feuerwehrkräfte setzen sich dafür ein, dass ehrenamtliche Mitarbeiter der Feuerwehr auf der Anfahrt zum Gerätehaus ein grünes "Blaulicht" auf ihrem privaten Pkw platzieren dürfen. Auf der Internetseite wird das Anliegen wie folgt formuliert: "In den USA ist es bereits so, dass man zur Seite fahren soll, sobald man ein grünes Warnlicht im Rückspiegel erkennt. Zwar kann man in Deutschland niemanden dazu zwingen, was auch keiner will - aber man kann die anderen Vekehrsteilnehmer damit bitten, Platz zu machen."

Aufklärung geht vor neuem Licht

Ein grünes Warnlicht: Eine realistische Option für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte im Landkreis? Für Kreisbrandrat Timm Vogler jedenfalls nicht: "Ich halte die Idee für Schwachsinn, und das Ganze wird sich auch definitiv nicht durchsetzen." Er verweist auf die ohnehin schon geltenden Sonderrechte der Einsatzkräfte bei der Anfahrt zum Gerätehaus. Und ein etwaiges Wegerecht, das Einsatzkräften mit Blaulicht zustehe, wäre für ein grünes Warnlicht ohnehin nicht durchsetzbar, erklärt er. Kreisbrandinspektor Ottmar Jahn sieht zumindest ein gewisses Potenzial. "Man könnte über die Idee nachdenken, muss aber vorher unbedingt mehr Aufklärung für Autofahrer betreiben", sagt er. Jahn bemängelt, dass viele Verkehrsteilnehmer schon bei Blaulicht nicht wissen, was zu tun sei. Bedingt sieht er diesen Missstand unter anderem durch eine nicht ausreichende Vorbereitung in der Fahrschule.

Hohe Unfallquote bei Einsätzen

Auch Timm Vogler musste über die letzten Jahre feststellen, dass Einsatzfahrten immer gefährlicher werden: "Das Unfallrisiko ist achtmal so groß wie auf normalen Fahrten." Da die Situationen im Alltag eher selten vorkommen, seien die Autofahrer bei auftauchenden Einsatzfahrzeugen oft überfordert. "Bei einem Einsatz im Winter wäre ich fast selbst auf ein Auto aufgefahren, weil dieses bei Glätte völlig unkontrolliert von 100 auf 0 abgebremst hat", so Vogler.

Richtigerweise sollten Autofahrer langsam abbremsen, nach Möglichkeit rechts ranfahren und so das Rettungsfahrzeug ohne Behinderungen vorbeifahren lassen. In Einzelfällen muss Vogler auch immer wieder die Erfahrung machen, dass junge Menschen absichtlich Rettungsfahrzeuge auf der linken Spur blockieren.

Um unabsichtliche Behinderungen zu vermeiden, könnte das grüne "Blaulicht" auch für die ehrenamtlichen Kräfte des Bayerischen Roten Kreuzes eine Option sein. Tobias Eismann, Einsatzleiter des BRK, ist aktuell noch hin- und hergerissen: "Grundsätzlich kann man sich über so ein Blinklicht Gedanken machen, muss aber auch immer bedenken, dass jede Sondersignalfahrt ein vielfach höheres Risiko birgt." Außerdem sehe Eismann eine Gefahr des Missbrauchs des Grünlichts von Nicht-Einsatzkräften.

Da die ehrenamtlichen BRK-Mitarbeiter fast im kompletten Landkreis verteilt sind, sei die Anfahrt in der Regel beschwerlicher als für freiwillige Feuerwehrleute, erklärt Eismann. Doch auch ohne Grünlicht gebe es bei den Anfahrtswegen nur selten Probleme. Und selbst wenn eine Einsatzkraft mal zu spät käme, sollte man das als gut aufgestellte Einheit auch verkraften können. Eismann weist darauf hin, dass besonders wichtige Leute wie Kreisbrandräte oder Organisatorische Leiter ohnehin mit einer Ausnahmegenehmigung Blaulicht auf ihrem Privat-Pkw nutzen dürfen. Kreisbrandinspektor Ottmar Jahn zieht ein gemischtes Fazit zu einem möglichen Grünlicht: "Grundsätzlich ist es gut, wenn sich Einsatzkräfte auch im privaten Auto kennzeichnen können, aber ich weiß nicht, ob das Ganze umsetzbar ist." Für Jahn wäre eine flächendeckende Aufklärung über Verhaltensweisen im Straßenverkehr ein guter Anfang, und ein etwaiges Grünlicht im Anschluss daran das "High-End-Produkt".





Die Sonderrechte in der Straßenverkehrsordnung

Gesetz Die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) der Bundesrepublik Deutschland ist eine Rechtsverordnung, die Regelnfür sämtliche Teilnehmer am Straßenverkehr festlegt.

§ 35 StVO Absatz I: Von den Vorschriften dieser Verordnung sind die Bundeswehr, die Bundespolizei, die Feuerwehr, der Katastrophenschutz, die Polizei und der Zolldienst befreit, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.

Absatz VIII: Die Sonderrechte dürfen nur unter gebührender Berücksichtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung ausgeübt werden.

Urteil Privatfahrzeuge Das Oberlandesgericht Stuttgart stellte vor einigen Jahren fest, dass den Angehörigen einer Freiwilligen Feuerwehr nach Auslösung eines Alarms bei der Fahrt mit dem Privat-Pkw zum Feuerwehrhaus grundsätzlich die Sonderrechte des § 35/I StVO zustehen. Der Wortlaut dieses Absatzes schließt mit dem Tatbestandsmerkmal "Die Feuerwehr" keine privaten Fahrzeuge aus dem Anwendungsbereich aus. Da die Fahrzeuge für die übrigen Verkehrsteilnehmer nicht erkennbar sind, ist jedoch besonders
§ 35/VIII zu beachten. StVO



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