Ebensfeld
Freizeit

Einhörner verdrängen die Klassiker

Beim Faschingsumzug in Ebensfeld feierten Hunderte die fünfte Jahreszeit. Klassische Outfits wurden in diesem Jahr von Figuren wie den Minions verdrängt.
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Die Kinder warten schon mit ihren offenen Taschen auf die Umzugs-Wagen.  Fotos: Sarah Stieranka
Die Kinder warten schon mit ihren offenen Taschen auf die Umzugs-Wagen. Fotos: Sarah Stieranka
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Ein Wagen dreht seine Runden im Kreisverkehr - wieder und wieder. 20 Jugendliche hüpfen auf und ab, die Musik spielt so laut, dass man sein eigenes Wort kaum versteht. Normalerweise ein klarer Fall für die Polizei. Nicht an Fasching, da gehört eine ausgelassene und verrückte Stimmung einfach dazu.

Hunderte waren zum Faschingszug in den Ebensfelder Ortskern gepilgert. Einige Wagen kündigten sich bereits mit einem lauten Hupkonzert an. Typische Kostüme wie Prinzessin, Pirat oder auch Indianer rutschten auf der Beliebtheitsskala weit nach unten.


Minions und Einhörner

Verdrängt wurden die Klassiker von Märchenfiguren wie den Minions. Absoluter Spitzenreiter waren jedoch Ganzkörper-Einhorn-Verkleidungen. Sogar Männer ließen sich in dem kitschigen Kostüm blicken - in Blau, versteht sich. Während sich die Besucher am diesem Tag auf den Umzug vorbereiteten, hatten Freiwillige etwa eine Woche an ihren Wagen gebastelt, sagt Peter Zapf, der an diesem Tag als Moderator für die Ebensfelder Karnevals-Gesellschaft (EKG) fungierte.

"Rechnet man mit etwa 20 Personen pro Wagen, haben um die 600 bis 700 mitgemacht." 29 Vereine, Institutionen und Interessenten hatte sich im vergangenen Herbst für den Faschingsumzug angemeldet - darunter die Ebensfelder Feuerwehr und der Waldkindergarten. Mit Plakaten und Bannern thematisierten diese weniger das politische Weltgeschehen, sondern eher ortsspezifische Probleme.

So lauteten die Parolen der Feuerwehr "Mauerbau 2016: Die Mauer hat Ebensfeld getrennt, drum kommt Niederau, wenn's im Westen brennt" - und der Slogan vom Ortsverein Dittersbrunn "Dittersbrunn wird's richten, denn keiner kennt seine Pflichten. Der Müll wird bald rauchen, weil wir ihn nicht brauchen." Vereinzelt konnten die Besucher auch den Namen "Trump" auf den Wagen lesen. So auf einem Fahrzeug, auf dem die Freiwilligen mit Vokuhila und Trainingsanzügen der 1990er-Jahre gedachten. "Von Baywatch bis zu Forrest Gump. Zumindest noch kein Donald Trump."

Ein Kommentar von Sarah Stieranka

A ls gebürtige Westfälin bin ich große Umzüge gewohnt: Köln, Düsseldorf und Dortmund - im Westen kommt man am Karneval einfach nicht vorbei. Die fünfte Jahreszeit wird jährlich bunt und ausgelassen zelebriert.
Was kann da ein kleiner Ort wie Ebensfeld schon bieten, dachte ich mir. Ich wurde schnell eines besseren belehrt. Die Straßen waren voll, die Stimmung ausgelassen und übliche Tierkostüme wie eine Kuh oder einen Affen sah ich auch. Doch ein Unterschied war spürbar: der Alkohol.

Der fließt in Ebensfeld großzügiger als in den Großstädten. Natürlich wird in Köln und Düsseldorf auch getrunken, Alkohol wird aber nur wenig, und wenn, dann in kleinen Sektflaschen ausgeteilt. Anders war es in Ebensfeld: Beim Faschungsumzug wurden viele Schnäpschen verteilt - für meinen Geschmack zu viel.

Die Erwachsenen freute es, die Kinder kamen dadurch leider ab und an zu kurz. Manche Wagen fuhren vorbei, ohne dass nur ein Bonbon geworfen wurde - an manchen Stellen kam nur eine Popcorn-Tüte auf mehrere Kinder. Schade, zumal sich die Mädchen und Jungen in Ebensfeld besonders hübsch rausgeputzt hatten.
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