Dass es so lange dauern würde, damit hatte Bernhard Kasper nicht gerechnet. 1978 trat er zum ersten Mal in Ebensfeld zur Gemeinderatswahl als Bürgermeisterkandidat an, doch erst im vierten Anlauf, 1996, gelang ihm der Sieg. Bis 2008 war der 68-Jährige im Amt. Politik als Ausdauersport? Man kann es so sehen, wenn man die Situation der Freien Wähler betrachtet, als Bernhard Kasper die Leitung des Kreisverbandes 1980 übernahm. Und dann schaut, wo sie heute stehen. Aus einem Bund von Individualisten, die sich in die Kommunalpolitik einbringen wollten, ist eine Partei geworden, die auf Landesebene eine Perspektive hat, in Regierungsverantwortung zu kommen. Ob das eine Sache ist, die Hermann Ramspeck, dem Vorgänger von Bernhard Kasper als Kreisvorsitzenden, gefallen hätte? Als Kasper vor 32 Jahren zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt wurde, ging es wenig formell zu. Ramspeck hatte ihn bei einer Versammlung auf die Bühne geholt und abstimmen lasen. So kam er ins Amt. "Viele der Personen, die sich bei den Freien Wählern engagiert haben, hatten eine Abneigung gegen Parteien", sagt Kasper. Dies sei auch auf deren Erfahrungen in der Weimarer Republik und dem Dritten Reich zurückzuführen gewesen: "Die haben sich von den Parteien missbraucht gefühlt." Deshalb funktionierten die Freien Wähler lange auf einer einfachen Basis: Der Vorsitzende lud zu einem Treffen ein, dort wurden die Listen für die Wahlen wie etwa in den Gemeinden aufgestellt, das war es. Finanziert wurde die politische Arbeit durch Spenden ("da ging schon mal der Hut rum") und durch Anteile an den Sitzungsgeldern der Gemeinderäte. So ähnlich locker kam Kasper dann auch in die Politik. Ein Schulfreund meinte 1978 zu ihm, man müsse sich in Ebensfeld engagieren. "In einem Kollegialorgan sollten alle eingebunden werden." Jeder sollte nicht nur mitreden, sondern auch mitbestimmen können, erklärt er, warum er sich zu den Freien Wählern hingezogen fühlte.
Kasper (stammt aus Schweidnitz in Schlesien, kam nach dem Krieg über verschiedene Stationen im Alter von 6 Jahren nach Ebensfeld, Schulausbildung in Ebensfeld und Bamberg, dann der Einstieg beim Finanzamt, bei dem er bis zum spezialisierten Betriebsprüfer für große Energieunternehmen aufstieg. Dabei entwickelte sich auch seine Nähe zur kommunalen Verwaltung, viele der Unternehmen sind im kommunalen Besitz.
Als FW-Kreisvorsitzender schuf er zur Kommunalwahl 1984 Vereinsstrukturen für die Gruppierung - und war immer ein Freund derjenigen, die den Schritt hin zur Partei als konsequent betrachteten: "Wir müssen dahin, wo die Entscheidungen getroffen werden. Und brauchen Informationen." Das gelinge nur auf höherer politischer Ebene wie im Landtag. Nun müsse man das auch auf Bundesebene versuchen. Eine Nuss, die Freien Wähler zu knacken haben - unter seinem Nachfolger. Kasper wird das Amt morgen bei einer Kreisversammlung abgeben, nach 32 Jahren. "Es ist wieder Zeit für einen Generationenwechsel."