Bad Staffelstein
Konzert

Erfrischend und tiefgründig

Wegen des schlechten Wetters wurde der Sommernachtstraum in die evangelische Kirche verlegt. Das Publikum genoss die Professionalität der jungen Künstler.
Artikel drucken Artikel einbetten
Erik Konietzko (rechts) und Leon Büttner bei ihrem Auftritt. Foto: Birgit Kunig
Erik Konietzko (rechts) und Leon Büttner bei ihrem Auftritt. Foto: Birgit Kunig
+3 Bilder
Das hätte ja nun wirklich nicht sein müssen. Gerade am allerersten Julitag macht einem das Wetter so einen Strich durch die Rechnung. Ein Sommernachtstraum am Samstag Abend im Pfarrgarten der evangelischen Kirchengemeinde war geplant. Leider ist das mit dem Garten sprichwörtlich ins Wasser gefallen - nicht aber der Sommernachtstraum.
Wie liebevoll das Ambiente einer lauschigen Sommernacht nach drinnen in die Kirche transportiert wurde, fällt sofort ins Auge: Sonnenblumen, Palmen, Lichterketten, Blüten von Sommerblumen überall, sogar putzige Gartenstühle und Sonnenschirme im Miniformat - so hat Konietzkos Tante auf die Schnelle den Altarraum der Kirche komplett dekoriert.
Trotz des schlechten Wetters oder dem schlechten Wetter zum Trotz sind viele gekommen und Pfarrer Hagen begrüßt seine Schäflein, und auch diejenigen, die einfach neugierig auf den jungen Liedermacher Erik Konietzko (Gesang, Klavier, Gitarre, Komposition) und seinen Mitstreiter Leon Büttner (Gesang, Gitarre). "Also Respekt - in dem Alter so eine reife Ausstrahlung und Stimme," sagt ein Ehepaar aus Bad Staffelstein, die die beiden Künstler noch nicht gekannt haben.
"Es ist das Spezifikum eines Traumes, dass er sich manchmal erfüllt oder nicht", so Pfarrer Hagen. "Manchmal bleibt er eben offen. Aber fühlen Sie sich in der Kirche wie zuhause im Garten. Wein, Bier und gutes Essen gehören zu Gottes Schöpfung, drum nehmen Sie es mit hinein und genießen Sie es, genauso wie die die Lieder von Wader, Wecker, und Co., die manchmal besser gesungen sind, wie von den Künstlern selbst, aber überzeugen Sie sich nun" - so kündigt er das Duo an. Und schon herrscht eine beschwingte Stimmung und auch ein Gefühl der Verbundenheit und eine angeregte Neugier - man plaudert miteinander. Viele kennen sich, auch Familienmitglieder und Freunde der beiden Künstler sind da.

"Unser heutiges Programm schätze ich selbst sehr, weil so schöne Sommerlieder dabei sind und es dabei um Sommer und Träume geht", so kündigt sich der 19-jährige Konietzko selbst und den 18-jährigen Leon Büttner an, der ihn seit eineinhalb Jahren begleitet. Da vorne stehen zwei Frischlinge, so denkt man. Weit gefehlt: Sie spielen eigenes und Liedgut von alten Hasen mit einer außergewöhnlichen Reife.


Hohes Niveau

Die Interpretationen sind ganz eigen und stimmlich auf sehr hohem Niveau. Oft mit geschlossenen Augen geben sich die Künstler ihrer Musik hin und diese Hingabe und Leidenschaft überträgt sich auch aufs Publikum, das vollkommen inspiriert ist. Da vorne stehen zwei Vollblutkünstler, die nicht irgendein Programm abspulen. Für ihr Alter schon ziemlich professionell - das kommt nicht von ungefähr. Beide absolvieren ein Musikstudium. Konietzko, der auch Organist ist, seit vergangenem Jahr in Würzburg. Und Büttner, der gerade sein Abi in der Tasche hat, habe erst gestern die erfolgreiche Aufnahme für ein Studium der E-Gitarre in Dinkelsbühl erhalten, so verrät sein stolzer Papa. Kennengelernt haben sich beide am Albertinum, dem musischen Gymnasium in Coburg. Und Musik machen beide schon seit Kindertagen.

Wenn Konietzko aufdreht, in die Tasten seines Keyboards haut, und Konstantin Weckers "Liebeslied im alten Stil" spielt, singt er "doch wie tief ist das Meer" mit einer Stimmgewalt und Tiefe, als stünde dieser leibhaftig vorne. Und die letzte Zeile sogar in italienisch dazu im Gegensatz ganz leise "Come profondo es mare".
Ganz besonders möge er die Sprache und Sprachbilder von Andre Heller, so Konietzko. "Sei Poet" sei ein pragmatisches Lied. Büttner wechselt dabei ständig von E-Gitarre zur Akustikgitarre. Bei Konietzkos Eigenkomposition einer Rockballade "Über deinen Schatten" greift er selbst zur Westerngitarre. Konietzkos eigene Songs "Traum" und das erst kürzlich komponierte "Unsichtbar" lassen Interpretationen offen.

Zu putzig Konjetzkos Nachahmung des Fürther Dialektes von Wolfgang Bucks "Saubere Lösung" . Das 21 Jahre alte Lied sei immer noch topaktuell, da der von Vogeldreck und Froschgequake genervte Nachbar am liebsten alles zubetonieren würde: "Nimmst aweng, aweng, aweng an Beton, des is die sauberste, Lösung, dann is a Ruh". Sehr bluesig, rockig kommt es daher und am Ende wird's sogar afrikanisch.

Mit viel "Wiener Schmäh" und sehr erwachsen schmettert Konietzko Lieder von Danzer und Wecker über Reisen nach dem Abi, die von Trampen und Freiheit handeln. Und so blieb Konjetzko letztes Jahr nach dem Abi nichts anderes übrig als es ihnen nachzumachen, witzelt er. Erfrischende und tiefgründige Sommerlieder von Hannes Wader, Reinhard Mey interpretieren die beiden mit Charme und Chuzpe, dass man das "jugendliche" Alter der Künstler komplett vergessen hat. Bei Maffays "Und es war Sommer" beim Publikum Schmunzeln bis zum Abwinken. Zum Schluss lassen sich die beiden Jungs nicht lumpen und spielen die "Blume aus dem Gemeindebau" von Wolfgang Ambross, so richtig schön jazzig-bluesig, und Konietzko zeigt nochmal, was seine auch sehr hohe Tenorstimme drauf hat. Ein letztes "Yeah" und alle jubeln "Bravo".

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren