Vierzehnheiligen

Franziskusschwestern feiern 100-jähriges Bestehen

Die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen feierten ihr 100-jähriges Bestehen. Erzbischof Ludwig Schick zollte ihnen hohen Respekt für ein Jahrhundert der Gottes- und der Nächstenliebe. Sieben Schwestern begingen "50 Jahre Profess".
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Sieben Franziskusschwestern feierten in Vierzehnheiligen ihr Jubiläum "50 Jahre Profess": von links im Bild sind Caroline, Monika, Hildegard, Generaloberin Regina, Erzbischof Ludwig Schick, Henrika, Annuntiata sowie Engelharda und Reinhilde. Fotos: Andreas Welz
Sieben Franziskusschwestern feierten in Vierzehnheiligen ihr Jubiläum "50 Jahre Profess": von links im Bild sind Caroline, Monika, Hildegard, Generaloberin Regina, Erzbischof Ludwig Schick, Henrika, Annuntiata sowie Engelharda und Reinhilde. Fotos: Andreas Welz
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Die Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen fanden vor 100 Jahren Grund und Boden als Existenzgrundlage und einen Sendungsauftrag, Pilgern und Exerzitien-Teilnehmern zu dienen. "Wir haben allen Grund, Gott für diese 100-jährige Präsenz hier an diesem Wallfahrtsort zu danken", unterstrich Generaloberin Schwester Regina Pröls bei einem Dankgottesdienst am Sonntag in der Basilika. Während des Pontifikalamtes mit Erzbischof Ludwig Schick feierten sieben Schwestern ihr Jubiläum "50 Jahre Profess".

Aus dem kleinen Anfang in existenziell schwerer Zeit habe sich ein Netzwerk in die weite Welt entwickelt. "In dieser Stunde sind wir versammelt, um Gott zu danken, um Gott zu bitten und auch, um uns mit Impulsen neu senden zu lassen", sagte die Generaloberin.

In der Mitte des Festgottesdienstes stehe ein Professgedenken. Die Schwestern Hildegard, Henrika, Reinhilde, Engelharda, Monika, Caroline und Annuntiata hätten vor 50 Jahren ihr erstes öffentliches Versprechen - die Profess - abgelegt. "Das Professgedenken bekommt durch die Platzierung innerhalb des großen geschichtlichen Rahmens eine ganz besondere Weite", meinte Schwester Regina.

Eine Gottesbeziehung brauche Lebendigkeit, eine lebendige Gottesbeziehung gewinne zunehmend an Tiefe. "Ihr habt gelernt, in immer wieder veränderten Lebenssituationen die freiwillig gelebte Lebensform jeweils neu zu buchstabieren", sagte die Generaloberin und fügte hinzu: "Die Besinnung auf den tieferen Grund Eures Daseins habt Ihr mit uns geteilt. Sie lädt uns ein, den eigenen persönlichen Lebensentwurf zu reflektieren".

Die Generaloberin dankte dem Rektor der Basilika, Pater Heribert Arens. Der Termin an diesem Wochenende in der Wallfahrtszeit sei ein großes Zeichen der Wertschätzung. Die Mitarbeiter hätten nicht nur mit Fleiß, sondern auch mit großer Leidenschaft die Basilika geschmückt. Organist Georg Hagel, unterstützt von Flötistin Susi Schliefer, habe mit seinem brillanten Orgelspiel der Feier besonderen Glanz geschenkt. Schwester Regina dankte auch den Verantwortlichen der Politik; ohne sie sei ihr Dasein in Vierzehnheiligen nicht möglich. Eine besondere Freude seien ihr und den Franziskusschwestern die vielen Mitfeiernden. "Ihr Zeichen der Wertschätzung ist so großartig. Sie stehen in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen mit uns in Verbindung. Unser Netzwerk ist so reich - der Grund, auf dem die gegenwärtige Generation steht und daran weiter bauen darf, ist so wertvoll", fasste sie ihren Dank in Worte. Das belebe die Gemeinschaft, weil es der Neigung entgegenwirke, nur die eigenen Befindlichkeiten zu sehen.

Dank vom Erzbischof

Auch Erzbischof Ludwig Schick zollte den Franziskus schwestern von Vierzehnheiligen hohen Respekt für ein Jahrhundert der Gottes- und der Nächstenliebe, gemäß dem Evangelium im Geist des Heiligen Franziskus. "Ich danke Ihnen, liebe Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen, namens der ganzen Kirche für Ihren Dienst zur Ehre Gottes und zum Heil vieler Menschen", sagte der Erzbischof. Gleichzeitig beglückwünschte er die sieben Professjubilarinnen.

Die Schwestern von Vierzehnheiligen hätten segensreich im Erzbistum Bamberg und anderen deutschen Diözesen sowie in der Mission in Peru, Indien und Kroatien gewirkt, erklärte der Erzbischof. "Ich danke Ihnen für die Kinder, die Sie in den Kindergärten und Schulen erzogen und gebildet haben. Ich danke Ihnen für die Kranken, die Ihre Hilfe erfuhren, für die kompetente Pflege und die menschliche Zuwendung in der häuslichen Krankenpflege, in Krankenhäusern und Altenheimen." In Peru, Indien und Kroatien kümmerten sich die Schwestern um die Bildung, aber auch um die Krankenpflege.

