Bad Staffelstein
Musik

Flöte spielen fördert unsere Kinder

Elke Schindhelm gibt ehrenamtlich Flöten-Unterricht in zwei Bad Staffelsteiner Grundschulen. Das gemeinsame Musizieren fördert die Entwicklung der Kinder.
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Drei Schüler von Elke Schindhelm spielen Weihnachtslieder im Flöten-Unterricht. Foto: Sarah Stieranka
Drei Schüler von Elke Schindhelm spielen Weihnachtslieder im Flöten-Unterricht. Foto: Sarah Stieranka
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Ein schrilles Pfeifen dringt durch die Türritzen. Vier Mädchen und ein Junge blicken von den Notenblättern auf, als sich die Tür öffnet - mit ihren Händen umklammern sie ihre Flöten. Mit Kreide geschriebene Noten auf der Tafel verraten: Hier findet Unterricht statt. Dann setzen die Kinder von vorne an, die Finger drücken abwechselnd auf die kleinen Löcher. Den Blick wenden sie nicht vom Blatt ab. Eine weihnachtliche Melodie erklingt.

Flöten-Lehrerin Elke Schindhelm klopft mit einem Fuß auf den Boden. Sie gibt ihren Schützlingen den Takt vor. Seit fünf Jahren unterrichtet die 72-Jährige Schulkinder im Flötenspiel. Zuvor hatte sie bereits Kinder privat unterrichtet - ehrenamtlich. "Ich habe es erst meinem Sohn, dann meiner Tochter beigebracht. Dann wollten ihre Freunde das auch erlernen", erinnert sich Schindhelm.


Erst einmal die Buchstaben lernen

"ACDCACCACDCAGGAC" steht auf dem Notenblatt. Die Zweitklässler lesen im Chor die Buchstaben laut vor - als Absicherung. Bevor die Kinder den Umgang mit dem Instrument und den Noten üben können, mussten sie erst Buchstaben lesen lernen. Mittlerweile wippen die Körper von Laura, Nordis, Jakob, Lotta und Leonie beim Spielen mit, ein kleines Tänzchen ist ab und zu drin.

Zu Hause spielt Laura am liebsten für ihre beiden Geschwister. Ein größeres Publikum erwartet die Kinder am 22. Dezember. Dann treten sie gemeinsam vor den anderen Schülern der Grundschule Grundfeld auf. Doch von Angst keine Spur. Denn: "Wir mögen Weihnachtslieder am meisten", erklären Lotta und Jakob.

Stolz schaut Elke Schindhelm zu ihren jungen Schülern. "So gut wie heute spielen sie fast nie. Weihnachtslieder haben sie wirklich gerne", erzählt sie mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Vermutlich denkt sie an ihre eigenen Anfänge - mit zehn Jahren brachte sie sich das Spielen selber bei. Ihre erste Flöte bekam sie von den Eltern geschenkt.

Ein lautes Piepsen reißt die Fünf aus ihrer Konzentration. Die Uhr zeigt: Der Schulbus kommt gleich. Elke Schindhelm packt ihre Sachen zusammen - die Schüler warten bereits an der Haltestelle. Vorsichtig verstaut sie die Notenblätter in einem Tragekorb. Das macht sie jeden Donnerstag, wenn sie in Grundfeld unterrichtet. Montags ist sie in der Grundschule Unnersdorf.

Dort fing ihr Flötenunterricht in der Schule an. Der Grund: Ein Flöten-Lehrer fehlte. "Och, die Oma kann das doch", soll die Enkelin der 72-Jährigen zum Direktor gesagt haben. Seitdem gibt Elke Schindhelm Stunden in Unnersdorf, im vergangenen Jahr folgte die Grundschule Grundfeld.


Musik bringt Augen zum leuchten

Regelmäßig fragen auch die Aktiven Bürger Lichtenfels an, ob die 72-Jährige aushelfen kann. "Ich finde die Begeisterungsfähigkeit toll. Außerdem hält mich das jung", erklärt sie. Die Musik sei ihr unheimlich wichtig. Ihre Augen leuchten, es wird klar:

Die Musik bedeutet Elke Schindhelm sehr viel. "Was sind Noten, wenn sie nicht mit einer Melodie unterlegt werden?", fragt sie. "Sehr trocken", lautet die Antwort, die Elke Schindhelm mit einem skeptischen Gesichtsausdruck entgegnet. Dann steckt sie ihre große Tenorflöte ein und verlässt den Klassenraum. Aber nur für heute - nächste Woche steht sie wieder im Klassenraum.

Soziale Kompetenzen werden in der Kindheit erlernt

Soziale Kompetenz Der Kontakt mit anderen, egal ob im Verein, in der Schule oder beim gemeinsamen Musizieren, ist in jungen Jahren wichtig, sagt Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Caterina Schumann. "Es geht darum, soziale Fertigkeiten zu trainieren, Kontakte zu knüpfen, Bedürfnisse zu äußern und Beziehungen zu führen." Denn: Nur so könne das Kind lernen, was es heißt, sozial kompetent zu handeln.

Typen Es gibt drei Typen von sozialer Kompetenz. Beim ersten geht es darum, Menschen kennenzulernen. Beim zweiten Typ, Beziehungen zu gestalten, beim dritten, das eigene Recht vor anderen durchzusetzen.

Gefahr In jungen Jahren ist es einfacher, soziale Kompetenzen zu erlernen. Geschieht das nicht, läuft der Mensch irgendwann Gefahr, in der Gesellschaft nicht zurechtzukommen. Durch Medienkompetenzen könne das Kind zwar viel lernen, das Gelernte müsse jedoch in der realen Welt angewandt werden, sagt Schumann. Also: Ein Leben vor dem Computer reicht nicht aus, um soziale Kompetenzen zu erwerben.

Musik Das Musizieren bringt viele Vorteile: Durch das logische Denken werden Gehirnstrukturen ausgebildet. Außerdem wird die Feinmotorik trainiert. "Man lernt Erfolge zu schaffen. Das Kind lernt auf etwas zu verzichten, wie zum Beispiel Spielen, weil es lernen muss. Es weiß aber, dass es damit langfristig Erfolg hat. Und Erfolge fördern das Selbstbewusstsein", erklärt Schumann.

"Franken helfen Franken"

Spendenaktion Der FT und "Franken helfen Franken" möchten die Aktiven Bürger Lichtenfels unterstützen und bitten um Spenden. Verwendungszweck: "Aktive Bürger"

Kostenlos Jeder gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe Oberfranken, zu der der Fränkische Tag gehört. Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Das will sie nutzen, um Hilfsbedürftige und Hilfsorganisationen zu unterstützen. Seit der Gründung 2009 wurden fast 300 000 Euro weitergereicht. Mehr Infos unter www.franken-helfen-franken.de.

Spendenkonto Sparkasse Bamberg; IBAN: DE 62 7705 0000 0302 1945 01, BIC: BYLADEM1SKB


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