Es sei gut und notwendig, dass die Orden Schulen, Krankenhäuser, Exerzitienhäuser, Sozialstationen und Beratungsstellen haben. "Aber Jesus Christus und sein Evangelium ist der Grund, auf dem wir stehen, der Weinstock, an dem wir wachsen, der Leib, an dem wir Glieder sind", unterstrich der Erzbischof. Bei der Kirche gehe es nicht darum, ob dieses oder jenes gebaut wurde, sondern "ob wir den Menschen dienen und sie Gott und einander näher bringen". Die Werke der Orden, wie der ganzen Kirche seien nicht Gebäude und Institutionen sondern die Schwestern und Brüder seien lebendige Steine im Haus Gottes für die Menschen.

Sieben Schwestern - die Professjubilarinnen

Hildegard Braun, geboren in Roth, Diözese Eichstätt; als stellvertretende Einrichtungsleiterin war sie tätig in der Fachklinik für Frauen in Familienverantwortung in Wertach.

Henrika Föhrweißer, geboren in Neukenroth, Erzdiözese Bamberg; sie hatte verschiedene Aufgaben an der Berufsfachschule "St. Kunigund" in Vierzehnheiligen, ehrenamtlich im Hospiz und bei der "Tafel".

Reinhilde Sumbauer, geboren in Tann, Diözese Passau; ehrenamtliche Mitarbeit im Waldkrankenhaus St. Marien in Erlangen.

Engelharda Braun, geboren in Roth, Diözese Eichstätt; aktuell zog sie von Obertrubach nach Vierzehnheiligen ins Mutterhaus und wird immer wieder für ehrenamtliche Aufgaben eingesetzt.

Monika Kirzinger, geboren in Oberwiesenacker, Diözese Eichstätt; ehrenamtlicher Besuchsdienst einschließlich Seelsorge im Seniorenpflegezentrum Marienhospital in Erlangen.

Caroline Prommersberger, geboren in Haidhof, Diözese Regensburg; Krankenschwester, Kneipp- und medizinische Bademeisterin, arbeitet in der Fachklinik für Frauen in Familienverantwortung in Wertach.

Annuntiata Gartner, geboren in Rachelsberg, Erzdiözese München-Freising; Krankenschwester, nach fünf Jahren Aufbauarbeit in Indien nun im Konvent in Bad Feilnbach

Bezirksheimatpfleger würdigt Mut und Einsatz der Franziskusschwestern

Die Jubiläumsfeier der Franziskusschwestern fand nach dem Gottesdienst in der Basilika in einem Festzelt im Mutterhaus-Garten statt. Die Mutterhaus-Küche bot zum Mittagessen Rehragout mit fränkischen Klößen und Schweinenackensteak mit Gemüse aus dem Klostergarten an. Zum Dessert gab's eine Cantuccini-Creme. Die Organisation unter der Leitung von Hausoberin Schwester Claudia Hink übernahmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mutterhaues.

Einen Ohrenschmaus bot das Querflöten-Quartett Flauto con brio, und Festredner Günter Dippold ließ 100 Jahre Franziskusschwestern in Vierzehnheiligen Revue passieren. Der Bezirksheimatpfleger würzte, wie gewohnt, seinen Geschichtsvortrag mit humorvollen Anmerkungen und Anekdoten. Er machte die schwierigen Jahre transparent, als sich die Schwestern zum "Heiligen Berg" aufmachten und ihrer Heimat in München und später in Landshut den Rücken kehrten. Dippold bewunderte den Mut der Schwestern, die große Bauvorhaben angingen und die Kongregation zu einer Blüte mit bis zu 500 Ordensfrauen führten. Die Zahl der Schwestern sei seither gesunken, die Zahl der Niederlassungen kleiner geworden. "Aber die Tatkraft ist gewachsen, und ebenso die räumliche Ausdehnung."

Globalisierung und Kontinuitäten

Die Globalisierung habe auch vor den Franziskusschwestern nicht halt gemacht. Nach Peru in den 30er-Jahren seien sie seit 2002 in Indien engagiert, und seit 2006 bestehe eine Niederlassung in Kroatien. Die Aufgaben hätten sich verändert in diesen 100 Jahren, doch gebe es Kontinuitäten: Die Sorge für Kranke, die Sorge für Wallfahrer, die Sorge für das Wohl derer, die hier Erbauung oder Bildung suchten. Aber Pflege habe sich verändert, Wallen, Exerzitien und Bildungsarbeit hätten sich verändert.

Wandlungen könnten verstörend wirken. "Wohl dem, der in einer Welt des Wandels Halt hat! Wohl dem, der in Zeiten des Umbruchs Heimat hat. Sie, glaube ich, haben hier in Vierzehnheiligen Halt gefunden, hier ist ihre Heimat", unterstrich der Festredner. Hier, auf diesem Grund, stehe die Gemeinschaft, die nicht von innerem Streit der 20er-, nicht von brauner Gewalt der 30er-Jahre überwunden worden sei, und sie werde auch gegen den Ökonomismus und doktrinären Individualismus unserer Tage bestehen, war Dippold überzeugt.

"Das Land reicher gemacht"

"Sie aber haben Ihrer Heimat Vierzehnheiligen etwas wiedergegeben: Sie machen die Menschen reicher, die diesen Ort aufsuchen, und sie haben durch Ihren Einsatz das Land reicher gemacht, namentlich das Land hier am Obermain", resümierte der Bezirksheimatpfleger.

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